DEUTSCHLAND/WELT

04.05.2010 | New York/Washington/Islamabad (dpa)
Verdächtigter Autobomber im Flieger gefasst
Gut 48 Stunden nach dem fehlgeschlagenen Bombenanschlag auf dem New Yorker Times Square ist ein 30 Jahre alter Terrorverdächtiger festgenommen worden.
Der Mann saß bereits an Bord der Emirates Airways für Flug 202 nach Dubai, als er gefasst wurde, berichtete die «New York Times» online. Er sollte noch am Dienstag einem Bundesrichter in Manhattan vorgeführt werden, bestätigte eine Sprecherin des Gerichts. US-Justizminister Eric Holder sagte vor Journalisten in Washington, bei dem Mann handele es sich um einen in Pakistan geborenen US-Bürger mit dem Namen Faisal Shahzad. Nach ersten Angaben will er allein gehandelt haben, wie CNN berichtete.
Mit ihm wurden nach Angaben der Zeitung weitere drei Männer in Gewahrsam genommen. Bei einem soll es sich um einen Mitbewohner in Shahzads Wohnung in der Kleinstadt Bridgeport (US-Bundesstaat Connecticut) unweit von New York handeln. Über die beiden anderen lagen zunächst keine Informationen vor. Der Rundfunksender NPR berichtete, dass Shahzad erst vor kurzem die US-Staatsbürgerschaft angenommen hatte. US-Präsident Barack Obama wurde noch in der Nacht über die Entwicklung unterrichtet. Die USA baten inzwischen Pakistan um Hilfe bei den Ermittlungen.

In dem am New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen geparkten Auto des Terrorverdächtigen, einem weißen Geländewagen, stellte die Polizei laut «New York Times» eine Waffe sicher. Der pakistanische Nachrichtensender DawnNews berichtete, die US-Behörden hätten die zuständigen pakistanischen Stellen darüber informiert, dass der Verdächtige aus Karachi stamme. Shahzad sei am 3. Juli vergangenen Jahres mit der in Dubai beheimateten Fluglinie Emirates nach Karachi und am 3. August zurück in die USA geflogen.
Die Justizbehörde in New York teilte mit, der Verdächtige habe am Samstag das Auto mit der Bombe auf den vor allem bei Touristen beliebten Platz im Theaterviertel von Manhattan gefahren. Die Ermittler waren ihm am Montag über das Auto auf die Spur gekommen. Er hatte den Wagen erst vor drei Wochen in Connecticut gekauft und bar bezahlt. Von der Verkäuferin des Autos hatten die Ermittler auch die Handy-Nummer des Verdächtigen und über abgehörte Gespräche erfahren, dass er sich ins Ausland absetzen wollte.
Shahzad hatte die Kennnummer des 17 Jahre alten Geländewagens unter der Frontscheibe beseitigt, nicht aber die Kennzeichnung auf dem Motorblock. Sie führte die Fahnder zu der Verkäuferin, die den Gesuchten als Mann arabischer oder lateinamerikanischer Herkunft beschrieb. Über das Foto, das von ihm als neuem US-Bürger gemacht worden war, konnte Shahzad identifiziert werden, berichtete NPR.

Ermittler untersuchten die Wohnung des Terrorverdächtigen in Bridgeport. Dorthin war Shahzad der «New York Times» zufolge im vergangenen Jahr gezogen. Zuvor habe er drei Jahre mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern im benachbarten Shelton gewohnt, bestätigte eine Nachbarin. Shahzad habe ihr gesagt, er arbeite an der Wall Street. Tatsächlich sei er jeden Morgen gut gekleidet aus dem Haus gegangen, sagte die Frau der Zeitung.
Shahzad ist laut NPR einer von einem Dutzend Ausländern mit US-Pass oder Greencard, die in den vergangenen zwei Jahren wegen Terrorverdachts festgenommen wurden. Unter ihnen ist der Pakistaner Daood Gilani, der in Chicago den Namen David Coleman Headley annahm und mit einem geplanten Anschlag auf eine dänische Zeitung in Verbindung gebracht wird, sowie der Busfahrer Najibullah Zazi in Denver, der sich im Februar zu einem geplanten Attentat auf die New Yorker U-Bahn bekannte.
In US-Fernsehsendern waren nach dem versuchten Anschlag immer wieder Videoaufnahmen vom Times Square zu sehen, die einen von der Polizei gesuchten Mann in rotem T-Shirt zeigten. «Die Ermittlungen dauern an, und wir gehen weiterhin einer Reihe von Spuren nach», sagte Holder am frühen Morgen. Auch die Möglichkeit einer internationalen Verbindung werde geprüft. «Aber es ist klar, dass dieser Terrorakt darauf abzielte, Amerikaner zu töten», sagte Holder. Hätte der Anschlag geklappt, wäre die Autobombe «tödlich» gewesen.

Ein Polizist hatte am Samstagabend (Ortszeit) nach dem Hinweis eines Straßenhändlers mitten auf dem Times Square einen Geländewagen entdeckt, in dem ein Karton qualmte. Die Polizei räumte den Platz, auf dem es stets von Menschen wimmelt, und ließ den Wagen von Bombenexperten untersuchen. Die Spezialisten fanden einen Sprengsatz aus Propangasflaschen und Benzinkanistern, der jedoch nicht explodiert war. Der Platz wurde stundenlang gesperrt, Menschen kamen nicht zu Schaden.
Ein Sprecher des Außenministeriums in Islamabad sagte, Außenminister Shah Mahmood Qureshi habe US-Botschafterin Anne W. Patterson bei einem Treffen jede denkbare Unterstützung zugesagt. «Unsere Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten gegen Terrorismus ist ein konstanter und andauernder Prozess, und wenn die Vereinigten Staaten unsere Unterstützung bei diesem speziellen Thema brauchen, werden wir alles tun was wir können», sagte der pakistanische Ministeriumssprecher.




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