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DEUTSCHLAND/WELT

 

Schnee in Washington
Fotos
10.02.2010 | Washington/New York (dpa)

Rekord-Schnee an US-Ostküste

 

Rekord-Schneefälle, Sturm, Chaos und kein Ende: Die US-Ostküste kämpft gegen einen der härtesten Winter seit Jahrzehnten. Zum zweiten Mal binnen nur einer Woche fegte am Mittwoch eine Schneefront über die Region hinweg. Der Winter 2009/2010 rund um Washington wurde damit zum schneereichsten seit Beginn der Aufzeichnungen. In der amerikanischen Hauptstadt wurde am Mittwoch ein seit 111 Jahren bestehender Rekord gebrochen.

 

Besonders getroffen war das Städte-Dreieck Washington- Philadelphia-Baltimore. Selbst Schneepflüge wurden streckenweise nicht mit den Schneemassen fertig und gaben auf. Mehrere Fernstraßen wurden geschlossen. Vor den Toren Washingtons gingen zeitweise 2,5 Zentimeter Neuschnee in einer halben Stunde nieder. Weit mehr als zehntausend Menschen waren in der Region Medien zufolge abermals ohne Strom - am Wochenende waren es zeitweise über 200 000.

«Ich lebe seit 40 Jahren hier, so etwas habe ich noch nie erlebt», sagte ein Mann, der sich im Vorort Bethesda auf die Straße wagte. In der Hauptstadt selbst ging erneut nichts mehr. Selbst ums Weiße Haus waren Straßen wie ausgestorben. Bundesbeamte durften den dritten Tag hintereinander zu Hause bleiben, Schulen blieben geschlossen. Teilweise konnte man wegen starken Windes kaum zehn Meter weit sehen. In einer außerhalb der Stadt gelegenen Lagerhalle des weltbekannten Smithsonian-Museums stürzte unter der Schneelast das Dach ein.

 

Ähnlich sah es in Philadelphia aus. «Keine Autos auf den Straßen, keine Busse, keine Taxis, keine Menschen», berichtete ein TV- Wetterkanal. Meteorologen sagten voraus, dass es gebietsweise bis in die Nacht zum Donnerstag durchschneien könnte. Auch die Straßen von Baltimore war so gut wie menschenleer.

 

An drei zentralen Messstationen der Region rund um Washington wurden die bisherigen Rekorde bis zum Mittwoch eingestellt, teilte die Nationale Wetterbehörde mit. In US-Hauptstadt, wo seit 126 Jahren über Schneemengen Buch geführt wird, wurde der bislang gültige Rekord des Winters 1898/99 von insgesamt 138,2 Zentimetern gebrochen.

 

In Baltimore wurde um die Mittagszeit eine bisherige Gesamthöhe der Saison von 183,6 Zentimetern gemessen. Der Rekord vom Winter 1995/96 lag bei 158,8 Zentimeter. An Washingtons Internationalem Flughafen Dulles, der eigentlich eine halbe Autostunde außerhalb der Hauptstadt in Nord-Virginia liegt, wurde die bisherige Rekordmarke von 1995/96 bereits am Dienstag überholt.

Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) wurde bei seiner Washington-Reise «lahmgelegt». Er musste Termine absagen. Rüttgers konnte seine Visite nicht einmal abbrechen. «Alle Flügen wurden annulliert», sagte sein Sprecher.

 

Das Zentrum der Schlechtwetterfront sollte sich allerdings nach New York verlagern. Dort sah es zwar zunächst noch relativ harmlos aus. Doch auch hier blieben die meisten Schulen dicht; auch Universitäten öffneten nicht. Sogar die Vereinten Nationen in New York gaben ihren Mitarbeitern frei und blieben für Touristen und Diplomaten geschlossen. Wer trotz Sturmwarnung zur Arbeit ging, dem sagten die Wetterfrösche Unbill voraus: «Sie werden wohl zur Arbeit hinkommen (...), aber ob Sie wieder zurückkommen, ist fraglich».

 

Auf den Flughäfen im Städte-Dreieck Washington-New York- Philadelphia fielen so gut wie alle Flüge aus. Am schlimmsten sah es in Washington und Philadelphia aus. Die Briefzustellung wurde erneut eingestellt, die Metro fuhr lediglich im unterirdischen Streckennetz, Busse rückten gar nicht erst aus. In New York richtete man sich auf schwere Behinderungen ein. Vorsichtshalber blieben auch der Zoo, die Freiheitsstatue und das Auswanderermuseum auf Ellis Island geschlossen. Auf den sonst verstopften Straßen Manhattans fuhren nur wenige Autos, zumeist Taxis. Viele Firmen und Ämter blieben zu.

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