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DEUTSCHLAND/WELT

 

11.01.2010 | Zagreb (dpa)

Josipovic ist neuer Präsident Kroatiens

 

Ivo Josipovic ist neuer Präsident Kroatiens. Der Jura- und Musikprofessor habe in der Stichwahl am Sonntag 60,3 Prozent der abgegebenen Stimmen erzielt, berichtete die staatliche Wahlkommission in der Nacht zum Montag in Zagreb.

 

Sein Herausforderer, der langjährige Zagreber Bürgermeister Milan Bandic, habe das Rennen deutlich mit 39,7 Prozent der Stimmen verloren. Der Sieger war Kandidat der oppositionellen Sozialdemokraten und Vertreter des linken politischen Lagers. Verlierer Bandic vertrat den konservativen Teil des kleinen Adrialandes.

 

Der scheidende Präsident Stjepan Mesic, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten konnte, sagte Montagmorgen in Zagreb: «Das europäische Kroatien hat gewonnen».

Der 52-jährige Josipovic kündigte an, die Abrechnung mit der Kriminalität werde im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen. «Das habe ich versprochen und das werden wir auch durchführen». Und: «Ich werde Euch nicht enttäuschen». Er verließ den Saal mit seinen Anhängern mit dem Abspielen der Europa-Hymne. Das war ein Novum, denn sonst wird immer die kroatische Nationalhymne gespielt.

 

In der Parteizentrale der Sozialdemokraten (SDP) ließ sich Josipovic von seinen Anhängern mit «Ivo-, Ivo-Rufen» frenetisch feiern. Er stehe für ein «Programm der neuen Gerechtigkeit», sagte der Sieger in einer ersten Reaktion. Der kleine Adriastaat müsse «ein Land werden, in dem Arbeit belohnt sowie bezahlt und Kriminalität bestraft wird», sagte er weiter. Er appellierte an die Anhänger seines unterlegenen Gegenkandidaten, ihn als «Präsident aller Bürger» anzunehmen: «Ich werde auch Ihr Präsident sein, weil ich nicht trennen, sondern verbinden will».

 

Wahlverlierer Bandic schrieb seine Niederlage dem «Hass und der Unduldsamkeit» zu, die von seinen politischen Gegnern gegen ihn entfacht worden seien. Wörtlich sagte Bandic: «Eine solche Menge an Hass und Unduldsamkeit hat es in dieser Region in den letzten 20 Jahren nicht mehr gegeben».

 

Er gratulierte dem Wahlsieger und wünschte, dass dieser «Präsident aller Kroaten wird». Er werde keine Konsequenzen aus seiner Niederlage ziehen, sondern «morgen als Bürgermeister Zagrebs die Arbeit wieder aufnehmen». Welche politischen Ziele er darüber hinaus anstrebt, ließ er offen. Er versicherte lediglich: «Ich werde nicht aufgeben und weiter machen».

 

Die Stichwahl war auf größeres Interesse bei den 4,5 Millionen Wählern gestoßen als die erste Runde vor zwei Wochen. Die Wahlbeteiligung habe bei 50,3 Prozent gelegen, während sie vor zwei Wochen nur 44 Prozent betragen habe, teilte die Wahlkommission mit. Im Wahlkampf war die Stichwahl von beiden Seiten als Richtungsentscheidung zwischen Links und Rechts bezeichnet worden. Der Sozialdemokrat Josipovic habe die meisten Stimmen daher auch in den Großstädten errungen, hieß es. Verlierer Bandic habe dagegen bei den traditionell nationalistisch ausgerichteten Auslandskroaten vor allem im benachbarten Bosnien-Herzegowina punkten können.

11.01.2010 | Zagreb (dpa)

Breite Zustimmung für neuen kroatischen Präsidenten

 

Die Wahl von Ivo Josipovic (52) zum neuen kroatischen Präsidenten ist auf breite Zustimmung bei Politikern, Analytikern und Medien gestoßen. «Er ist jetzt eine Institution», sagte der Politologe Drazen Lalic am Montag in Zagreb. Mit dem angesehenen Juraprofessor steige auch das Ansehen des kleinen Adriastaates im Ausland, erwartete der Politikwissenschaftler Andjelko Milardovic. Die konservative Regierungschef Jadranka Kosor kündigte eine enge Zusammenarbeit mit Josipovic an, um das Land gemeinsam in die EU zu führen.

Der oppositionelle Sozialdemokrat war am Sonntag mit 60,3 Prozent der abgegebenen Stimmen zum neuen Staatsoberhaupt gewählt worden. «60 Prozent der Kroaten haben den Intelligenztest bestanden», titelte das Internetportal «Indeks». «Josipovic muss sofort damit beginnen, die moderne, neue und saubere kroatische Politik zu repräsentieren», verlangte die Zeitung «Jutarnji list». Das sei das «Gegenteil der alten politischen Verhältnisse in diesem Land, die so verseucht sind, dass die Bürger in großer Zahl von den Wahlurnen geflohen sind». Die Wahlbeteiligung lag nur bei 50,3 Prozent.

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