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DEUTSCHLAND/WELT

 

18.03.2010 | München (dpa)

Siemens streicht 4200 Jobs in der IT-Sparte

Der Elektrokonzern Siemens streicht beim Umbau seines IT-Dienstleisters SIS weltweit 4200 Stellen, davon etwa 2000 in Deutschland. Damit reagiert das Unternehmen auf Umsatzrückgang und Ertragsschwund in der Sparte. Betroffen seien vor allem die großen Standorte wie München und Paderborn sowie der Großraum Nürnberg/Erlangen, sagte Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm am Donnerstag in München. «Wir müssen die SIS-Organisation dem gesunkenen Geschäftsvolumen anpassen.» Siemens kündigte Gespräche mit den Betriebsräten an. Diese kritisierten die Pläne scharf.

Nach der Eingliederung der Sparte unter dem früheren Siemens-Chef Klaus Kleinfeld soll SIS in diesem Sommer wieder ausgegliedert werden. Zum Beginn des Geschäftsjahres 2010/11 (30. September) soll SIS ein eigenständiges Unternehmen sein. Für die Zeit danach hält sich Siemens alle «unternehmerischen Optionen» offen.

Spekuliert wurde immer wieder sowohl über einen möglichen Verkauf als auch über einen Börsengang von SIS. Siemens plant zudem Investitionen von mehr als 500 Millionen Euro bis 2012, sagte Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser.

Die bisher sieben Geschäftseinheiten der Sparte sollen in zwei Säulen zusammengefasst werden. In Branchenkreisen wurden die Kosten für die Restrukturierung auf einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag geschätzt.

Beschäftigte der Sparte fürchten seit Monaten harte Einschnitte und hatten daher immer wieder protestiert. Derzeit hat SIS weltweit rund 35 000 Beschäftigte, davon etwa 9700 in Deutschland. Zuletzt kam die Sparte nur noch auf ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 90 Millionen (Vorjahr: 144 Mio) Euro. Der Umsatz fiel von 5,3 auf zuletzt 4,7 Milliarden Euro.

Auch die IT-Branche habe sich den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht entziehen können, sagte Kaeser. «In der Ertragsentwicklung zeigt sich allerdings, dass einige Wettbewerber bisher besser durch die Krise gekommen sind.» Spätestens für das kommende Kalenderjahr erwarteten Experten wieder ein deutliches Wachstum für die IT-Branche in der Größenordnung von fünf Prozent. Die Branche zeichne sich durch einen hohen Preisdruck und kurze Innovationszyklen aus. «In diesem Umfeld behauptet sich nur, wer sehr schnell und flexibel am Markt agiert», sagte Kaeser.

Arbeitnehmervertreter warfen Siemens vor, Managementfehler auf dem Rücken der Beschäftigten auszutragen. Gesamtbetriebsrat und IG Metall lehnten das Restrukturierungskonzept in einer gemeinsamen Mitteilung ab. Weiterhin gebe es kein tragfähiges wirtschaftliches Konzept für SIS. «Zudem befürchten wir, dass die aktuellen Pläne nur die jahrelange Abfolge von Restrukturierungen fortsetzen, die vor allem aus Kostensenkungen bestehen.»

 

www.siemens.com

18.03.2010 | München (dpa)

IG Metall kritisiert Stellenabbau bei SIS

Arbeitnehmervertreter haben mit scharfer Kritik auf den geplanten Abbau tausender Stellen beim Siemens-IT-Dienstleister SIS reagiert. Gesamtbetriebsrat und IG Metall lehnten das Konzept entschieden ab, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung vom Donnerstag. Weiterhin gebe es kein tragfähiges wirtschaftliches Konzept für SIS. «Zudem befürchten wir, dass die aktuellen Pläne nur die jahrelange Abfolge von Restrukturierungen fortsetzen, die vor allem aus Kostensenkungen bestehen.»

Siemens hatte zuvor Details zu der geplanten Neuausrichtung der Sparte bekanntgegeben, die mit dem Abbau von weltweit 4200 Arbeitsplätzen einhergehen soll, davon rund 2000 in Deutschland. «Die ungeklärte Zukunft von über 2000 Beschäftigten, die nicht in die künftige SIS wechseln, ist für uns nicht hinnehmbar», erklärte Siemens-Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler. «Diese Arbeitsplätze einfach abzuwickeln wird der Verantwortung von Siemens für überwiegend langjährige Mitarbeiter in keiner Weise gerecht.»

Dieter Scheitor von der IG Metall, der auch Siemens-Aufsichtsratsmitglied ist, kritisierte, die Beschäftigten leisteten seit Jahren ihren Beitrag zur Kosteneffizienz der Sparte. «Trotzdem hat es weder grundlegende Veränderungen im Management noch ein tragfähiges Konzept gegeben. Den Versuch, diese Versäumnisse mit einer neuen Sparrunde zu kompensieren, lehnen wir ab.»

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