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DEUTSCHLAND/WELT

 

11.05.2010 | London

Historischer Regierungswechsel: Cameron neuer Premier

 

Historischer Regierungswechsel in Großbritannien: David Cameron von den konservativen Tories ist neuer Premierminister und hat seine Partei nach 13 Jahren wieder an die Macht geführt. Erstmals seit rund 70 Jahren wird es dabei eine Koalitionsregierung geben.

 

Er werde zusammen mit den Liberaldemokraten und deren Chef Nick Clegg eine Koalition bilden, sagte Cameron am Dienstagabend vor der Downing Street an der Seite seiner Frau Samantha.

 

Zuvor hatte Cameron die Einladung von Königin Elizabeth II. angenommen, eine neue Regierung zu bilden. Gordon Brown von der Labour-Partei war zurückgetreten und hatte damit einen tagelangen Krimi um die Regierungsbildung beendet. Cameron ist mit 43 Jahren der jüngste Premierminister Großbritanniens seit 1812. Unklar war am Abend noch, wer welche Posten besetzen wird und welche Rolle Clegg in der neuen Regierung spielen wird.

«Eine Koalition wird große Herausforderungen mit sich bringen», sagte Cameron. Er und Clegg seien aber fest entschlossen, Parteigrenzen zu überwinden und gut zusammenzuarbeiten. Größte Herausforderung für die neue britische Regierung ist nun, die wirtschaftliche Lage des Landes und die haushohe Verschuldung in den Griff zu bekommen.

 

Cameron war 2005 auf den Chefsessel der Tories gerückt. Er hatte seine Partei modernisiert und vom alten Image der harten Jahre unter Premierministerin Margaret Thatcher befreit. Außenpolitisch wird vor allem die Europapolitik der Tories interessant. Cameron hatte sich im Wahlkampf dafür ausgesprochen, dass auf keinen Fall mehr Macht von London auf Brüssel übertragen werden soll.

 

Bei der Wahl am vergangenen Donnerstag hatte keine Partei eine absolute Mehrheit bekommen. Die Tories waren aber stärkste Partei geworden. Labour verlor dramatisch. Deshalb war eine Koalition nötig geworden. Auch Labour hatte mit den Liberalen verhandelt, doch war zu keinem Ergebnis gekommen.

Brown betonte, er trete mit sofortiger Wirkung auch als Chef der Labour-Partei zurück. Labour-Vizechefin Harriet Harman werde die Ämter kommissarisch übernehmen. Kurz nach der Rücktritts-Ankündigung fuhr er zusammen mit seiner Frau Sarah von der Downing Street Nummer 10 zur Königin, die ihn aus dem Amt entließ.

 

«Ich wünsche dem neuen Premierminister alles Gute, wenn er wichtige Entscheidungen für die Zukunft fällt», sagte Brown. Er habe den Job geliebt. Während des Statements stand seine Ehefrau Sarah an seiner Seite. Zusammen mit ihren beiden Kindern verließen sie dann die Downing Street. Freunde von Brown berichteten, er wolle auch als Abgeordneter zurücktreten und sich aus der Politik verabschieden.

 

Die Ära von «New Labour» hatte 1997 mit der Wahl Tony Blairs zum Premier begonnen, der seine Partei von Grund auf erneuerte. Brown hatte das Amt 2007 übernommen, war aber nicht vom Volk gewählt worden.

 

Quelle: dpa
11.05.2010 | London

Porträt: David Cameron - Modernisierer der Tories

David Cameron hat die britischen Konservativen von Grund auf verändert und zu einer zeitgemäßen Partei gemacht. Immer wieder hat er im Wahlkampf dem Land den Wandel in Aussicht gestellt. Nun wird sich herausstellen, ob Cameron halten kann, was er versprochen hat.

Der 43-Jährige wird als Modernisierer gerne mit Tony Blair verglichen, der damals die Labour-Partei von altem Gedankengut entrümpelte. Cameron versteht auch, mit den Medien umzugehen. Er wirkt im Gegensatz zum scheidenden Premierminister Gordon Brown jugendlich, frisch und schlagfertig. Andere kritisieren ihn dagegen als «Babyface».

Cameron hat eine rasante Karriere hinter sich. Nur vier Jahre brauchte er, um vom ersten Mandat 2001 als Abgeordneter auf den Chefsessel der Tories zu wechseln. Bei seinem jetzt bevorstehenden Einzug in die Downing Street ist er genauso jung wie einst Blair, der dort 1997 für Labour antrat. Jedoch hat er in seiner Partei auch Kritiker, denen die Modernisierungen zu weit gingen.

Cameron gilt daneben vor allem bei der Arbeiterklasse als aalglatter «Schnösel». Sein Vater war ein wohlhabender Börsenmakler, seine Mutter stammt aus einer Familie von Tory-Abgeordneten. Cameron ging auf das private Elite-Internat Eton, sein Studium in Oxford schloss er mit Auszeichnung ab. Seine Frau Samantha stammt aus einer reichen Familie und ist Kreativdirektorin bei einem Hersteller von Luxus-Büromaterialien.

Doch Cameron arbeitete hart daran, nicht als Advokat der Reichen herüberzukommen. Auch setzte er sich von der «Eisernen Lady» Margaret Thatcher ab, die das Land als Tory-Premierministerin einst reformiert, aber mit sozialen Einschnitten Wähler vergrault hatte.

Cameron gibt sich gerne als dynamischer und umweltbewusster Familienvater, der morgens schon joggt, mit dem Rad zu Arbeit eilt und abends seine Kinder in die Arme schließt. Gerne zeigt er auch seine Familie vor der Kamera, was ihm Kritik einbrachte. Die Camerons haben zwei kleine Kinder, ein weiteres soll im September geboren werden. Vergangenes Jahr traf sie ein Schicksalsschlag, als ihr schwerbehinderter Sohn Ivan starb.

Quelle: dpa

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