DEUTSCHLAND/WELT

28.05.2010 | Essen
Drei Bieter im Rennen um Karstadt
Im Bieterrennen um die insolvente Warenhauskette Karstadt gehen drei Kandidaten an den Start. Hochrangige Vertreter der Interessenten Highstreet, Berggruen (siehe Foto unten) und Triton wollen ihre Konzepte im Laufe des Freitags dem Gläubigerausschuss präsentieren.
Ob es am gleichen Tag zu einer Entscheidung kommt, ist jedoch noch völlig ungewiss. Erst kurz vor dem Starttermin der Gläubigerausschusssitzung hatte der Karstadt-Vermieter Highstreet seine Offerte vorgelegt. Zu Details wollte ein Sprecher zunächst keine Stellung nehmen. Highstreet will dem Vernehmen nach auf Entlassungen verzichten. Gleichwohl sollen die 25 000 Karstadt-Mitarbeiter länger arbeiten, ohne mehr Lohn zu erhalten. Im Gegenzug sollen die Arbeitnehmer am Unternehmen beteiligt werden.

Der Vorstoß des mehrheitlich zu Goldman Sachs gehörenden Immobilienfonds war in der Branche erwartet worden. Highstreet besitzt 86 der 120 Karstadt-Warenhäuser und ist damit nicht nur der wichtigste Vermieter, sondern auch einer der Hauptgläubiger der insolventen Warenhauskette.
Neben Goldman Sachs sind als weitere Partner die Deutsche Bank und die italienischen Unternehmen Borletti, Generali und Pirelli an dem Immobilienfonds beteiligt. Borletti hat bereits Warenhaus-Erfahrung mit der italienischen Kette La Rinascente und dem französischen Kaufhaus Printemps gesammelt.
Als weitere Interessenten haben der deutsch-schwedische Investor Triton sowie die Berggruen Holding eine Offerte vorgelegt. Alle vorliegenden Angebote seien jedoch an bestimmte Bedingungen geknüpft, hieß es in Branchenkreisen. Während Triton etwa Zugeständnisse der Belegschaft und der Vermieter fordert, verlangt Berggruen lediglich Mietsenkungen und will die Beschäftigten ungeschoren lassen. Gegen die Forderungen von Triton hatte sich vor allem die Gewerkschaft Verdi gewehrt.

Beobachter rechnen damit, dass sich die Präsentationen der drei Bieter bis in den späten Nachmittag hinziehen. Nach der Vorstellung der Konzepte sollen die elf Mitglieder des Gläubigerausschusses die Möglichkeit erhalten, Fragen zu stellen.
Sollte noch Klärungsbedarf bestehen, kann der Gläubigerausschuss den Termin für die Unterzeichnung des Kaufvertrags ein zweites Mal verschieben. Die ursprünglich für den 30. April gesetzte Frist war bereits um vier Wochen auf den 28. Mai verschoben worden.
Damit der Insolvenzplan in Kraft treten kann, muss er vom Essener Amtsgericht bestätigt werden. Ein Gerichtstermin ist für den kommenden Montag geplant. Ein Vertreter des Gerichts nimmt jedoch bereits an der Sitzung des Gläubigerausschusses teil.

24.05.2010 | Essen/Köln
Neue Hoffnung für Karstadt
Neue Hoffnung für die insolvente Warenhauskette Karstadt: Mit dem Steuerverzicht der Stadt Köln sind die Chancen für einen Erhalt des ums Überleben kämpfenden Unternehmens am Dienstag weiter gestiegen.
Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hatte insgesamt 94 Kommunen aufgefordert, bis Dienstagmittag zur Rettung der Warenhauskette auf Gewerbesteuern von zusammen bis zu 140 Millionen Euro zu verzichten.
Damit der Insolvenzplan in Kraft treten kann, ist eine Zustimmungsquote von 98 Prozent der Forderungen der Kommunen notwendig. Hintergrund der Gewerbesteuerforderungen ist ein außerordentlicher Ertrag in der Karstadt-Bilanz, der durch den geplanten Verzicht der Gläubiger auf Forderungen von bis zu zwei Milliarden Euro entstehen würde.

Weitere Bedingung für das Inkrafttreten des Insolvenzplans ist die Unterschrift eines Investors unter den Kaufvertrag bis zum kommenden Freitag.
Beobachter gehen nun davon aus, dass die notwendige Zustimmungsquote für den Gewerbesteuerverzicht erreicht werden konnte. Voraussichtlich bis zum späten Nachmittag wolle man sich einen ersten Überblick verschaffen, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg, Thomas Schulz.
Im Rennen um einen möglichen Investor für Karstadt forderte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane in einem Interview mit dem «Deutschlandradio Kultur» einen Erhalt der Warenhauskette als Ganzes. Karstadt dürfe nicht «auseindergekloppt» werden, damit die besten Stücke verscherbelt werden könnten, sagte sie.

Nach der Investorengruppe Triton hatte am vergangenen Freitag auch der Berliner Privatinvestor Nicolas Berggruen Kaufinteresse für Karstadt angemeldet. Als dritter möglicher Interessent wird der Karstadt-Vermieter Highstreet gehandelt, der die Mehrzahl der Warenhaus-Immobilien besitzt. Ein offizielles Angebot hat Highstreet bislang aber noch nicht abgegeben.
Es helfe jedoch nichts, einem Interessenten den Zuschlag zu erteilen, der die Sanierung finanziell nicht durchhalte, so Mönig- Raane. Sowohl Berggruen als auch Highstreet gehörten nicht in diese Kategorie, sagte sie. Im Gegensatz zu Triton hatte Berggruen als Voraussetzung für einen Einstieg bei Karstadt keine weiteren Zugeständnisse von der Belegschaft verlangt. Die rund 25 000 Karstadt-Beschäftigten hatten sich zuvor bereits zu einem Verzicht von mehr als 150 Millionen Euro bereiterklärt.




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