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DEUTSCHLAND/WELT

 

02.02.2010 | Pontoise/Paris (dpa)

Prozess zu Concorde-Katastrophe hat begonnen

Knapp zehn Jahre nach Absturz einer Concorde mit 97 Deutschen an Bord hat am Dienstag der Prozess gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen der Katastrophe begonnen. Ein französisches Gericht soll in den kommenden Monaten klären, ob sich Techniker der US-Fluggesellschaft Continental Airlines der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht haben. Angeklagt sind auch drei ehemalige Mitarbeiter der französischen Luftfahrtbehörde DGAC und des Concorde-Herstellers Aérospatiale. Ihnen wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, nicht vor möglichen Risiken des Flugzeugs gewarnt zu haben.

Bei dem Absturz des Überschalljets in der Nähe des Pariser Flughafens Charles de Gaulle waren am 25. Juli 2000 insgesamt 113 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten waren Deutsche, die von New York aus zu einer Kreuzfahrt starten wollten. Die Katastrophe läutete zugleich das Ende der Concorde ein. Die französischen und britischen «Donnervögel», die in nur dreieinhalb Stunden von Europa nach New York flogen, wurden 2003 aus dem Betrieb genommen.

Luxuriöser Überschalljet: Die Concorde

Schnell, laut und teuer: Die Concorde war das einzige Überschallflugzeug der zivilen Luftfahrt. Eine Reise mit der von British Airways und Air France eingesetzten Maschine konnten sich aber nur wenige leisten. Ein Trip von London nach New York kostete mehr als 10 000 Euro.

Ende 1962 unterzeichneten die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs den Vertrag über Entwicklung und Bau eines Überschall-Verkehrsflugzeuges. Die Maschine startete zu ihrem ersten Testflug am 2. März 1969 über Toulouse, der Linienbetrieb wurde 1976 aufgenommen.

Rund 100 Passagiere fanden in dem silbernen Flieger Platz, der mit mehr als zweifacher Schallgeschwindigkeit (2200 Stundenkilometer) in rund dreieinhalb Stunden über den Atlantik düste. Die Geschwindigkeit hatte jedoch ihren Preis: Die 25 Meter breite und 62 Meter lange Maschine verbrannte rund 25 600 Liter Treibstoff in der Stunde.

Königin Elizabeth II., Paul McCartney und Claudia Schiffer nutzten den Überschallflieger. Nach Schätzungen waren jedoch rund 80 Prozent der Passagiere Geschäftsleute, nur 10 Prozent Prominente und 10 Prozent Fluggäste, die sich einmal so einen Flug leisten wollten. Nach dem Concorde-Absturz im Jahr 2000 sanken die Passagierzahlen rapide - drei Jahre später stellten die Fluggesellschaften den Betrieb ein.

 

Hamburg (dpa)

Ende einer Legende: Die Concorde

Fast 30 Jahre lang verband der Luxusflieger Concorde Europa mit der Welt. Über den Atlantik brauchte der Überschalljet rund dreieinhalb Stunden. Ein Rückblick:

29. November 1962: Frankreich und Großbritannien unterzeichnen einen Vertrag über Entwicklung und Bau eines Überschallflugzeugs.

2. März 1969: Die Concorde hebt in Toulouse zum ersten Testflug ab. Am 1. Oktober überschreitet sie erstmals die Schallgeschwindigkeit (mehr als 1000 Stundenkilometer). Rund ein Jahr später fliegt sie doppelt so schnell.

21. Januar 1976: Die Concorde nimmt den Linienflugdienst mit Verbindungen nach Bahrain (British Airways) und Rio de Janeiro (Air France) auf. Die Route nach New York kommt im November 1977 hinzu.

März 1982: Air France stellt wegen geringer Passagierzahlen und hoher Treibstoffkosten die Flüge nach Caracas und Rio de Janeiro ein. Seit 1994 fliegt der Jet von London und Paris nur noch New York an.

25. Juli 2000: Kurz nach dem Start vom Pariser Flughafen Charles de Gaulle (Roissy) stürzt eine Air-France-Concorde auf ein Hotel. In dem Flammeninferno kommen 113 Menschen ums Leben, darunter 97 Deutsche.

 

16. August 2000: Die britische und die französische Luftfahrtbehörde verhängen ein Flugverbot für die Concorde. 15 Monate später nimmt ein verbessertes Modell den Flugbetrieb wieder auf.

16. Januar 2002: Der Unglücks-Abschlussbericht bestätigt eine fatale Kettenreaktion: Demnach ließ ein Metallstück auf der Startbahn einen Reifen der Concorde platzen, Teile davon trafen einen Tank, das auslaufende Kerosin geriet in Brand.

19. Februar 2003: Eine Concorde der Air France muss mit einem Triebwerksschaden in Halifax (Kanada) notlanden. Am 10. April kündigen British Airways und Air France an, die Concorde aus Kostengründen auszumustern.

31. Mai 2003: Zum letzten Mal landet eine Air-France-Concorde nach regulärem Flugplan in Paris. Fünf Monate später startet der letzte kommerzielle Flug von London nach New York. Danach stellt auch British Airways den Flugbetrieb ein.

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