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DEUTSCHLAND/WELT

 

20.05.2010 | Paris

Spektakulärer Kunstraub in Paris

 

Einem Einbrecher ist in Paris einer der größten Museumsdiebstähle aller Zeiten gelungen. Der Unbekannte entwendete in einer Nacht-und-Nebel-Aktion fünf Meisterwerke von Malern wie Picasso, Matisse und Modigliani.

 

Die Leitung des städtischen Pariser Museums für moderne Kunst schätzte den Wert der Bilder auf rund 100 Millionen Euro. Vom Täter fehlte zunächst jede Spur. «Ich bin schockiert und traurig», kommentierte Bürgermeister Bertrand Delanoë.

 

Wie dem Einbrecher der spektakuläre Coup gelingen konnte, war zunächst völlig unklar. Nach ersten Ermittlungen stieg der Mann durch ein Fenster in das Museumsgebäude in der Nähe des Eiffelturms ein. Überwachungskameras filmten die Tat, eine Alarmanlage ging aber offensichtlich nicht los. Erst am frühen Donnerstagmorgen wurde das Fehlen der Bilder bei einem Rundgang bemerkt. Eine zerbrochene Scheibe und ein gewaltsam geöffnetes Vorhängeschloss ließen schnell auf einen Diebstahl schließen. Über mögliche Komplizen oder Auftraggeber war zunächst nichts bekannt.

Das wertvollste gestohlene Werk ist vermutlich das kubistische Bild «Le pigeon aux petits pois» des spanischen Jahrhundert-Malers Pablo Picasso (1881-1973). Es wird auf rund 22 Millionen Euro geschätzt. Zudem packte der Täter Werke von Henri Matisse («La pastorale»), Georges Braque («L'olivier près de l'Estaque»), Amédéo Modigliani («La femme à l'éventail») und Fernand Léger («Nature morte aux chandeliers») ein. Die Tat sei ein untolerierbarer Angriff auf das kulturelle Erbe der Stadt Paris, sagte der Bürgermeister.

 

Ebenso unklar wie der Hintergrund der offensichtlich mangelhaften Sicherheitsmaßnahmen ist das konkrete Motiv des Täters. Auf dem Kunstmarkt sind diese Meisterwerke unverkäuflich, gleich ob sich der Schätzwert zwischen einer sechs-, sieben- oder sogar achtstelligen Summe bewegt. «Kein Kunsthändler wird so bekannte Werken auf dem internationalen Markt anbieten können. Eine Möglichkeit, die Gemälde zu Geld zu machen, wäre es, das Diebesgut bei der Versicherung gegen ein Lösegeld einzutauschen», sagte der Pariser Kunstkritiker Harry Bellet der dpa.

Gestohlene Werke auf diese Weise in Geld umzuwandeln, wird «Artnapping» genannt. Versicherungen lassen sich auf diesen Handel ein, wenn es entweder im Interesse der polizeilichen Ermittlungen ist oder aber, wenn die Lösegeldsumme niedriger ist als der Versicherungswert. Im Gegensatz zum Louvre oder dem Musée d'Orsay ist das Musée de l'art moderne de la Ville im schicken 16. Arrondissement kein staatliches Museum, das auf den Staat als Garanten zurückgreifen kann, sondern gehört der Stadt Paris.

 

Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Kunstdiebstählen in Paris und in anderen großen Städten. Im vergangenen Jahr verschwand unter mysteriösen Umständen ein Skizzenbuch von Pablo Picasso aus dem Pariser Picasso-Museum. Vor rund drei Jahren wurden zwei Gemälde und eine Zeichnung von Pablo Picasso im Schätzwert von insgesamt 50 Millionen Euro aus der Wohnung einer Enkelin des Künstlers gestohlen. Sechs Monate später stellen französische Ermittler die Werke sicher. Am 10. Februar 2008 raubten drei bewaffnete und maskierte Männer vier Ölgemälde im Wert von umgerechnet 113 Millionen Euro aus dem Museum der Sammlung Bührle. Darunter sind Claude Monets «Mohnfeld bei Vétheuil» und Vincent van Goghs «Blühender Kastanienzweig». Die Bilder von Monet und van Gogh tauchten einige Tage später wieder auf.

Quelle: dpa

Die gestohlenen Werke

Abgebildet sind folgende Bilder: "Le pigeon aux petits pois" von Pablo Picasso, "Nature morte au chandelier" von Fernand Leger, "La femme à l'éventail" von Amédéo Modigiliani, "La Pastorale" von Henri Matisse, "L'Olivier près de l'Estaque" von Georges Braque

 

www.cnac-gp.fr/Pompidou/Accueil.nsf/Document/HomePage?OpenDocument&sessionM=1&L=2

20.05.2010  Hamburg

Spektakuläre Kunstdiebstähle

Spektakuläre Kunstraube gab es schon oft. In vielen Fällen tauchten die Bilder wieder auf.

1. Mai 2009:
Maskierte und bewaffnete Gangster stehlen zwei Gemälde von Salvador Dalí und Tamara de Lempicka aus dem Scheringa Museum für Realismus in der nordholländischen Ortschaft Spanbroek. Über den Wert und Verbleib der Bilder ist nichts bekannt.

7. auf 8. März 2009: Das Bild «Lasst die Kindlein zu mir kommen» von Lucas Cranach dem Älteren wird aus einer Kirche der norwegischen Kleinstadt Larvik gestohlen. Es hat einen geschätzten Wert von umgerechnet 1,7 bis 2,2 Millionen Euro. Wenige Tage später wird das Bild unbeschädigt gefunden.

10. Februar 2008: In Zürich rauben drei bewaffnete und maskierte Männer vier Ölgemälde im Wert von umgerechnet 113 Millionen Euro aus dem Museum der Sammlung Bührle. Darunter sind Claude Monets «Mohnfeld bei Vétheuil» und Vincent van Goghs «Blühender Kastanienzweig». Die Bilder von Monet und van Gogh tauchen einige Tage später wieder auf.

6. Februar 2008: Zwei Gemälde von Pablo Picasso werden aus einer Schweizer Ausstellung gestohlen. Die Bilder, die dem Sprengel Museum in Hannover gehören, sollen mehr als drei Millionen Euro wert sein. Die Fahndung nach den Tätern bleibt ohne Erfolg.

5. August 2007: Mehrere bewaffnete und vermummte Männer stehlen vier Gemälde von Jan Bruegel dem Älteren, Alfred Sisley und Claude Monet aus einem Museum in Nizza. Im Juni 2008 stellt die Polizei die Bilder sicher.

28. Februar 2007: Zwei Gemälde und eine Zeichnung von Pablo Picasso im Schätzwert von insgesamt 50 Millionen Euro werden in Paris aus der Wohnung einer Enkelin des Jahrhundertkünstlers gestohlen. Sechs Monate später stellen französische Ermittler die Werke sicher.

22. August 2004: Zwei Bewaffnete überfallen das Munch-Museum in Oslo und rauben eine Version des bekannten Gemäldes «Der Schrei» und das Werk «Madonna». Allein Edvard Munchs «Der Schrei» soll 54 Millionen Euro wert sein. Zwei Jahre später tauchen beide Gemälde wieder auf.

27. August 2003: Das auf bis zu 56 Millionen Euro geschätzte Ölgemälde «Madonna mit der Spindel» von Leonardo da Vinci wird aus einem schottischen Schloss gestohlen. Im Oktober 2007 stellen Ermittler das Gemälde sicher.

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