DEUTSCHLAND/WELT

08.02.2010 | Berlin (dpa)
Glatteis-Stürze: Klinikärzte operieren schon nachts
Die vielen Stürze auf eisglatten Wegen und Straßen halten Berlins Klinik-Ärzte auf Trab. «Wir müssen inzwischen nachts durchoperieren, um das alles zu schaffen», sagte Gerrit Matthes, Oberarzt am Berliner Unfallkrankenhaus, am Montag. Zur Zeit würden allein in der Marzahner Klinik am Tag rund 100 Patienten mit Sturzverletzungen eingeliefert, auch viele jüngere Patienten seien dabei.
Die Hälfte von ihnen müsse auch operiert werden, ergänzte Matthes. Häufig seien Hand- und Sprunggelenke gebrochen. Aber auch Ober- und Unterschenkel erwischt es oft. «Bei einem Sturz auf Eis ist der Aufprall besonders hart. Das zieht viele Operationen nach sich», ergänzte Matthes. Bis ein Bruch wieder verheilt ist, dauert es mindestens sechs Wochen.
Die Berliner Stadtreinigung (BSR) versucht unterdessen, das Sturzrisiko auch auf den Nebenstraßen abzumindern. Vereiste Nebenstraßen würden mit Split gestreut, sagte Sprecher Bernd Müller. Der Einsatz von Feuchtsalz ist dort aus Umweltschutzgründen verboten.

Auch auf großen Plätzen und in Fußgängerzonen ist die BSR nun mit Split unterwegs. Ihren Subunternehmern droht sie weiter mit
Vertragsstrafen, wenn sie nicht zufriedenstellend arbeiten. Für Gehwege vor Häusern bleiben aber die Eigentümer zuständig. Fordert das Ordnungsamt die BSR auf Gehwegen zum Räumen an, weil Eigentümer nicht dafür sorgen, müssen sie später die Rechnung begleichen.
Glatteis-Unfälle: Ärzte geben Zählen auf
Nach fünf Wochen Schnee und Glätte kommen die großen Berliner Krankenhäuser beim Zählen der vielen Sturzverletzungen kaum noch nach. «Menschen, die auf glatten Straßen und Gehwegen ausrutschen, brechen sich am häufigsten den Unterarm oder ziehen sich Zerrungen, Prellungen und Brüche des Sprunggelenks zu», sagte Daniel Schachinger, Rettungsstellen-Chefarzt am Vivantes Klinikum im Friedrichshain, aus seiner Erfahrung. Auch Platzwunden am Kopf müssten nach Stürzen häufig behandelt werden. In die Berliner Charité werden weiter viele Patienten mit Brüchen eingeliefert. Am Anfang wurden hier die Glatteis-Unfälle noch gezählt, inzwischen haben die Ärzte es aufgegeben.
Der Winter macht keine Pause. Am Mittwoch soll es in Berlin wieder schneien. Bei der BSR haben dann Autobahn und Hauptstraßen sofort wieder Vorrang. Im Moment reichten die Feuchtsalzvorräte noch, sagte Müller. Erst bei einem noch längerem Wintereinsatz werde auf den Hauptstraßen eine Mischung aus Salz und Split gestreut.

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