DEUTSCHLAND/WELT

DAS IPAD VON APPLE IST DA!

05.04.2010 | New York (dpa)
Tausende stürmen Apple-Läden für iPad
Apple scheint mit seinem iPad einen Volltreffer gelandet zu haben. Zum Verkaufsstart bildeten sich lange Schlagen vor den Läden in den USA.
Allein am ersten Tag gingen mehr als 300 000 der Tablet-Computer über den Tresen. Das iPad werde den Markt umkrempeln, sagte Apple-Chef Steve Jobs am Montag im kalifornischen Cupertino. Bislang fristen Rechner mit berührungsempfindlichen Bildschirm ein Nischendasein. Apple mit seiner Marketingmaschine will das nun ändern.
Am Samstag um 9 Uhr hatte der Verkauf in den 221 eigenen Läden und den 673 Geschäften des US-Elektronikhändlers Best Buy begonnen. Schon Stunden vorher warteten tausende Käufer auf das iPad. Viele hatten das Gerät vorbestellt, andere versuchten es auf gut Glück. Auch am Sonntag - ein normaler Verkaufstag in den USA - hielt der Zulauf an. Experten schätzten, dass am kompletten Wochenende bis zu 700 000 iPads den Besitzer wechselten. Das ist mehr als erwartet.

Vor dem großen Laden an der New Yorker Fifth Avenue mussten Ordner die Begeisterten zum Verkaufsstart zurückhalten, die Stimmung war aber friedlich und ausgelassen. Bevor sich der Laden öffnete, zählten die Kunden den Countdown herunter. Die Menschen wurden in kleinen Gruppen eingelassen, zunächst nur die, die Gerät bestellt hatten. Begleitet wurden sie von den Blitzlichtern Dutzender Journalisten. Viele Kamerateams kamen aus Europa, Asien und Australien.
Apple gelang wieder die Inszenierung: Extra bereitgestellte Mitarbeiter in blauen T-Shirts klatschen ohne Unterlass und heizten mit Jubelschreien die Stimmung an. Anfangs wurde jeder Kunde, der das gerade gekaufte iPad stolz über den Kopf hielt, mit Jubel von den noch Wartenden begrüßt. Die Schlangen lösten sich allerdings rasch auf und am Ende des Tages waren in vielen Läden noch Geräte verfügbar. Das «Wall Street Journal» stellte daraufhin bereits die Frage, ob Apple mit dem iPad den Erfolg von iPod, iPhone und seinen Mac-Computern wiederholen kann.
«Es klingt immer gut, wenn etwas ausverkauft ist», sagte Piper-Jeffrey-Analyst Gene Munster. Letztlich sei es aber besser, wenn genügend Geräte für den Verkauf zur Verfügung stünden. Apple unternimmt mit dem iPad nach Ansicht vieler Experten ein riskantes Abenteuer. Schon vor zehn Jahren hatte Microsoft versucht, die Menschen für Tablet-Computer zu begeistern. Der Software-Konzern scheiterte.

Bislang waren die schlanken Tablet-Computer mit ihren Touchscreens den Kunden zu teuer, zu kompliziert und schienen kaum Vorteile gegenüber klassischen Notebooks zu haben. Apple setzt bei seiner Variante auf seinem erfolgreichen iPhone auf. Dessen kleine Zusatzprogramme - sogenannte Apps - lassen sich auch auf dem iPad starten. Medienhäuser liefern elektronische Bücher, Videos oder Nachrichten-Seiten zu. Gleich nach dem Auspacken luden die Käufer nach Angaben von Apple im Schnitt drei Apps sowie ein Buch herunter.
Die Deutschen müssen auf Apples neuestes Produkt noch bis zum Monatsende warten. Euro-Preise stehen noch nicht fest, Importgeräte werden im Internet aber für deutlich mehr als 600 Euro gehandelt. In den USA kostet die Einsteigervariante mit 16 GB Speicher und WLAN-Verbindung ins Internet 499 Dollar (derzeit rund 370 Euro); das Spitzenmodell mit 64 GB Speicher, WLAN- und schneller Mobilfunk-Anbindung liegt bei 829 Dollar. Dazu kommt jeweils noch die Steuer.
Die Schätzungen, wie viele iPads im ersten Jahr abgesetzt werden können, klaffen weit auseinander. Sie reichen von 3,0 bis 7,1 Millionen Stück. «Ich habe hohe Erwartungen», sagte Analyst Munster der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg. Beim Start des iPhone-Handys vor drei Jahren hatte Apple am ersten Wochenende 270 000 Stück verkauft, im ersten Jahr waren es 6,1 Millionen.
Apple setzt beim iPad auf Erfolgsgeschichte des iPhone

Apple will mit einem neuartigen Tablet-Computer an den Erfolg des iPhone und der zahlreichen Anwendungen für das Apple-Handy anknüpfen. «Wir nennen es iPad», sagte Konzernchef Steve Jobs am Mittwoch bei der Vorstellung des mit Spannung erwarteten Geräts in San Francisco.
Das iPad wird in den USA ab 499 Dollar angeboten. Die teuerste Variante mit UMTS-Modem und 64 Gigabyte Hauptspeicher soll 829 Dollar kosten. Die ersten Geräte mit drahtlosem Internet (WiFi) sollen in zwei Monaten verfügbar sein, die UMTS-Variante soll in 90 Tagen auf den Markt kommen.
Für das iPad erweitert Apple seinen Onlineladen iTunes um eine Buchabteilung «iBooks», in der Titel der Großverlage Penguin, HarperCollins, Simon & Schuster, Macmillan sowie Hachette angeboten werden. Apple tritt damit gegen E-Book-Anbieter wie Amazon («Kindle») oder Sony an.

Wie das iPhone kann das iPad aus dem iTunes Store von Apple außerdem mit Videos, Musik und kleinen Programmen («Apps») bestückt werden. Für das iPhone sind nach den Worten von Jobs inzwischen über 140 000 Anwendungen verfügbar. Die iPhone-Apps sollen alle auch auf dem iPad laufen. «Das wird einen neuen Goldrausch für Entwickler auslösen», sagte Jobs. Die «New York Times» kündigte in San Francisco eine eigens für das iPad optimierte Anwendung an.
Das iPad wird wie das iPhone mit Fingergesten auf einem berührungssensitiven Bildschirm gesteuert. Im Gegensatz zu ultraleichten Laptops verfügt der Tafel-Computer nicht über eine Hardware-Tastatur. Texte werden wie beim Apple-Handy iPhone über virtuelle Tasten auf dem Display eingegeben. Passend zum iPad wird Apple eine Variante des Office-Pakets «iWork» auf den Markt bringen, das aus einer Textverarbeitung, Tabellenkalkulation sowie einem Präsentationsprogramm besteht. Die drei iWorks-Anwendungen werden für jeweils zehn Dollar im iTunes-Store verkauft.

Alle iPad-Modelle werden mit einer drahtlosen Internet-Verbindung (WiFi) angeboten, einige Modelle auch mit einem Mobilfunkmodem (UMTS). Wie beim iPhone werden die UMTS-Modelle des iPad zusammen mit dem Provider AT&T vertrieben. Im Gegensatz zum iPhone sperren Apple und AT&T aber andere Provider nicht aus, sondern bieten das Gerät ohne «Netlock» an.
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