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DEUTSCHLAND/WELT

 

05.05.2010 | Berlin (dpa)

Merkel: «Europa steht am Scheideweg»

 

Die Lösung der Griechenland-Krise entscheidet nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Zukunft Europas. In einer Regierungserklärung betonte die Kanzlerin am Mittwoch im Bundestag: «Europa steht am Scheideweg.»

Merkel verlangte Änderungen beim Stabilitätspakt und bei den EU-Verträgen, um den Euro zu schützen. «Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Zukunft Europas und damit um die Zukunft Deutschlands in Europa.»

Merkel sprach sich für schärfere Regeln im Umgang mit notorischen Euro-Schuldensündern aus. Die Opposition warf ihr vor, sie habe mit einem Zickzack-Kurs die Krise verschärft. Merkel verteidigte hingegen das Vorgehen der Regierung und die Kredithilfen in Milliardenhöhe als alternativlos: «Wir schützen unsere Währung, wenn wir handeln.»

Die Kanzlerin appellierte an Koalition und Opposition, in dieser historischen Situation Verantwortung zu übernehmen. «Europa schaut heute auf Deutschland: Ohne uns, gegen uns kann und wird es keine Entscheidung geben.» Merkel war eine zu zögerliche Haltung bei den Athen-Hilfen vorgeworfen worden.

Deutschland beteiligt sich am Rettungspaket mit bis zu 22,4 Milliarden Euro Krediten in drei Jahren. Die Euro-Staaten wollen 80 Milliarden Euro gewähren, der Internationale Währungsfonds (IWF) 30 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil wird von der Staatsbank KfW bereitgestellt. «Für diese Kredite bürgt der Bund, in letzter Konsequenz damit der Steuerzahler, also wir alle», sagte Merkel.

Sie begrüßte die Bereitschaft der Finanzwirtschaft, das internationale Hilfspaket von bis zu 110 Milliarden Euro für Athen zu flankieren. Sie betonte aber, dass Banken und Gläubiger nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden dürften. «Wenn sich die Banken von einem solchen freiwilligen Beitrag erhoffen sollten, dass wir sie gleichsam als Gegenleistung bei einer Bankenabgabe oder anderen Maßnahmen entlasten, dann haben sie sich gründlich getäuscht.»

Den Vorschlägen des IWF für eine Besteuerung von Gewinnen und Gehältern der Banken sollte «große Beachtung» geschenkt werden, sagte Merkel. Deutschland werde sich mit Nachdruck für weitere Regulierungsmaßnahmen etwa bei Hedgefonds einsetzen. «Das Primat der Politik gegenüber den Finanzmärkten muss wieder hergestellt werden.»

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier ließ die Zustimmung für die Kredithilfe an diesem Freitag im Bundestag offen. Er warf Merkel schlechtes Krisenmanagement vor: «Eine Zustimmung zu einer nackten Kreditermächtigung, die wird es mit der SPD hier im Deutschen Bundestag nicht geben.»

Nach Ansicht von Linke-Fraktionschef Gregor Gysi scheut die schwarz-gelbe Koalition die Konfrontation mit der Finanzwirtschaft. Eine Bankenabgabe nach US-Vorbild würde jährlich etwa 9 Milliarden Euro einbringen. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin erklärte, das lange Zögern der Kanzlerin habe Deutschland, Europa und Griechenland viel Geld gekostet.

Merkel betonte, eine Kettenreaktion im internationalen Währungssystem und eine drohende Ansteckung anderer Euro-Partner hätten verhindert werden müssen. Eine zweite weltweite Finanzkrise würde zu spürbaren Wohlstandsverlusten und höherer Arbeitslosigkeit auch in Deutschland führen. Sie traue dem griechischen Regierungschef Giorgos Papandreou zu, das ehrgeizige Sanierungsprogramm umzusetzen.

Merkel will eine grundlegende Reform des Euro-Pakts und der EU- Verträge durchsetzen. Probleme seien früher zu selten direkt beim Namen genannt und nicht konsequent angepackt worden: «Gut gemeint war nicht immer gut gemacht.» Beim Beitritt Griechenlands zur Euro-Zone im Jahr 2000 habe es Warnungen zuhauf gegeben, dass das Land schwerwiegende Probleme habe. Die CDU-Chefin strebt schärfere Sanktionen gegen Defizitsünder an.

Hier lesen Sie den Gesetzentwurf für die deutsche Athen-Hilfe...»

05.05.2010 | Athen (dpa)

Landesweite Streiks in Griechenland

 

In Griechenland haben landesweite Streiks gegen das massive Sparprogramm der Regierung begonnen. Die Aktionen, an denen sich nach Angaben verschiedener Gewerkschaften bis zu drei Millionen Griechen beteiligen könnten, drohen weite Teile des öffentlichen Lebens lahmzulegen.

Bereits um Mitternacht Ortszeit waren die Fluglotsen in den Ausstand getreten. Der griechische Luftraum wird bis Mitternacht geschlossen bleiben. Am Morgen schlossen sich die Bus- und U-Bahnfahrer dem Streik an. Busse und Bahnen werden stundenlang in den Garagen bleiben. Aus dem Hafen von Piräus liefen keine Fähren mehr aus.

Die Staatsbediensteten streiken bereits seit Dienstag für 48 Stunden. Ärzte behandeln nur Notfälle. Nachrichten im Radio und Fernsehen gibt es nicht, weil die Journalisten sich für 24 Stunden am Streik beteiligen.

Am Nachmittag werden zehntausende Demonstranten im Athener Stadtzentrum erwartet. Das Programm der Regierung zur Abwendung eines Staatsbankrotts sieht unter anderem einen Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst und Gehaltskürzungen für Beamte sowie erhebliche Einsparungen im Sozialbereich vor.

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Banken beteiligen sich an Griechenland-Hilfe

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