DEUTSCHLAND/WELT

06.01.2010 | Frankfurt/Berlin (dpa)
Geldinstitute wollen Massen-Kartenaustausch vermeiden
Wegen der Probleme mit rund 30 Millionen EC- und Kreditkarten wollen die deutschen Geldinstitute ihren Kunden einen aufwendigen Massen-Austausch möglichst ersparen. Derzeit werde intensiv geprüft, fehlerhafte Karten-Mikrochips mit Hilfe einer neuen Software zu reparieren, sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) am Mittwoch in Berlin. «Unsere Aktivitäten zielen darauf ab, einen Austausch so weit wie möglich zu vermeiden». Der Einzelhandel, bei dem rund 200 000 Zahlterminals an Ladenkassen ebenfalls betroffen sind, forderte Ausfallgarantien und Schadenersatz bei solchen Problemen. Für Kunden, die wegen der Pannen gegen Gebühr Geld am Schalter abheben müssen, soll es Kulanzregelungen geben.

Wie der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) als Dachorganisation von Banken und Sparkassen mitteilte, sollen die zu Jahresbeginn aufgetretenen Probleme an Geldautomaten mittlerweile behoben sein. Die Terminals im Handel sollen bis Anfang kommender Woche wieder funktionieren. Grund des Ärgers sind falsch programmierte Mikrochips in bestimmtem Karten. Dadurch können sie die Jahreszahl 2010 nicht korrekt verarbeiten. Betroffen sind entgegen erster Vermutungen nicht neue, sondern ältere Karten. Keine Probleme gebe es mit allen EC-Karten, die nach dem 1. Juli 2009 ausgegeben wurden, und bei Kreditkarten mit Ausgabe nach März 2009, erläuterte der DSGV-Sprecher.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisierte, beim Zahlen per EC-Karte und Geheimzahl komme es regelmäßig zu Ausfällen. «Die Kreditwirtschaft muss dafür sorgen, dass die von ihr angebotenen Systeme zuverlässig funktionieren», sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Der Handel zahle jährlich Gebühren in dreistelliger Millionenhöhe dafür. Probleme gebe es derzeit bei etwa einem Fünftel der insgesamt eine Million Zahlungsterminals. Die Schwierigkeiten zeigten, wie unverzichtbar die Zahlung mit EC-Karte und Unterschrift sei, die auch jetzt als Alternative genutzt werde.
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) verlangte von Banken und Sparkassen «mehr Sorgfalt», um die Funktionsfähigkeit der Karten zu gewährleisten. «Wenn Kunden jetzt gezwungen sind, am Bankschalter Bargeld zu holen, dürfen dafür keine Gebühren berechnet werden», sagte sie dem «Tagesspiegel». Ein ZKA-Sprecher sagte, er gehe davon aus, dass die gesamte Branche an Kulanzregelungen interessiert sei.
06.01.2010 | Berlin (dpa)
Fragen & Antworten: Fernreparatur für EC- und Kreditkarten
Nach millionenfachem Ärger mit EC- und Kreditkarten zum Start ins neue Jahr setzen die deutschen Geldinstitute auf eine Operation «Fernreparatur». So sollen falsch programmierte Mikrochips auf dem Plastikgeld wieder funktionsfähig gemacht werden, ohne dass massenhaft Karten umgetauscht werden müssen.

Welcher Fehler ist bei den Karten aufgetreten?
Rund 30 Millionen EC- und Kreditkarten in Deutschland hatten zu Jahresbeginn plötzlich ein Problem, wie es schon zur Jahrtausendwende bei manchen technischen Geräten befürchtet worden war - die Software des Chips auf den Karten konnte die Datumsangabe des neuen Jahres 2010 nicht korrekt verarbeiten. Die Folge: An zehntausenden von Geldautomaten und rund 200 000 Bezahlterminals an Ladenkassen im Einzelhandel funktionierten die Karten nicht mehr.
Wie werden die Karten wieder in Gang gebracht?
Zunächst mit einer Art Erster Hilfe: Eine neue Programmversion für die Geldautomaten und Bezahlterminals sorgt vorerst dafür, dass sie nicht auf den defekten Chip, sondern wie vorher lange üblich auf den Magnetstreifen zugreifen, der mit auf der Karte ist. Die Geldautomaten sollen dadurch wieder funktionieren, wie der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) mitteilte. Bei den Ladenterminals soll es bis Anfang kommender Woche so weit sein. Manche Tüftler behelfen sich derweil mit einer Methode «Marke Eigenbau» - mit einem Streifen Klebeband auf dem Chip. Die Finanzbranche warnt aber eindringlich davor, auch wegen unklarer Haftungsfragen.
Wie sollen die Chips der Karten repariert werden?
Quasi aus der Ferne. Wie der französische Chiphersteller Gemalto mitteilte, arbeitet er mit den Banken und Sparkassen gerade an einem Korrekturverfahren. Nach Expertenangaben geht es darum, dass der Chip beim Einführen der Karte in einen Geldautomaten umprogrammiert wird, so dass der Datumsfehler nicht mehr auftritt. Die Einzelheiten müssen aber noch geprüft werden. Es gilt zudem als ungewiss, ob eine solche Reparatur auch bei Kreditkarten funktioniert.
Warum werden die fehlerhaften Karten nicht einfach ausgetauscht?
Ein massenhafter Umtausch wäre aufwendiger und teuer. Die Probleme sollten für die Kunden aber möglichst rasch und bequem beseitigt werden, sagte ein ZKA-Sprecher. Bei einem Austausch müssten Kunden erst einige Zeit auf eine neue Karte warten und sich auch eine neue Geheimzahl merken.




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