DEUTSCHLAND/WELT

16.02.2010 Brüssel (dpa)
Ermittler suchen Ursache für Zugunglück in Belgien
Nach dem schweren Zugunglück in der Nähe von Brüssel mit 18 Toten suchen die Ermittler nach der Unfallursache. Nach ersten Erkenntnissen hatte der Lokführer einer der beiden Regionalbahnen am Montagmorgen ein Haltesignal übersehen und war trotz Rotlichts weitergefahren.
Dabei prallte der Zug in Buizingen bei Brüssel mit hoher Geschwindigkeit gegen eine andere Bahn. Für die Spurensuche und die Bergungsarbeiten bleibt die Strecke nach Angaben der Staatsanwaltschaft Brüssel noch mindestens zwei Tage lang gesperrt.
Obwohl die Strecke mit modernster Technik ausgestattet war, konnte dies den Unfall nicht verhindern. Auf den Gleisen gab es ein Sicherheitssystem, das Züge automatisch bremst, wenn sie ein Haltesignal missachten. Jedoch war nur einer der beiden Züge damit ausgestattet, wie die Bahngesellschaft SNCB mitteilte.
Zugleich setzt die Polizei die Identifizierung der Toten fort, die sehr schwierig sei und noch den ganzen Dienstag dauern werde. Das kündigte der Gouverneur von Flämisch-Brabant, Lodewijk De Witte, am Montagabend an. Nach einer ersten Bilanz kamen bei dem Unglück 18 Menschen ums Leben, darunter ein Kind. Verletzt wurden 95 Menschen, berichtete die Nachrichtenagentur Belga am Abend. Unter den Toten seien auch der Lokführer eines Zuges sowie zwei Franzosen.
Die Bahngleise auf der Strecke südlich von Brüssel blieben voraussichtlich noch zwei Tage lang gesperrt. Dadurch werden am heutigen Dienstag Schnellzüge wie der Thalys zwischen Brüssel und Paris sowie der Eurostar zwischen Brüssel und London ausfallen.

16.02.2010 | Brüssel (dpa)
Nach Zugunglück legen Lokführer die Arbeit nieder
Einen Tag nach dem schweren Zugunglück mit 18 Todesopfern bei Brüssel haben Lokführer in mehreren belgischen Städten die Arbeit niedergelegt. Wegen der Warnstreiks fielen im morgendlichen Berufsverkehr viele Züge im Süden Belgiens (Region Wallonie) aus, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga am Dienstag meldete. Die Beschäftigten wollen damit gegen die ihrer Meinung nach schlechten Arbeitsbedingungen bei der Staatsbahn SNCB protestieren, die den Unfall mitverursacht hätten.
Bei dem Unglück am Montag hatte der Zugführer einer Regionalbahn ein Haltesignal übersehen und war in Buizingen bei Brüssel mit einer anderen Bahn zusammengeprallt. Bei dem Unglück kamen mindestens 18 Menschen ums Leben, bis zu 160 Menschen erlitten Verletzungen. Die Gewerkschaften kritisierten den Personalmangel bei der Bahn, wodurch viele Lokführer und das Sicherheitspersonal überlastet und übermüdet seien.

Die Bahngewerkschaften CGSP und SLFP erklärten am Dienstag, die Arbeitsniederlegungen seien nicht gewerkschaftlich organisiert, sie unterstützten aber die Aktionen. Die Beschäftigten blockierten die Bahndepots in den Städten Braine-le-Comte, Mons, Lüttich, Ath, Saint-Ghislain, La Louvière, Charleroi, Namur, Ottignies, Tournai und Löwen.
Für die Spurensuche und die Bergungsarbeiten bleibt die Strecke nach Angaben der Staatsanwaltschaft Brüssel noch mindestens zwei Tage lang gesperrt. Dadurch werden am (heutigen) Dienstag Schnellzüge wie der Thalys zwischen Brüssel und Paris sowie der Eurostar zwischen Brüssel und London ausfallen.

15.02.2010 | Brüssel (dpa)
Zugführer übersah Stoppsignal - 18 Tote in Belgien
Ein unachtsamer Lokführer hat in Belgien ein katastrophales Zugunglück mit mindestens 18 Toten verursacht. Der Fahrer hatte ein rotes Stoppsignal übersehen.
Weitere 80 Fahrgäste wurden verletzt. Im morgendlichen Berufsverkehr waren am Montag in Buizingen bei Brüssel zwei voll besetzte Regionalzüge zusammengeprallt. Für viele Pendler wurde es zu einer Fahrt in den Tod. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Brüssel könnte die Zahl der Todesopfer noch auf 20 steigen, da in den Trümmern weiter nach Opfern gesucht wurde. Der internationale Zugverkehr nach Frankreich und England war komplett unterbrochen.
Der Lokführer der Regionalbahn aus Löwen habe ein Haltesignal übersehen, sagte der Gouverneur von Flämisch-Brabant, Lodewijk De Witte. Vermutlich spielte das schlechte Wetter mit dichtem Schneefall eine Rolle. Der Fahrplan sei durcheinandergeraten, da der entgegenkommende Zug zehn Minuten Verspätung hatte. Nach Angaben des belgischen Bahnnetz-Betreibers Infrabel war die Strecke mit einem Sicherheitssystem ausgestattet, das Züge beim Überfahren eines roten Signals automatisch stoppt. Doch seien noch nicht alle Züge damit ausgerüstet.

Die Katastrophe mitten im morgendlichen Pendlerverkehr ereilt Belgien knapp drei Wochen nach der schweren Gasexplosion in Lüttich mit 14 Toten. Diesmal waren nach Angaben des Krisenzentrums der Polizei 15 Männer und drei Frauen unter den Toten. In den voll besetzten Zügen saßen laut Bahngesellschaft SNCB 250 bis 300 Menschen. Einige Fahrgäste wurden eingeklemmt und mussten von der Feuerwehr befreit werden. Etwa 20 Fahrgäste erlitten schwere Verletzungen, weitere 60 wurden wegen Schocks, Prellungen oder kleiner Schnitte behandelt. Schneefall und eisige Kälte behinderten die Bergungsarbeiten.
Der Unfall ist das schwerste Zugunglück in Belgien seit 1974. Damals kamen bei einem Unfall der Bahn Charleroi-Brüssel-Antwerpen ebenfalls 18 Menschen ums Leben. Am Montag besuchten der belgische König Albert II. sowie Premierminister Yves Leterme den Unglücksort. Zahlreiche Politiker - darunter der französische Präsident Nicolas Sarkozy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso - sprachen dem belgischen König ihr Beileid aus.

Vor Ort bot sich ein Bild der Verwüstung. Bei dem Unfall waren die Züge bei einem Gleiswechsel auf dasselbe Gleis zugerollt und seitlich gegeneinandergeprallt. Die Wucht des Aufpralls schob die beiden ersten Waggons im 45-Grad-Winkel nach oben. Darunter verkeilte sich ein weiterer Waggon, mehrere Wagen sprangen aus den Schienen.
Das Unglück ereignete sich am Morgen gegen 8.30 Uhr zwischen den Bahnhöfen Buizingen und Halle am südwestlichen Brüsseler Stadtrand. Ein Zug fuhr von Löwen nach Braine-le-Comte südlich von Brüssel. Der zweite Zug war von Quievrain an der französisch-belgischen Grenze nach Lüttich unterwegs.
Die Behörden hatten zunächst unterschiedliche Angaben zur Zahl der Toten gemacht. Eine erste Bilanz wurde am Nachmittag gezogen. «Wir gehen von 18 Todesopfern aus. Die Zahl könnte auf maximal 20 steigen», sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Brüssel der Deutschen Presse-Agentur dpa. Da die Bergungsarbeiten andauerten, gebe es noch noch keine endgültige Zahl. Die Identifizierung der Opfer dauere an. Die Spurensuche sammelte auch am Nachmittag noch Kleidungsstücke und Wertgegenstände am Unfallort ein. Einige Leichen konnten noch nicht aus den verbogenen Waggons geborgen werden.

«Es war wie ein Erdbeben», sagte ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur dpa. Ein anderer berichtete, der Zug habe hart gebremst. «Dann hörten wir einen lauten Knall und ich sah einen Waggon an meinem Fenster vorbeischlittern.» Die Fahrgäste seien nach vorne geschleudert worden und auf den Boden gefallen. Nach dem Aufprall hätten einige Passagiere ein Fenster eingeschlagen und seien herausgeklettert.
Da die Waggons die Strecke zum zentralen Bahnhof Brüssel-Midi blockierten, kam der internationale Zugverkehr nach Frankreich und England zum Erliegen. «Alle Züge zwischen Brüssel und London werden für den ganzen Tag abgesagt», sagte ein Sprecher des Bahnunternehmens Eurostar. Züge aus London mussten in Lille halten. Superschnellzüge von Brüssel nach Paris wurden umgeleitet. Fahrgäste auf dem Weg von Köln nach Paris mussten in Brüssel aussteigen. Die Behörden richteten ein Krisenzentrum und eine Notrufnummer für Angehörige ein. Das Rote Kreuz rief zum Blutspenden auf.
Chronologie: Schwere Bahnunglücke in Europa
Zugunglücke in Europa haben schon viele Menschen das Leben gekostet. Meist war menschliches Versagen der Grund. Einige der schlimmsten Katastrophen:
- 29. Juni 2009 in Italien: Am Bahnhof von Viareggio explodiert ein mit Flüssiggas beladener Güterwagen. Er war nach einem Achsbruch entgleist. 31 Menschen sterben, rund 1000 müssen in Sicherheit gebracht werden.
- 23. Januar 2006 in Montenegro: Nahe der Hauptstadt Podgorica entgleist ein Regionalzug, vier Waggons stürzen in eine Schlucht. 44 Menschen kommen ums Leben, 198 werden verletzt.
- 7. Januar 2005 in Italien: Auf der eingleisigen Strecke Bologna-Verona prallen ein Passagierzug und ein Güterzug zusammen - 17 Tote. Ein Lokführer hatte ein Haltesignal übersehen.
- 3. Juni 2003 in Spanien: Bei Chinchilla im Südosten kollidiert ein Schnellzug mit einem Güterzug. 19 Insassen sterben, weil ein Signal falsch gestellt wurde.
- 28. Februar 2001 in Großbritannien: Bei Selby (North Yorkshire) werden entgleiste Waggons eines Zuges von einem weiteren gerammt. 10 Menschen sterben.
- 4. Januar 2000 in Norwegen: 19 Tote sind die Bilanz eines Zusammenpralls auf einer eingleisigen Strecke nördlich von Oslo. Der Führer eines Regionalzugs hatte ein Signal ignoriert.
- 5. Oktober 1999 in Großbritannien: Im Westen Londons rasen zwei Personenzüge ineinander. 31 Menschen sterben, weil ein Zugführer ein Haltesignal übersehen hatte.
- 3. Juni 1998 in Deutschland: Bei Eschede in Niedersachsen zerschellen Waggons eines ICE an einer Straßenbrücke. 101 Reisende sterben, Dutzende werden schwer verletzt. Ein gebrochener Radreifen hatte den Zug zum Entgleisen gebracht.




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