DEUTSCHLAND/WELT

09.04.2010 | Selsingen (dpa)
Bewegende Trauerfeier für gefallene Soldaten
Eine Woche nach dem blutigen Karfreitag von Kundus haben hunderte Soldaten in einer bewegenden Trauerfeier Abschied von ihren drei gefallenen Kameraden genommen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte bei der Zeremonie am Freitag in der St. Lambertikirche im niedersächsischen Selsingen, die Fallschirmjäger im Alter von 25, 28 und 35 Jahren seien für ihr Land gestorben. «Ich verneige mich vor ihnen. Deutschland verneigt sich vor ihnen.» Die Kanzlerin räumte ein, dass der Afghanistan-Einsatz sich schwieriger gestaltet als ursprünglich erwartet. Gleichzeitig machte sie klar, dass ein vorzeitiger Rückzug kein Thema sei.

Merkel und Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) plädierten bei der Zeremonie dafür, den Realitäten in Afghanistan ins Auge zu sehen. Viele würden den Einsatz als Krieg bezeichnen, sagte die Kanzlerin. «Und ich verstehe das gut.» Guttenberg wurde noch etwas deutlicher. «Was wir am Karfreitag in Kundus erleben mussten, das bezeichnen die meisten verständlicherweise als Krieg - ich auch.»
Merkel nahm erstmals an einer Trauerfeier für gefallene Soldaten teil. Sie hatte sich dazu am Donnerstag kurzfristig entschlossen und ihren Osterurlaub dafür abgebrochen. Die Zeremonie fand ganz in der Nähe des Seedorfer Heimatstandorts der gefallenen Soldaten statt. In der Kirche versammelten sich rund 600 Trauergäste zu dem eineinhalbstündigen Gottesdienst. Darunter war auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker. Die drei Särge waren in schwarz-rot-goldenen Fahnen eingehüllt. Vor der Kirche konnten hunderte Trauernde den Gottesdienst auf einer Leinwand verfolgen.

Merkel und Guttenberg würdigten den mutigen Einsatz der rund 4500 deutschen Soldaten in Afghanistan. Die Kanzlerin verzichtete erneut darauf, ein Abzugsdatum für die deutschen Truppen zu nennen. «Das jetzt zu tun wäre verantwortungslos.» Die Kanzlerin betonte aber, dass mit der neuen Afghanistan-Strategie die Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte vorbereitet werde. Der militärische Einsatz und der Wiederaufbau des Landes müssten Hand in Hand gehen. «Ohne Sicherheit gibt es keinen Wiederaufbau», sagte sie. Das gleiche gelte umgekehrt.
Die Bundesregierung stehe «bewusst» hinter dem Einsatz der Soldaten und Polizisten in Afghanistan, betonte Merkel. Afghanistan dürfe nie wieder von Taliban und Al-Kaida-Terroristen beherrscht werden. Auch Guttenberg sprach den Angehörigen sein tiefes Mitgefühl aus. «Mit ihnen trauern wir, trauert ein Land.» Die drei Soldaten hätten «überaus tapfer ihren Dienst in Afghanistan geleistet», sagte er. Sie seien von denjenigen getötet worden, «denen ein Menschenleben nichts, rein gar nichts zählt», sagte Guttenberg mit Blick auf die Erschießung der Soldaten durch radikalislamische Taliban.
09.04.2010 | Hamburg (dpa)
Hintergrund: 39 Tote bei Bundeswehreinsatz in Afghanistan
Beim Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan sind bislang 39 deutsche Soldaten ums Leben gekommen. 20 von ihnen fielen Anschlägen und Gefechten zum Opfer.
2. April 2010: Bei schweren Gefechten im Unruhedistrikt Char Darah südwestlich von Kundus-Stadt kommen drei Bundeswehrsoldaten ums Leben. Acht weitere Deutsche werden bei den stundenlangen Kämpfen schwer verletzt.
23. Juni 2009: Nach einem Feuergefecht in der Region Kundus sterben drei Bundeswehrsoldaten. Sie kippten bei einem Ausweichmanöver mit ihrem Transportpanzer vom Typ «Fuchs» um und blieben in einem Graben liegen.
29. April 2009: In der Nähe der Stadt Kundus gerät eine Patrouille der Bundeswehr in einen Hinterhalt. Ein deutscher Soldat stirbt, vier weitere werden verletzt. Wenige Stunden zuvor waren bei einem Attentat in der Nähe des deutschen Feldlagers Kundus fünf deutsche Soldaten leicht verletzt worden.
20. Oktober 2008: Zwei deutsche Soldaten sterben bei einem Selbstmordanschlag nahe der Stadt Kundus. Die Taliban bekennen sich zu dem Anschlag.
27. August 2008: Eine Patrouille der Bundeswehr gerät in der Nähe von Kundus in eine Sprengfalle. Ein Soldat erliegt seinen Verletzungen, drei weitere werden verletzt.
6. August 2008: Bei einem Selbstmordanschlag nahe Kundus werden drei Soldaten verletzt, zwei davon schwer. Einer von ihnen stirbt Anfang Oktober 2009 an den Spätfolgen.
19. Mai 2007: Bei einem Selbstmordanschlag eines Taliban-Terroristen auf einem Markt in Kundus werden drei Soldaten einer Fußpatrouille getötet, zwei weitere verletzt.
14. November 2005: In Kabul reißt ein Selbstmordattentäter einen Bundeswehrsoldaten mit in den Tod, zwei weitere werden verletzt. Zu dem Anschlag bekennen sich die radikal-islamischen Taliban.
7. Juni 2003: In Kabul werden bei einem Selbstmordattentat vier Bundeswehrsoldaten getötet und 29 verletzt. Ein mit 150 Kilogramm Sprengstoff beladenes Taxi explodierte neben einem Bundeswehrbus.
29. Mai 2003: Ein Geländewagen fährt in der Nähe des deutschen ISAF-Camps in Kabul auf eine Mine. Ein deutscher Soldat stirbt.




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