DEUTSCHLAND/WELT
28.02.2009

01.03.2009 | Düsseldorf (dpa)
Hertha wieder vorn - Hoffenheim gibt Punkte ab
Wenig Glanz, viel Effektivität - das lange Zeit unterschätzte Team von Hertha BSC wird mehr und mehr zu einem echten Titelaspiranten. Dank des knappen 2:1 über Borussia Mönchengladbach kehrten die Hauptstädter an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga zurück.
Nach dem zehnten von insgesamt 13. Saisonsiegen mit nur einem Tor Abstand wächst der Glaube an die erste Meisterschaft seit 78 Jahren. Über Mikrofon versprach Abwehrspieler Josip Simunic den Fans ein Happy End: «Wir werden versuchen, von den letzten zwölf Spielen acht zu gewinnen. Dann stehen wir ganz oben.»
Die Berliner (43 Punkte) profitierten von der ersten Saison- Heimschlappe des abgelösten Spitzenreiters HSV (42) im Nordderby gegen den VfL Wolfsburg. Die bis dato auswärtsschwachen «Wölfe» zeigten sich in der Hansestadt äußerst bissig und kamen durch Tore von Rückkehrer Grafite (12./Foulelfmeter/25.) und Edin Dzeko (75.) bei einem Gegentreffer von Paolo Guerrero (73.) zum 3:1-Erfolg.
Damit liegt Wolfsburg mit Trainer Felix Magath als Vierter sogar noch vor Titelfavorit FC Bayern München, der bei Werder Bremen nicht über ein 0:0 hinauskam. Es war das erste torlose Spiel der beiden Konkurrenten seit 15 Jahren, obwohl Werder nach der Roten Karte für Verteidiger Naldo (Notbremse gegen Schweinsteiger) schon nach 15 Minuten in Unterzahl war.

Weil Randalierer dem Mannschaftsbus des VfB Stuttgart vor dem baden-württembergischen Derby beim Karlsruher SC den Weg versperrten, begann die dritte Sonntagspartie im Wildparkstadion eine Viertelstunde später. Auf dem Rasen ging es weniger turbulent zu, bis Elson (50.) dem VfB den Weg zum Sieg ebnete, den Sami Khedira mit dem 2:0 (88.) perfekt machte. Für den KSC wird es nun immer schwerer.
Beim 1899 Hoffenheim schwindet der Glaube an eine Fortsetzung des Fußball-Märchens aus der Hinrunde. Beim 0:0 in Dortmund blieb das Team zum vierten Mal in Serie ohne Sieg, steht aber immer noch auf Platz drei. Trainer Ralf Rangnick sieht den Herbstmeister auf gutem Weg aus der Talsohle. «Wir stehen weiterhin ausgezeichnet da.» Die beiden Remis in den vergangenen Auswärtsspielen in Stuttgart und beim BVB wertete er als ermutigendes Signal. Auch Mittelfeldspieler Sejad Salihovic sprach von einem Aufwärtstrend, sah aber noch reichlich Luft nach oben: «Von dem, was wir in der Hinrunde gespielt haben, sind nur 70 Prozent da. Die restlichen 30 Prozent fehlen.»
Vorerst Abschied aus dem spannenden Titelrennen nahm Bayer Leverkusen. Beim 0:1 in Hannover kassierte das Team von Trainer Bruno Labbadia die bereits dritte Niederlage im fünften Rückrundenspiel. Der Disput zwischen Rene Adler und Rudi Völler dokumentierte den Stimmungsumschwung. Auf die Kollegenschelte des Nationalkeepers, der über ein «gewissen Phlegma» innerhalb der Mannschaft geklagt und eine Krisensitzung vor dem anstehenden Pokalspiel gegen Bayern München gefordert hatte, reagierte Leverkusens Sportdirektor verärgert: «Rene tut gut daran, mal an einer Kamera und einem Mikrofon vorbei zu gehen. Als er mal nicht jeden Ball festhielt, hat keiner der Mitspieler gemeckert. Jeder muss sich an die eigene Nase fassen.»

Harsche Töne gab es auch beim Kellerduell zwischen dem VfL Bochum und Energie Cottbus. Der umstrittene und spielentscheidende Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Markus Schmidt erzürnte Energie- Trainer Bojan Prasnikar und Manager Steffen Heidrich. «So ein Skandal. Es ist Willkür und eine Verarschung», schimpfte Heidrich, während Prasnikar seine Wut in der Kabine herausschrie. Die Verärgerung der Gäste konnte die Freude der Bochumer nicht schmälern: Nach einer dürftigen Hinrunde mit nur elf Punkten verbuchte der Revierclub in der Rückserie bereits zehn Zähler. «Ich freue mich, dass die Mannschaft aufblüht, doch für eine Zwischenbilanz ist es noch zu früh», kommentierte VfL-Vorstand Thomas Ernst den Erfolg, den Marc Pfertzel mit seinem Elfmetertreffer sicherstellte.
Von einem Aufwärtstrend wie Bochum kann Eintracht Frankfurt derzeit nur träumen. Nach der 1:2-Heimschlappe gegen Schalke 04 ist die Abstiegszone nur noch drei Punkte entfernt. «Wie kein anderes Team müssen wir fünf oder sechs Leistungsträger ersetzen. Deshalb ist es kein Wunder, dass wir nach unten schauen müssen», klagte Trainer Friedhelm Funkel mit Verweis auf die anhaltende Personalmisere der Hessen. Die Gäste feierten eine gelungene Generalprobe für das Pokal- Viertelfinale am Dienstag in Mainz. «Nach so vielen Rückschlägen war das ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung», befand der in die Kritik geratene Schalke-Manager Andreas Müller erleichtert.
Die aktuelle Tabelle
| Rang | Verein | Spiele | S | U | N | Dif. | Tore | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Hertha BSC | 22 | 13 | 4 | 5 | +9 | 35:26 | 43 |
| 2. | Hamburger SV | 22 | 13 | 3 | 6 | +3 | 34:31 | 42 |
| 3. | 1899 Hoffenheim | 22 | 12 | 5 | 5 | +18 | 49:31 | 41 |
| 4. | VfL Wolfsburg | 22 | 11 | 6 | 5 | +17 | 45:28 | 39 |
| 5. | Bayern München | 22 | 11 | 6 | 5 | +14 | 44:30 | 39 |
| 6. | Bayer Leverkusen | 22 | 11 | 3 | 8 | +14 | 44:30 | 36 |
| 7. | VfB Stuttgart | 22 | 10 | 6 | 6 | +9 | 40:31 | 36 |
| 8. | FC Schalke 04 | 22 | 9 | 7 | 6 | +8 | 29:21 | 34 |
| 9. | Borussia Dortmund | 22 | 7 | 12 | 3 | +6 | 31:25 | 33 |
| 10. | 1. FC Köln | 22 | 8 | 5 | 9 | -5 | 25:30 | 29 |
| 11. | Werder Bremen | 22 | 7 | 7 | 8 | +8 | 42:34 | 28 |
| 12. | Hannover 96 | 22 | 6 | 6 | 10 | -13 | 28:41 | 24 |
| 13. | Eintracht Frankfurt | 22 | 6 | 5 | 11 | -9 | 28:37 | 23 |
| 14. | VfL Bochum | 22 | 4 | 9 | 9 | -9 | 27:36 | 21 |
| 15. | Arminia Bielefeld | 22 | 3 | 11 | 8 | -13 | 20:33 | 20 |
| 16. | Energie Cottbus | 22 | 5 | 5 | 12 | -17 | 20:37 | 20 |
| 17. | Karlsruher SC | 22 | 5 | 2 | 15 | -21 | 18:39 | 17 |
| 18. | Bor. Mönchengladbach | 22 | 4 | 4 | 14 | -19 | 24:43 | 16 |




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