DEUTSCHLAND/WELT

12.04.2010 | Frankfurt/Brüssel (dpa)
Feinarbeit an Griechenland-Paket - Märkte beruhigt
Das Milliardenpaket für Griechenland hat die Finanzmärkte beruhigt und damit aus deutscher Sicht einen Zweck bereits erfüllt. Unterdessen begannen Experten in Brüssel mit der Feinarbeit an Details des 45 Milliarden Euro schweren Kreditpaketes für das hochverschuldete Euroland.
Die Europäische Zentralbank (EZB) bekräftigte, sie stehe voll hinter dem Hilfspaket der Euro-Länder. «Ich bewerte die Entscheidungen des Wochenendes positiv», sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Montag in Frankfurt. «Wir beteiligen uns aktiv an der Arbeit der Kommission und des IWF.»
Die Euro-Länder hatten am Sonntag beschlossen, Griechenland notfalls mit bis zu 30 Milliarden Euro Krediten unter die Arme zu greifen. Zusätzlich sind Finanzspritzen des Internationalen Währungsfonds (IWF) geplant. Der Zins für mögliche Kredite soll bei rund fünf Prozent liegen und damit um gut zwei Prozentpunkte unter dem derzeitigen Marktzins.

Nach dem Beschluss der Finanzminister der Euro- Länder vom Sonntag hätten sich die Märkte beruhigt, und es seien die Effekte eingetreten, die man sich erhofft habe, sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Michael Offer, in Berlin.
Deutschland würde bei möglichen Notfall-Krediten für Griechenland nach Angaben des Finanzministeriums in diesem Jahr bis zu 8,4 Milliarden Euro beisteuern und damit den Großteil unter den Euro-Ländern. Dies gelte für den Fall, dass sich alle anderen Länder beteiligen. Die Mittel würden gegebenenfalls als Darlehen der Staatsbank KfW mit Bundesgarantie gegeben.
In Brüssel begannen Experten der EU-Kommission, des IWF und der EZB mit der Feinarbeit für die beschlossenen Griechenland-Hilfen. Es handele sich um «laufende Beratungen» von Fachleuten, die am Montag nicht nicht beendet werden, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. Der Sprecher bekräftigte, dass die Euroländer und der IWF im Notfall mit einem gemeinsamen Programm eingreifen wollen.

Der IWF bekräftigte seine Unterstützung für das Hilfspaket der Euroländer: «Der IWF steht bereit, sich an den Anstrengungen zu beteiligen, dazu gehört ein über mehrere Jahre laufendes Bereitschaftskreditabkommen», sagte IWF- Direktor Dominique Strauss-Kahn am Sonntagabend (Ortszeit) in Washington. Der Beschluss sei ein «sehr wichtiger Schritt».
Die griechische Regierung will am Dienstag zwei neue Anleihen auflegen und betonte noch einmal: «Wir wollen es alleine schaffen». Sollten aber die geforderten Zinsen deutlich die 5 Prozent übertreffen, dann könnte Athen schon Ende der Woche die Aktivierung des Notfallplans bei der EU beantragen, hieß es. Die Regierung versucht weiterhin, mit einem extremen Sparprogramm die Staatsschulden in Höhe von rund 300 Milliarden Euro abzubauen.

Kritik kam vom Bund der Steuerzahler. «Die Bundesregierung ist eingeknickt. Jetzt droht den deutschen Steuerzahlern, den Großteil der Griechenland-Hilfen tragen zu müssen», sagte Verbandspräsident Karl Heinz Däke dem Nachrichtenportal «Handelsblatt Online». Auf diese Weise werde die fahrlässige Wirtschafts- und Finanzpolitik Griechenlands auch noch belohnt. Das sei nicht hinnehmbar, sagte er.
Alle Euro-Länder wollen sich an den möglichen Notkrediten beteiligen. Deutschland müsste im Ernstfall aber die höchste Summe beisteuern. Denn maßgeblich ist der Anteil der Länder am Kapital der Europäischen Zentralbank (EZB). Nach diesem Schema käme Berlin nach Expertenschätzung auf bis zu acht Milliarden Euro bilateraler Griechenland-Hilfe.
12.04.2010 | Brüssel/Frankfurt (dpa)
Griechenland-Hilfe: Deutschland zahlt am meisten

Die Europäische Union will Griechenland im Notfall mit Krediten von bis zu 30 Milliarden Euro helfen - davon müsste Deutschland den Löwenanteil schultern. Mit knapp 8,4 Milliarden Euro bilateralen Darlehen wäre Berlin der mit Abstand größte Zahler. Das entspräche etwa 28 Prozent des Gesamtpakets, wie eine EU-interne Tabelle auf Basis von Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt. Sie liegt der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel vor.
An zweiter Stelle hinter Deutschland läge Frankreich mit 6,3 Milliarden Euro, etwa einem Fünftel der gesamten Summe. Auf den Plätzen danach folgen Italien und Spanien. Kleine Länder wie Malta, Zypern und Luxemburg würden nur mit zweistelligen Millionenbeträgen belastet. Für die Berechnung wird der Anteil der Länder am Kapital der Notenbank EZB zugrunde gelegt. Es gilt die Faustregel: Je größer der EZB-Anteil, desto größer der Anteil an der Griechenland-Hilfe. Viele der Geber-Länder kämpfen selbst mit massiven Haushaltslöchern.
Die Aufteilung der Kreditsummen auf die Länder der Eurozone:

Land Prozentanteil Summe in Mrd. Euro
Deutschland 27,92 8,376
Frankreich 20,97 6,290
Italien 18,42 5,527
Spanien 12,24 3,673
Niederlande 5,88 1,764
Belgien 3,58 1,073
Österreich 2,86 0,859
Portugal 2,58 0,774
Finnland 1,85 0,555
Irland 1,64 0,491
Slowakei 1,02 0,307
Slowenien 0,48 0,145
Luxemburg 0,26 0,077
Zypern 0,20 0,061
Malta 0,09 0,028
(Quelle: Europäische Zentralbank (EZB))




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