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  • Millionen-Spende an FDP

DEUTSCHLAND/WELT

 

18.01.2010 | Berlin (dpa)

Hotel-Steuer: FDP in Erklärungsnot

Die FDP gerät nach der umstrittenen Million-Spende eines Hotel-Unternehmers zunehmend in Erklärungsnot. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warf der Bundesregierung Käuflichkeit vor.

Nun zeige sich, warum Union und FDP Hoteliers Steuergeschenke geben, «weil es nämlich vorher Riesen-Spenden gegeben hat, in Millionenhöhe», sagte Gabriel in der ARD. Die SPD forderte die FDP auf, die Spende zurückzuzahlen. Die von Union und FDP beschlossene Mehrwertsteuersenkung für Hotelübernachtungen von 19 auf 7 Prozent sorgt derweil bei vielen Unternehmen für großen Frust.

Die Düsseldorfer Substantia AG hatte der FDP im Jahr 2009 insgesamt 1,1 Millionen Euro überwiesen. Die Substantia AG gehört einem der reichsten Deutschen, August Baron von Finck - seine Familie ist laut «Spiegel» Miteigentümer der Mövenpick-Gruppe, die in Deutschland 14 Hotels betreibt. In den Koalitionsverhandlungen von Schwarz-Gelb hatten besonders FDP und CSU auf eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Hotel-Übernachtungen von 19 auf 7 Prozent gedrungen. Der von der Opposition als Klientel-Politik kritisierte Steuernachlass trat zum 1. Januar 2010 in Kraft. Die FDP bestreitet einen Zusammenhang zwischen der Spende und der Steuersenkung.

Acht große Wirtschaftsverbände beschwerten sich einem Bericht zufolge bei der Bundesregierung über die neue Regelung. Die neue Regelung mache die Abrechnung von Dienstreisen komplizierter, heißt es in einem Brief an das Bundesfinanzministerium, der der Zeitung «Die Welt» (Montag) vorliegt. Kern des Problems ist, dass der niedrigere Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent nur für die Übernachtung gilt. Das Frühstück am nächsten Morgen wird weiter mit 19 Prozent besteuert, es wird deshalb seit dem 1. Januar erstmals getrennt auf der Rechnung ausgewiesen.

In dem Schreiben sei von einer massiven Verkomplizierung zu Lasten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Rede. Das Ministerium müsse die politisch nicht gewollten Folgen der Steuersenkung dringend abmildern, verlangen die Verbände, darunter der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks.

Die Arbeitgeber hätten nun einen höheren Aufwand mit Reisekostenabrechnungen, der vor dem Hintergrund schon bestehender Bürokratielasten nicht zumutbar sei. Die ungleiche Besteuerung von Übernachtung und Frühstück führe dazu, dass viele Geschäftsreisende nun entweder teilweise auf eigene Kosten frühstücken müssen oder auf einen Teil des Frühstücks Lohnsteuer zahlen, denn die Mahlzeit kann anders als die Übernachtung vom Arbeitgeber nicht vollständig lohnsteuerfrei erstattet werden. Bisher konnten Arbeitgeber und Finanzämter mit steuerfreien Pauschalen rechnen, weil der genaue Frühstückspreis auf den meisten Hotelrechnungen nicht erkennbar war.

17.01.2010 | Berlin (dpa)

Millionen-Spende von Hotelier: Vorwürfe gegen FDP

 

Wegen der Millionenspende eines Hotel-Unternehmers sieht sich die im Bund regierende FDP mit Vorwürfen konfrontiert. Die Düsseldorfer Substantia AG hat der Partei insgesamt 1,1 Millionen Euro überwiesen. Die FDP hatte Steuererleichterungen für Hoteliers durchgesetzt.

 

Entsprechende «Spiegel»-Informationen bestätigte ein FDP-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Die Summe ist eine der höchsten Parteispenden in der Geschichte der Freidemokraten und wurde in drei Teilspenden im Jahr 2009 überwiesen. Die SPD forderte eine Rückzahlung der Spende, weil sonst der Eindruck entstehe, mit dem Geld seien politische Entscheidungen beeinflusst worden.

Die Substantia AG gehört einem der reichsten Deutschen, August Baron von Finck - seine Familie ist laut «Spiegel» Miteigentümer der Mövenpick-Gruppe, die in Deutschland 14 Hotels betreibt. In den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen hatte die FDP mit der CSU im Herbst 2009 auf eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Hotel- Übernachtungen von 19 auf 7 Prozent gedrungen. Der von der Opposition als Klientel-Politik kritisierte Steuernachlass trat zum 1. Januar 2010 in Kraft. «Es gibt keinen Zusammenhang mit der beschlossenen Mehrwertsteuer-Senkung», sagte der FDP-Sprecher der dpa. Die Spende sei Bundestagspräsident Norbert Lammert korrekt angezeigt worden.

 

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warf der Bundesregierung Käuflichkeit vor. Nun zeige sich, warum Union und FDP Hoteliers Steuergeschenke geben, «weil es nämlich vorher Riesen-Spenden gegeben hat, in Millionenhöhe», sagte Gabriel in der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin». Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) zeigte sich «erschrocken» über die Millionenspende des Hotelkonzerns an die FDP. Dies sei ein «Vorgang von politischer Bedeutung», weil damit der Eindruck entstehe, «das politisches Wohlverhalten durch Parteispenden belohnt wird».

Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, sagte, die FDP müsse die Spende zurückgeben, weil sonst der Eindruck bestehe, dass sie käuflich sei. SPD-Fraktionsvize Joachim Poß sagte: «Jetzt wird transparent, was man erwarten konnte. CSU und FDP sind in den vergangenen Jahren offensichtlich zu reinen Lobbyvereinen degeneriert.» Die FDP habe «offenkundig aus allen Spendenaffären der zurückliegenden Jahrzehnte nichts gelernt und macht weiter Politik nur für bestimmte Wählergruppen, um deren Spenden abzugreifen».

 

Die FDP mache sich den Staat zur Beute, kritisierte die Grünen- Fraktionsvorsitzende Renate Künast: «Jetzt ist offenbar Zahltag: Auf der einen Seite wird die Mehrwertsteuer für Hotels reduziert, auf der anderen Seite erhält die FDP eine Millionenspende aus der Branche.» Die Grünen forderten ein klärendes Wort des FDP- Vorsitzenden Guido Westerwelle, «ob es zu seinem Politikverständnis gehört, den Staat für reine Klientelpolitik auszuplündern».

 

Die frühere FDP-Staatsministerin Hildegard Hamm-Brücher kritisierte im «Spiegel»: «In der Regierung macht die FDP reine Klientelpolitik. Sie kümmert sich um die Steuerfragen einer bestimmten Schicht, das ist alles.»

 

«Mit dem Eintritt der FDP in die Bundesregierung gewinnen die Unternehmerlobbyisten an Einfluss», sagte Elmar Wigand vom Verein LobbyControl dem Magazin. Der einflussreiche Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hatte seit Monaten massiv für die Steuersenkung geworben. Ernst Fischer, Präsident des Dehoga und FDP-Mitglied, begründete dies so: «Sieben Prozent Mehrwertsteuer wären das beste Konjunkturprogramm für eine Branche, in der über 100 000 Arbeitsplätze akut in Gefahr sind.»

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