DEUTSCHLAND/WELT
06.03.2009

15.08.2009
Erster Tag bringt erste deutsche Medaille
Die Bronze-Kugel von Europameister Ralf Bartels war beim Berliner WM-Auftakt für Gastgeber Deutschland Gold wert. "Ich wollte dem Team wie 2005 mit meiner ersten Medaille von Helsinki die richtige Initialzündung geben. Im dritten Versuch hat dann alles gepasst", kommentierte der Neubrandenburger seine von 35.000 Zuschauern im Olympiastadion lautstark gefeierte Freiluft-Bestmarke von 21,37m. Den ersten WM-Tag lange verfolgt hatten auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler, der um 18.02 Uhr das Weltsportereignis 2009 eröffnete.
Die Sprintshow von Olympiasieger Usain Bolt (Jamaika) und Weltmeister Tyson Gay (USA) überstrahlte beim WM-Auftakt auch den Goldglanz um Kenias 10.000-m-Überraschung Linet Chepkwemoi Masai (30:51,24) und den Amerikaner Christian Cantwell im Kugelstoßen mit der Jahres-Weltbestleistung von 22,03m. Im 20-km-Gehen vollendete der russische Ex-Doper Waleri Bortschin (1:18:41 Stunden) am Brandenburger Tor seinen Triumphmarsch über 20 Kilometer. Nur 14. wurde der enttäuschte Lokalmatador Andre Höhne (Berlin) in 1:21:59.
Nach Leistenschmerzen vom 100-m-Vorlauf sprintete erst der Weltranglisten-Spitzenreiter (9,77) Tyson Gay in 9,98 ins Halbfinale. "Mein Start war schlecht, ich kann es besser", meinte der Titelverteidiger. Dann trat Weltrekordler Bolt (9,69) im Zwischenlauf schon bei 65m auf die Bremse, lief in 10,03 lächelnd als Zweiter hinter Daniel Bailey (Antigua/10,02) ins Ziel: "Ich wollte Kraft sparen, am Sonntag gehts um Medaillen", meinte der 22-Jährige.
Ralf Bartels, der in Berlin seine vierte Medaille bei EM und WM gewann, konnte einmal mehr im entscheidenden Augenblick alles mobilisieren. EM-Gold und WM-Bronze 2005 hatte er jeweils im letzten Versuch erkämpft. Diesmal hätte er die Medaille fast mit dem finalen Stoß von Titelverteidiger Reese Hoffa (USA/21,28) noch verloren. Mitten im deutschen Jubel ging unter, dass der Leipziger Peter Sack mit drei ungültigen Versuchen sang- und klanglos gescheitert war.
Jennifer Oeser im Siebenkampf auf Rang drei
Eine Kugelstoß-Medaille könnte es am Sonntag auch für Nadine Kleinert (Magdeburg) geben, die in der Form ihres Lebens scheint, vielleicht auch für Siebenkämpferin Jennifer Oeser (Leverkusen), die mit 3814 Punkten als Dritte in den zweiten Siebenkampf-Tag geht. Siebte war Julia Mächtig (Neubrandenburg/3758). Die indisponierte EM-Dritte Lilli Schwarzkopf (Paderborn) gab vor dem 200-m-Lauf auf..
Erster Triumphator der neuntägigen Titelkämpfe mit rund 2000 Athleten aus 200 Ländern war der von Juni 2005 bis Mai 2006 wegen Ephedrin gesperrte Geher Bortschin. Der Olympiasieger von Peking lag am Ziel Brandenburger Tor 25 Sekunden vor dem Chinesen Hao Wang, der in 1:19:06 Silber gewann.
Über 10.000m sorgte Linet Chepkwemoi Masai für die große Überraschung, als sie nach dem verletzungsbedingten Verzicht von Olympiasiegerin Tirunesh Dibaba deren äthiopische Teamkameradin Meselech Melkamu (30:51,34) vor der Ziellinie abfing. Damit endete eine Serie von fünf äthiopischen WM-Siegen. Kenias Rivalinnen gewannen zum Silber noch Bronze durch Wude Ayalew (30:51,95).
Antje Möldner: "Platz acht im Endlauf wäre mein Traum"
Überragende Figur des Gastgeber-Teams in Runde eins war Antje Möldner, die ihren deutschen Rekord über 3000m Hindernis als Vorlauf-Zweite von 9:27,22 auf 9:21,73 Minuten steigerte. "Platz acht am Montag im Endlauf wäre mein Traum", meinte die Potsdamerin. Mit den Rängen vier und acht zogen auch die Hammerwerfer Sergej Litvinov (LG Frankfurt/77,68) und Markus Esser (Leverkusen/76,81) sowie die drei Stabhochspringerinnen ins Finale am Montag ein.
Von gestarteten 16 Athleten des 90-köpfigen deutschen WM-Teams kamen zehn weiter, sechs scheiterten. Über 100m blieben Tobias Unger (Kornwestheim) als Vierter in 10,42 und Thomas Schwab (Schwarzenbek) als Fünfter in 10,50 auf der Strecke, Martin Keller (Chemnitz) als Zwischenlauf-Siebter in 10,40. Über 1500m war für Lokalmatador Carsten Schlangen (Berlin) und Stefan Eberhardt (Erfurt) nach den Vorlauf-Rängen 9 und 10 überraschend Endstation.
Im Kugelstoßen bot der Chemnitzer U20-Weltmeister David Storl nach 20,43m in diesem Jahr mit 19,19m in der Qualifikation zu wenig. Mit indiskutablen 11,38m (Bestleistung 14,20) schied nach verpatzten Dreisprüngen Katja Demut (Jena) aus.
© 2009 Sport-Informations-Dienst, Neuss

16.08.2009
Dreispringer Friedek scheidet ohne Weite aus
Dreispringer Charles Friedek hat sich bei der Leichtathletik-WM in Berlin in seinem letzten großen Wettkampf ohne Weite verabschiedet. Zehn Jahre nach seinem WM-Sieg von Sevilla leistete sich der 37-Jährige in der Qualifikation drei Fehlversuche und verpasste damit das Finale am Dienstag (18.05 Uhr).
"Es ist schön, dass ich hier noch einmal bei einer WM dabei war. Ich bin dem Verband dankbar, dass ich starten konnte", sagte Friedek nach seinem letzten Sprung. Große Erwartungen hatte der Routinier eh nicht gehabt: "Ich wollte eine gute Leistung zeigen, eine Medaille war eh nie Thema."
Der Leverkusener hatte angekündigt, dass die WM sein letzter Wettkampf auf internationaler Bühne sein würde. Friedek durfte nur dank der Großzügigkeit des Verbandes zur WM. Die bei 17m stehende B-Norm hatte er verpasst. Beim WM-Sieg vor zehn Jahren war der 16-malige deutsche Meister noch 17,59m gesprungen.
Nelson Evora, kubanisches Trio und Phillips Idowu Favoriten
Mit seiner Saisonbestleistung von 16,97m gehörte Friedek zuletzt nicht mehr zur absoluten Weltspitze und hatte Schwierigkeiten, Einladungen für internationale Meetings zu bekommen. In Berlin hätte er selbst mit einem 17-m-Sprung nicht das Finale erreicht.
Favoriten auf Dreisprung-Gold sind in Berlin Titelverteidiger Nelson Evora (Portugal), ein Kuba-Trio sowie der Olympiazweite Phillips Idowu aus Großbritannien.
© 2009 Sport-Informations-Dienst, Neuss

16.08.2009
Berlin scheitert in Berlin
Berlin war in Berlin chancenlos. Der Monegasse Antoine Berlin schied im 1500-m-Vorlauf in der WM-Gastgeberstadt, die 450-mal so groß ist wie das Fürstentum, aus dem er stammt, in 4:27,52 Minuten aus.
Die Zeit hätte nicht einmal gereicht, um 2009 bei den Frauen deutsche Meisterin zu werden. Immerhin: Er führte das Feld 100m lang an. "Ich habe meine erste Weltmeisterschaft genossen."
Der Sport-Informations-Dienst hat weitere Splitter von der Leichtathletik-WM zusammengestellt:
KUGEL-ATTACKE: Auf der Pressekonferenz der Medaillengewinner im Kugelstoßen verlängerten Weltmeister Christian Cantwell und der WM-Zweite Tomasz Majewski ihren Zweikampf. Der US-Amerikaner Cantwell beschuldigte den Polen Majewski, ihm beim Wettkampf in London kürzlich eine Kugel auf den Fuß geworfen zu haben. Der Beschuldigte stritt das ab und zog immer wieder Grimassen, wenn Cantwell mit den Journalisten sprach.
FAMILIENSACHE: Da hat sich Moses Masai, der Bruder von 10. 000-m-Weltmeisterin Linet Masai, aber etwas vorgenommen. Als er kurz vor dem WM-Start am Freitag gefragt wurde, welchen Platz er anstrebe, sprach er davon, besser sein zu wollen als seine Schwester. Dann rannte die 19-jährige Kenianerin überraschend zu Gold und nun hat Moses (23) ein Problem: "Mach es besser, großer Bruder", forderte Linet Masai von ihm nach dem Rennen am Telefon vor Journalisten. Beide hatten im Vorjahr bei Olympia in Peking Platz vier belegt.
SONDERPRÄMIE: Im Vorjahr erhielt Geher-Weltmeister Waleri Bortschin zum Olympiagold einen BMW von Vater Staat, dieses Mal hat Russlands Premierminister Wladimir Putin allen Weltmeistern von Berlin 7000 Dollar zusätzlich zu den vom Weltverband IAAF versprochenen 60.000 Dollar versprochen. "Das hatte ich ganz vergessen. Gut, dass Sie mich erinnern", sagte der 22-Jährige im Ziel.
DURCHSICHTIG: Es ist da, fällt aber nicht auf. Ein durchsichtiges Netz macht es den Zuschauern möglich, Hammer- und Diskuswerfer in ihrem Käfig fast ohne Sichteinschränkung zu beobachten. "Wie Sie sehen, sehen Sie nichts", sagt IAAF-Wettkampfdirektor Paul Hardy.
ZUM ANFASSEN: 650 Touch-Screens versorgen Journalisten und Offizielle im Stadion mit Informationen. Darin ist die gesamte Datenbank des Weltverbandes IAAF abrufbar: mit allen Weltrekorden, Flash-Interviews und Bestenlisten vergangener Jahre.
SCHMINKE: Auch Leichtathletinnen achten auf ihr Äußeres. So gestand Stabhochspringerin Silke Spiegelburg, dass sie sich seit ihrer Kindheit schminkt und das auch vor jedem Wettkampf tue. "Warum sollte ich das hier anders machen?", meinte die Leverkusenerin. Ein Problem könnte es nur bei einer möglichen tränenreichen Siegerehrung geben: "Die Schminke ist nicht wasserfest."
VERAUSGABT: Ein übles Bild bot Johnny Dutch nach seinem Vorlauf über 400m Hürden. Der US-Boy sank in der Mixed-Zone des Olympiastadions vor den Journalisten zu Boden und blieb dort 20 Minuten stöhnend liegen. Mehrere Helfer bemühten sich um den völlig erschöpften Läufer, doch der ließ sich nicht zum Aufstehen ermutigen und übergab sich stattdessen. Erst als eine Trage geholt wurde, erhob sich Dutch, der sich für die nächte Runde qualifiziert hatte, und verließ auf Helfer gestützt die Mixed-Zone. Zurück blieb auf dem Teppich sein Erbrochenes.
TAPFER: Obwohl sie im 10.000-m-Finale mit deutlichem Abstand als Letzte ins Ziel kam, erhielt sie fast ebenso viel Applaus wie die Siegerin Linet Chepkwemoi Masai: Die kleingewachsene Japanerin Yukari Sahaku lief in die Herzen des Berliner Publikums. Als sie einsam ihre letzte Runde drehte, überschlug sich die Begeisterung im Stadion. Im Ziel wartete eine besondere Überraschung auf Sahaku, die Marathon-Läuferin ist und im vergangenen Jahr das Rennen in Sapporo gewann. Maskottchen Berlino griff sich die tapfere Läuferin und führte mit ihr ein kurzes Tänzchen auf.
AUGENZEUGIN: Kanzlerin Angela Merkel erlebte auf der Ehrentribüne noch mit, als Kugelstoßer Ralf Bartels seinen Bronzestoß von 21,37m schaffte. Dagegen hatte Bundespräsident Horst Köhler die Ehrenloge bereits verlassen.
LANGSAMSTE: Tioiti Katutu war in 14,38 Sekunden die langsamste unter allen 61 gestarteten 100-m-Läuferinnen. Die 19-Jährige kommt aus dem pazifischen Inselstaat Kiribati und durfte nur über die Quotenregelung starten, die jedem Mitgliedsland des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF mindestens einen Startplatz sichert.
© 2009 Sport-Informations-Dienst, Neuss

16.08.2009
Verena Sailer erreicht WM-Halbfinale
Die Mannheimerin Verena Sailer hat bei der Leichtathletik-WM in Berlin das Halbfinale über 100m erreicht. Die deutsche Meisterin wurde in ihrem Zwischenlauf zwar nur Vierte, kam aber in 11,26 Sekunden als Schnellste der nicht direkt qualifizierten Sprinterinnen eine Runde weiter. Für die Mainzerin Marion Wagner kam dagegen in schwachen 11,64 Sekunden erwartungsgemäß das Aus.
"Das ist ein Traum, auch wenn ich nicht ganz zufrieden mit meiner Leistung bin", sagte die deutsche Jahresbeste (11,18 Sekunden) selbstkritisch: "Der Start war super, die Beschleunigung auch. Aber ich wollte hinten raus noch etwas draufpacken. Aber es ging nicht so, wie ich wollte."
© 2009 Sport-Informations-Dienst, Neuss




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