DEUTSCHLAND/WELT

07.06.2010 | Hamburg
Metro mischt angeblich doch bei Karstadt mit
Die Lage um Karstadt wird unmittelbar vor entscheidenden Beratungen der Gläubiger immer verworrener. Laut einem Zeitungsbericht will der Kaufhof-Eigentümer Metro in letzter Minute in den Poker eingreifen und eine Lösung für etwa die Hälfte der Karstadt-Filialen vorschlagen. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg versucht bisher, Karstadt als Ganzes zu verkaufen.
Der Metro-Vorstoß sei aber mit Görg abgestimmt, berichtete die «Financial Times Deutschland» am Montag. Damit reagiere Görg darauf, dass der von ihm seit Monaten vorangetriebene Komplettverkauf platzen könne.
Am Montag will der Gläubigerausschuss eigentlich über einen Käufer für ganz Karstadt entscheiden. Nach den Planungen soll ein Investor bis spätestens Mittwoch den Kaufvertrag für die Übernahme der bundesweit 120 Läden unterschreiben. Einen Tag später soll das Essener Amtsgericht über den Insolvenzplan entscheiden. Falls der Insolvenzplan nicht in Kraft treten kann, droht dem Unternehmen mit 25 000 Beschäftigten die Zerschlagung.

Bisher gibt es vier Interessenten für Karstadt. Drei von ihnen haben bisher konkrete Angebote abgegeben: Der Investor Berggruen, der Karstadt-Vermieter Highstreet und der deutsch-schwedische Investor Triton. Außerdem brachte sich noch ein russisches Konsortium unter Führung des Petersburger Unternehmers Artur Pachomow ins Gespräch.
Metro wolle 45 bis 60 größere der bundesweit 120 Karstadt-Filialen übernehmen und unter Kaufhof-Regie weiterbetreiben, schrieb die «FTD» unter Berufung auf Unternehmens- und Gläubigerkreise. Zudem würde dem Plan zufolge Metro auch die 27 Karstadt-Sporthäuser erwerben. Von den 25 000 Mitarbeitern behielten zumindest 18 000 ihre Arbeitsplätze. Metro erhoffe sich davon den Durchbruch beim stockenden Verkauf seiner Warenhauskette Kaufhof.
Metro sei nur an den großen Karstadt-Häusern interessiert. Die kleineren, die Essener Karstadt-Zentrale und die eigentliche Karstadt Warenhaus GmbH inklusive aller ihrer Vertragsbeziehungen würden dagegen voraussichtlich in einer Auffanggesellschaft geparkt und separat weiterverkauft oder abgewickelt, hieß es. Metro hatte schon zuvor Interesse an einem Teil der Karstadt-Häuser gezeigt, Görg beharrte bisher aber auf einem Komplettverkauf.




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