DEUTSCHLAND/WELT

09.01.2010 | Berlin (dpa)
Aigner: Probleme bei EC-Karten noch nicht behoben
Die Probleme bei EC- und Kreditkarten sind nach Ansicht von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) noch lange nicht gelöst.
In einem Gastbeitrag für «Bild am Sonntag» schrieb Aigner: «Nur auf den ersten Blick ist es für Millionen von Verbrauchern in Deutschland eine gute Nachricht: Sie können mit ihren EC-Karten im Inland wieder einkaufen und an Automaten Geld abheben. Doch damit ist das Grundproblem nicht behoben: Kreditkarten bleiben weiterhin nur bedingt einsetzbar.» Zur Begründung verwies die Ministerin auf die Probleme im Ausland: «Wer im Ausland Geld abheben oder einkaufen will, muss sich auch bei den EC-Karten nach wie vor auf Probleme einstellen und sollte sich vor Abreise bei seiner Bank erkundigen. Wann die Misere endgültig gelöst ist, bleibt unklar. Die Kreditinstitute müssen so schnell wie möglich Abhilfe schaffen und die Verbraucher fortlaufend informieren.»
Unverständnis äußerte Aigner darüber, dass es zu den Problemen überhaupt gekommen ist: «Spätestens seit der Jahrtausendwende kennen Software-Experten das Datumsproblem mit der Null. Deshalb ist es ein Rätsel, warum der Systemfehler bei den Chipkontrollen nicht aufgefallen ist.»
Zugleich forderte die CSU-Politikerin die Kreditinstitute auf, Wort zu halten und ihren Kunden die Kosten für Bargeld-Abhebungen am Bankschalter zu erstatten. Aigner: «Jetzt müssen Kartenhersteller und Banken aktiv werden, damit der elektronische Zahlungsverkehr sicher und reibungslos läuft. Wenn Kunden jetzt gezwungen sind, am Bankschalter Bargeld abzuholen, müssen ihnen die Kosten dafür erstattet werden. Den Ankündigungen der Bankenverbände müssen Taten folgen!»

08.01.2010 | Berlin (dpa)
Banken wollen nach EC-Panne Gebühren ersetzen
Banken und Sparkassen wollen Gebühren erstatten, die ihren Kunden wegen der Panne mit EC- und Kreditkarten entstanden sind.
Sparkassenpräsident Heinrich Haasis sagte am Freitag, auch wenn ein externes Programmierhaus für den Fehler verantwortlich sei, könnten die Kunden fehlerfreie Leistungen von Sparkassen und Landesbanken erwarten. Sie sollten deshalb nicht mit Gebühren belastet werden, die sich aus dem Ausweichen auf andere Zahlungsmittel ergeben.
Der Bundesverband deutscher Banken teilte mit, betroffene Banken hätten ebenfalls eine Kostenerstattung angekündigt. Wer wegen des Softwarefehlers bei den Kartenchips in den ersten Tagen des Jahres nur Geld an Automaten fremder Institute bekommen konnte, solle die Gebühren dafür zurückerhalten, sagte ein Sprecher. Das Gleiche gelte für Abhebungen am Schalter oder wenn Bargeld ins Ausland transferiert werden musste.
Haasis bekräftigte, dass alle Bezahlterminals bei Einzelhändlern spätestens am kommenden Montag wieder funktionieren sollen. «Wir rechnen aber damit, dass es bereits am Wochenende im Handel kaum noch zu Einschränkungen kommen wird.»

08.01.2010 | Berlin (dpa)
Handel: EC-Karten funktionieren wieder
Der deutsche Einzelhandel gibt Entwarnung: Die Schwierigkeiten beim Bezahlen mit EC-Karten seien behoben, teilte der Handelsverband Deutschland (HDE) am Freitag mit. «Die Verbraucher können wieder unbesorgt ihre EC-Karten an den Kassen des Handels nutzen», hieß es in einer Mitteilung.
Gemeinsam mit den Netzbetreibern sei es der Branche gelungen, die Zahlungsterminals an den Kassen neu zu konfigurieren. Nun könnten die fehlerhaft programmierten EC-Karten dort wieder gelesen werden.

08.01.2010 | Paris (dpa)
Gewerkschaft macht Gemalto verantwortlich
Die französische Gewerkschaft CGT macht den Arbeitsdruck beim Chipkartenhersteller Gemalto für den Ausfall von 30 Millionen EC- und Kreditkarten in Deutschland verantwortlich.
Das gelte besonders für das Gemalto-Werk Filderstadt, teilte die CGT am späten Donnerstagabend mit. Die Arbeitsbedingungen seien verschlechtert worden, um die Entwicklungskosten zu senken.
Gemalto scheine das Werk Filderstadt teilweise schließen und die Arbeit in Niedriglohnländer verlegen zu wollen. Auch im Werk La Ciotat bei Marseille, wo die Software für Bankkarten entwickelt werde, sei der Druck gestiegen. «Wenn man die Rentabilität auf Kosten der Belegschaft erhöhen will, hat das Folgen für die Qualität des Endprodukts.»
Die Chips der fehlerhaften Karten können seit Neujahr das Datum nicht korrekt verarbeiten. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband hofft, den Fehler mit einer neuen Software beheben zu können. Der Einzelhandel, bei dem 200 000 Zahlterminals an Ladenkassen ebenfalls betroffen sind, forderte Ausfallgarantien und Schadenersatz. Neuere Karten sind von dem Ausfall nicht betroffen. Gemalto ist ein französisches Unternehmen mit Rechtssitz in den Niederlanden.
08.01.2010 | Hamburg (dpa)
Hintergrund: EMV-Technik - Chip statt Magnetstreifen

Geldkarten mit EMV-Technologie haben einen Prozessorchip. Dieser ist eine Art Mini-Computer und kann gespeicherte Daten besser gegen Missbrauch schützen als der herkömmliche Magnetstreifen.
Die Abkürzung EMV setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der drei Gesellschaften zusammen, die den internationalen Standard für Karten und Geräte wie Geldautomaten entwickelt haben: Europay International (heute MasterCard Europe), MasterCard und Visa.
Die Chip-Technologie soll das Kopieren und Fälschen von Geldkarten eindämmen. Der Datensatz wird sicher verschlüsselt, die Karte bei Gebrauch auf Echtheit geprüft. Außerdem ist eine PIN nötig. Durch seine Rechenleistung bietet der Chip die Möglichkeit für Zusatzfunktionen. Der EMV-Standard soll die Magnetstreifen- Technologie ablösen. Nach Angaben des Unternehmens EMVCo, das die Technologie entwickelt, waren 2008 weltweit mehr als 730 Millionen Geldkarten mit dem EMV-Standard ausgestattet.




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