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DEUTSCHLAND/WELT

 

26.05.2010 | Hannover/Berlin

Banden wollen Rockerkrieg beenden

 

Ihr Zuhause ist der Kiez, doch ihren Frieden schlossen sie in einer schicken Villa im teuersten Viertel Hannovers: Per Handschlag besiegelten die verfeindeten Rockerbanden Hells Angels und Bandidos am Mittwoch ihren Frieden. Zu der bühnenreifen und medienwirksamen Inszenierung in einer Promi-Anwaltskanzlei in Hannover erschienen Abgesandte beider Seiten aus ganz Deutschland - unmittelbar vor den Beratungen der Innenminister über ein bundesweites Verbot der Banden.

Die Polizei bewertete den «Friedensschluss» mit großer Skepsis. Der GdP-Bundesvorsitzende Konrad Freiberg sagte dem RBB-Sender Radio Eins: «Das ist Straßentheater, was da stattfindet.» Freiberg betonte: «Es geht um die Absteckung von Kriminalitätsbereichen, es wird auch weiter Auseinandersetzungen geben.» Das Abkommen zwischen den Rockerbanden sei nur auf den starken öffentlichen Druck und die Ermittlungen der Polizei zurückzuführen. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) rechnet nicht damit, dass es zu einem schnellen Verbot der Rockerbanden kommt.

Die Hells Angels und die Bandidos bekämpfen sich seit mehreren Jahren in vielen Städten brutal. Dabei geht es laut Polizei unter anderem um die Reviere für Drogenhandel und illegale Prostitution. In Berlin wurde letztes Jahr ein Mitglied der Hells Angels auf der Straße hinterrücks erschossen. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Angriffe mit Molotow-Cocktails auf Clubhäuser oder Schlägereien.

Vor der Kanzlei in Hannover kontrollierten Dutzende bulliger Security-Leute der Hells Angels die Namen aller Journalisten einzeln - doch von den sieben stiernackigen Männern drinnen wollte nur einer seinen kompletten Namen preisgeben.

In einer Presseerklärung hieß es: «Beide Parteien haben vereinbart, zukünftig in friedlicher Koexistenz miteinander zu leben und sich gegenseitig zu respektierten, ohne dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt.»

Eine Reporterin wollte wissen, worum es in dem Konflikt der beiden Banden überhaupt gegangen sei, etwa um das Abstecken von Claims im Rotlichtmilieu? «Illegale Geschäfte in großem Umfang finden nicht statt und haben auch nicht stattgefunden. Alles andere ist an den Haaren herbeigezogen», sagt einer der Männer, die nur Django, Les, Lobo oder Peter genannt werden wollen. Und worum ging es nun? Die Antwort klingt wie nach einer Paarberatung beim Therapeuten: «Das wissen wir selber nicht. Vielleicht lag es daran, das man nicht miteinander gesprochen hat.»

Zelebriert wurde der Friedensschluss der Rocker in der Kanzlei von Rechtsanwalt Götz von Fromberg, der gute Kontakte zu Promis wie Udo Lindenberg oder Sigmar Gabriel pflegt. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ist dem Juristen in einer Bürogemeinschaft verbunden. Der Rechtsanwalt vertritt den Anführer der hannoverschen Hells Angels, Frank Hanebuth (45), schon seit längerem.

 

Quelle: dpa

Presseerklärung der Rockerbanden: www.bandidos-mc-germany.de

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