DEUTSCHLAND/WELT

23.03.2010 | Traunstein (dpa)
Haftstrafen im Geiselnahme-Prozess gegen Rentner
Aus Wut über eine verlorene Millionen-Anlage hatten mehrere vermögende Rentner aus Oberbayern ihren Anlageberater als Geisel genommen. Den Drahtzieher der spektakulären Tat verurteilte das Landgericht Traunstein am Dienstag zu sechs Jahren Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 74-Jährige seinen Vermögensberater im Juni 2009 aus Speyer an den Chiemsee entführte und ihn im Keller seines Hauses tagelang gefangen hielt. Auf diese Weise wollte er in einer Art Selbstjustiz rund 2,4 Millionen Euro zurückholen, die der 57-Jährige in den USA für die Rentner-Ehepaare mit hohen Zinsen angelegt, jedoch nicht zurückbezahlt hatte.
Die Richter verurteilten den Drahtzieher wegen Geiselnahme, seine Mittäter wegen Freiheitsberaubung. Ein 61 Jahre alter Komplize muss vier Jahre ins Gefängnis. Zwei Ehefrauen im Alter von 80 und 64 Jahren wurden zu eineinhalb Jahren beziehungsweise einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Gegen einen ebenfalls angeklagten Arzt kann derzeit nicht verhandelt werden. Der 67-Jährige ist krank.

Der 74-jährige Haupttäter hatte zu Prozessbeginn eine Geiselnahme bestritten und lediglich von einer Einladung «für ein paar Tage Urlaub in Oberbayern» gesprochen. Der entführte Vermögensberater dagegen schilderte vor Gericht, wie er von seinen Peinigern geschlagen, festgehalten und gefesselt wurde. «Ich war voller Panik.»
Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag für den 74-Jährigen neun Jahre und für seinen Komplizen sieben Jahre Haft wegen Geiselnahme gefordert. Die jüngere der beiden Frauen - wie ihr derzeit verhandlungsunfähiger Mann im Arztberuf - sollte nach dem Willen der Anklagebehörde fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis, die Frau des Drahtziehers mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davonkommen. «Die Gier nach Geld macht vor keiner Schicht Halt», hatte der Staatsanwalt gesagt.




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