DEUTSCHLAND/WELT

20.05.2010 | Bangkok
Randalierer legten 35 Brände in Bangkok
Randalierende Demonstranten haben in Bangkok nach der Militäroffensive gegen die oppositionellen Rothemden mindestens 35 Brände gelegt.
Bei dem Vormarsch der Armee, die mit Panzern und Bulldozern am Mittwoch Barrikaden einriss und auf Demonstranten schoss, die Widerstand leisteten, kamen nach Angaben vom Donnerstag 16 Menschen ums Leben, 88 wurden verletzt.
Einzelne Schießereien gingen am Donnerstag weiter. In der Nähe des Protestgeländes im Ratchaprasong-Geschäftsviertel wurden noch mehrere hundert Rothemden vermutet. «Wir müssen noch einige Stunden abwarten», sagte ein Mitarbeiter des Premierministers im Fernsehen. Thailand sei aber nicht unregierbar geworden, betonte er.
Das große Kaufhaus Central World und ein weiteres Einkaufszentrum ganz in der Nähe des Protestgeländes brannten nach Angaben der Stadtverwaltung völlig aus. Die Randalierer hätten die Feuerwehr davon abgehalten, mit Löschfahrzeugen vorzufahren, teilte die Behörde mit. Zehn Filialen der Bangkok Bank wurden ebenfalls in Brand gesetzt. Die Sicherheitskräfte hatten eine Ausgangssperre bis 06.00 Uhr morgens verhängt und gewarnt, dass auf Plünderer und Brandstifter geschossen werde.

19.05.2010 | Rom
Italienischer Fotoreporter in Bangkok getötet
Ein italienischer Pressefotograf ist bei den schweren Auseinandersetzungen zwischen Militär und Oppositionellen in Bangkok getötet worden. Das bestätigte am Mittwoch die italienische Botschaft in Bangkok, wie das römische Außenministerium mitteilte.
Der 45-jährige Fotoreporter Fabio Polenghi sei am Morgen von Kugeln im Herzen und im Unterleib getroffen worden, hieß es in italienischen Medienberichten. Polenghi habe für mehrere Magazine dort gearbeitet und im Einsatz Schutzweste und Helm getragen.
Eine Freundin hatte ihn auf TV-Bildern des Senders Pbs erkannt, als der aus Mailand stammende Fotograf von Kollegen betreut und dann schwer verletzt ins Polizeikrankenhaus gebracht worden ist. Er soll bei der Ankunft bereits tot gewesen sein. Der Fotograf sei im Viertel Saladeng etwa einen Kilometer vom Zentrum des Lagers der Rothemden entfernt getroffen worden.
In seiner jahrzehntelangen Karriere hatte der bekannte «Freelancer» unter anderem für die Magazine «Vanity Fair», «Vogue», «Marie Claire» und «Elle» etwa 70 Länder bereist.
Quelle: dpa

19.05.2010 | Bangkok
Massiver Militäreinsatz gegen Rothemden - Anführer geben auf
Nach dem Einmarsch der Armee ist die Gewalt in Bangkok blutig eskaliert. Mindestens fünf Menschen kamen am Mittwoch bei schweren Zusammenstößen ums Leben, darunter ein italienischer Fotojournalist.
Sieben Anführer der Demonstranten ergaben sich der Polizei, «um weiteres Blutvergießen zu vermeiden», wie sie sagten. Anhänger quittierten dies mit wütenden Protesten. Sie schlugen Fensterscheiben ein und legten Brände in einem großen Einkaufszentrum und der Börse.

Regierungsgegner zogen nach dem Militäreinsatz zu Medienunternehmen und bedrohten Reporter. Sie fanden deren Berichterstattung einseitig. Alle Mitarbeiter der «Bangkok Post» wurden aufgerufen, das Gebäude zu verlassen, weil sich die Rothemden näherten, schrieb die Zeitung auf ihrer Webseite. Auch vor dem Gebäude der zweiten englischsprachigen Zeitung «The Nation» und vor dem Sender Channel 3 News sammelten sich verärgerte Demonstranten.
Die Armee war im Morgengrauen mit Panzern in Bangkok eingefahren, hatte die Barrikaden der Rothemden eingerissen und war auf das Protestgelände vorgerückt. Soldaten schossen auf Demonstranten, die Barrikaden anzündeten und sich in den Weg stellten. Die Demonstranten wurden aus dem seit Ostern besetzten Ratchaprasong-Geschäftsviertel weitgehend vertrieben.
Die Rothemden hatten ihre Proteste Mitte März begonnen, um die Regierung zum Rücktritt zu zwingen. Ein Kompromissangebot mit vorgezogenen Wahlen scheiterte vergangene Woche in letzter Minute, weil die Rothemden neue Forderungen für einen Abzug stellten.
Quelle: dpa
19.05.2010 | Hamburg
Fragen & Antworten: Aufruhr im «Land der Freien»
Das südostasiatische Königreich Thailand versinkt in Anarchie. Die seit Mitte März anhaltende Konfrontation von Regierungsgegnern und Sicherheitskräften in der Hauptstadt Bangkok hat fast 70 Menschen das Leben gekostet. Begonnen hatte die politische Krise 2006, als das Militär den Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra stürzte und ins Exil vertrieb. Was geht im «Land der Freien», wie Thailand auch genannt wird, vor?

Wer sind die Rothemd-Demonstranten?
Viele der sogenannten Rothemden kommen aus dem armen Norden und Nordosten des Landes. In den fünf Thaksin-Jahren hatten sie von dessen Gesundheits- und Bildungspolitik profitiert und wurden so seine treuen Anhänger. Andere Rothemden sind Intellektuelle aus den städtischen Milieus. Vereint sind die Rothemden im Oppositionsbündnis UDD. Die UDD verlangt den Rücktritt der angeblich illegalen Regierung von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva und Neuwahlen.
Wer sind ihre politischen Gegner?
An ihren gelben Hemden sind die Angehörigen des gegnerischen Lagers zu erkennen. Sie tragen Gelb, weil das die Farbe des Königs ist. Die Königstreuen, Geschäftsleute und Angehörigen der städtischen Ober- und Mittelschicht haben sich in der «Volksallianz für Demokratie» (PAD) organisiert. Anders als die Rothemden sind die Gelben erbitterte Feinde von Thaksin, zu dessen Sturz sie maßgeblich beigetragen hatten. Ende 2008 legten Demonstranten tagelang den Flughafen der Hauptstadt lahm. Danach wurde es still um die Gelben. Jetzt drohten sie mit neuen Aktionen, falls die Regierung nicht energischer gegen die Rothemden vorgeht.
Welche Rolle spielt die Armee?
Zunächst konnte die königstreue Armee dem Aufruhr kein Ende bereiten. Anfangs hielt sie sich zurück. Man wolle nicht gegen wehrlose Menschen vorgehen, erklärte die Führung im April nach der Erstürmung des Parlamentsgebäudes und der Verhängung des Notstands. Dann am Mittwoch die Wende: Mit Soldaten und Panzerfahrzeugen rückte sie in den Stadtteil Bangkoks vor, in dem sich die Regierungsgegner seit Wochen verbarrikadiert hatten.

Warum schweigt der König?
Nur die Integrationsfigur des Landes, König Bhumibol Adulyadej, könnte die Lage beruhigen, glauben viele Thailänder. Doch der 82-jährige Monarch schweigt zur Krise. Im April hat er vor neu ernannten Richtern lediglich allgemein zur Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten aufgerufen. Vor acht Monaten musste Bhumibol in ein Krankenhaus gebracht werden, die genauen Gründe sind unbekannt. 1973 hatte er das Blutvergießen während eines Studentenaufruhrs gestoppt, 1992 griff er bei Protesten gegen das Militär ein.
Wie steht es mit Urlaub in Thailand?
Die Krise gefährdet den Tourismus, einen der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes. Allein aus Deutschland reisen jährlich weit mehr als 500 000 der insgesamt 14 Millionen Urlauber an. Angesichts der Lage hat das deutsche Außenministerium von Reisen nach Bangkok «dringend abgeraten». Das gelte auch für die Regionen im Norden und Nordosten des Landes.




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