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DEUTSCHLAND/WELT

 

Sturmtief beeinträchtigt Bahn- und Luftverkehr


Service-Nummer der Bahn Tel. 08000 99 66 33 | Infos unter www.bahn.de/blitz/view/index.shtml
Informationen zu Flugausfällen an den Berliner Flughäfen unter www.berlin-airport.de/DE/index.html

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Xynthia wütet über Europa
Fotos
28.02.2010 | Offenbach (dpa)

Orkan fordert mindestens 54 Menschenleben

Das Orkantief «Xynthia» hat eine Schneise der Verwüstung durch Westeuropa gezogen und mindestens 54 Menschen in den Tod gerissen. In Frankreich kamen 45 Menschen vor allem bei Überschwemmungen an der Atlantikküste ums Leben, wie das Innenministerium nach einer Krisensitzung am Sonntagabend mitteilte. Die Zahl der Opfer könnte aber auf bis zu 50 steigen. Die Regierung kündigte Nothilfe-Kredite und Steuererleichterungen an. In Deutschland starben mindestens fünf Menschen, meist durch umstürzende Bäume. Insgesamt vier Opfer meldeten auch Spanien und Portugal. Der Orkan erreichte in Spanien einen Rekord von 228 Stundenkilometern.

In Deutschland wüteten die bis zu 166 Kilometer schnellen Böen am heftigsten in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Im südhessischen Biblis wurde ein Zweijähriger in einen Fluss geweht und konnte nur noch tot geborgen werden. Im Schwarzwald kam ein 74-jähriger Autofahrer ums Leben, bei Wiesbaden ein 69 Jahre alter Wanderer. In Nordrhein-Westfalen starben eine Joggerin und eine Autofahrerin. Der Sturm richtete Millionenschäden an.

«Xynthia» forderte mehr Menschenleben in Europa als die zerstörerischen Orkane «Lothar» (1999) und «Kyrill» (2007). DieEuropäische Union erklärte sich zur Hilfe bereit. Die EU-Kommission werde Unterstützung für die am meisten betroffenen Länder prüfen, erklärte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Brüssel. Demnach sind Zahlungen aus dem EU-Solidaritätsfonds möglich.

Der Sturm richtete bundesweit große Schäden an. Orkanböen entwurzelten Bäume, deckten Dächer ab und wirbelten Baustellenteile durch die Luft. Im Reiseverkehr brach ein Chaos aus: Züge standen still, Flüge fielen aus, Straßen waren blockiert. Reisende müssen auch am Montag mit Beeinträchtigungen rechnen. Nachdem in einigen Regionen der Zugverkehr eingestellt wurde, stehen nach Angaben der Bahn viele Züge nicht dort, wo sie am Montag gebraucht werden.

Züge stehen still

In ganz Nordrhein-Westfalen ruhte der Verkehr auf den Schienen am Abend. Die Polizei in NRW rückte bis 20.00 Uhr zu fast 5000 sturmbedingten Einsätzen aus, mindestens 28 Menschen erlitten Verletzungen. «Auf den Autobahnen sieht es grausam aus», sagte ein Polizeisprecher. Die Feuerwehr in Iserlohn sprach von «Kyrill II». Der Orkan hatte im Januar 2007 eine Schneise der Verwüstung durch Europa geschlagen. In Düren stürzte ein Kirchturm ein.

 

In Frankfurt/Main wurde die A3 gesperrt. In der Stadt waren der Hauptbahnhof und der Bahnhof am Flughafen vorübergehend  geschlossen. Bis zum Abend fielen fast 250 Flüge aus. «Es ist alles im Einsatz, was fahren und laufen kann», sagte ein Polizeisprecher in Frankfurt. Bis zu 20 000 Menschen waren in Hessen von Stromausfällen betroffen. In Rheinland-Pfalz fiel in einigen Orten der Strom aus.

 

Aus Sicherheitsgründen war die Geschwindigkeit vieler Fernzüge gedrosselt worden. Ein Intercity-Express mit etwa 800 Reisenden saß nach einer Kollision mit einem entwurzelten Baum stundenlang auf freier Strecke zwischen Fulda und Hanau fest. Ein ICE auf dem Weg von Berlin nach Basel strandete in Göttingen. Im Saarland stellte die Bahn den Regionalverkehr komplett, in Rheinland-Pfalz fast ganz ein.

Viele Straßen Baden-Württembergs waren von entwurzelten Bäumen blockiert. Im Raum Stuttgart fiel der Bahnverkehr aus, ein Ersatzverkehr über die zum Teil verwüsteten Straßen war nicht möglich. Bei Würzburg in Bayern erlitt ein Mann schwere Quetschungen, als er im Sturm die Arretierung eines Krans lösen wollte.

 

Thüringen meldete am frühen Abend Stromausfälle und Straßensperrungen. Bei Eisenach wurde eine Mittelleitplanke einfach umgeweht. «Man sollte nicht denken, dass so etwas geht», sagte ein Polizeisprecher. Für die Nacht rechneten die Meteorologen auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit orkanartigen Stürmen. Im südlichen Niedersachsen meldete die Polizei «Notrufe im Sekundentakt».

«Xynthia» sei ein Sturmtief, «wie man es nicht jedes Jahr hat», sagte Meteorologe Peter Hartmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Die höchste Windgeschwindigkeit in Deutschland wurde nach DWD-Angaben mit 166 Kilometern pro Stunde am 557 Meter hohen Weinbiet bei Neustadt/Weinstraße (Rheinland-Pfalz) gemessen.

«Meteorologische Bombe»

In Spanien, wo die Wetterexperten von einer «meteorologischen Bombe» gesprochen hatten, erreichte «Xynthia» die Rekordgeschwindigkeit von 228 Stundenkilometern. Der am Samstag gegen 21.00 Uhr in der baskischen Kleinstadt Orduña gemessene Wert liegt noch über den 213 Stundenkilometern, die Jahrhundert-Orkan «Lothar» 1999 im Schwarzwald erreichte - den bislang höchsten Wert seit Beginn der wissenschaftlichen Wetterbeobachtung Ende des 19. Jahrhunderts.

 

In Frankreich hatten eine Million Einwohner keinen Strom. An den Küsten habe der Wind eine Geschwindigkeit von bis zu 150 Stundenkilometern erreicht, berichtete der Sender France-Info. Präsident Nicolas Sarkozy sprach den Angehörigen der Opfer seine Anteilnahme aus und wollte am Montagvormittag mit mehreren Ministern die am schlimmsten beschädigten Regionen besuchen. Am Sonntagnachmittag gab es beim Premierminister François Fillon ein Krisentreffen. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde appellierte an die Versicherungen, so schnell wie möglich Entschädigungen zu zahlen.

In zahlreichen Orten in der Nähe von La Rochelle stand das Wasser bis zu 1,50 Meter hoch in den Straßen. Air France strich etwa 100 von insgesamt 700 Flügen am Pariser Flughafen Charles de Gaulle. In den Pyrenäen stürzten Felsbrocken auf die Straßen. Die Grenze zu Spanien wurde zeitweise geschlossen.

In Portugal und Nordspanien hatte «Xynthia» zuerst getobt und vier Menschenleben gefordert. In Spanien starben zwei Männer, als ihr Auto gegen einen umgestürzten Baum prallte. Eine 82-jährige Frau wurde von einer Mauer erschlagen. Im Norden Portugals tötete ein abbrechender Ast einen zehnjährigen Jungen. In Nordspanien unterbrachen umgestürzte Bäume die Stromversorgung für 130 000 Haushalte.

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