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  • Köhler verabschiedet

DEUTSCHLAND/WELT

 

Zapfenstreich für Köhler
Fotos
15.06.2010 | Berlin

Köhler mit Großem Zapfenstreich verabschiedet

 

Der bisherige Bundespräsident Horst Köhler hat bei seiner offiziellen Verabschiedung am Dienstagabend seinen überraschenden Rücktritt verteidigt.

 

«Ich habe die Entscheidung getroffen, die ich für richtig hielt und weiterhin halte», sagte er bei einem Empfang im Schloss Bellevue. «Zu den Gründen meines Rücktritts habe ich mich bereits öffentlich geäußert. Dem ist von mir nichts hinzuzufügen», sagte Köhler nach Angaben aus dem Präsidialamt und unterstrich weiter: «Respekt und Wahrhaftigkeit sollen in der politischen Kultur unseres Landes einen festen Platz behalten... Es war mir eine Ehre, Deutschland zu dienen.»

Köhler wurde am Abend, gut zwei Wochen nach seinem überraschenden sofortigen Rücktritt, mit einem Großen Zapfenstreich geehrt. An der militärischen Zeremonie nahmen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert (beide CDU) sowie Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) teil. Köhler war beim Abschied sichtlich bewegt.

 

Zuvor hatte er sich von seinen Mitarbeitern verabschiedet. Im Schloss Bellevue bedankte sich der 67-Jährige in einer kurzen Rede für «wunderbare Unterstützung in den vergangenen sechs Jahren». Man könne stolz sein auf die Arbeit des Präsidialamtes. Weitere Erläuterungen zu seinem überraschenden Rücktritt Ende Mai machte Köhler auch vor den etwa 120 Mitarbeitern nicht.

Der Nachfolger wird am 30. Juni durch die Bundesversammlung gewählt. Schwarz-Gelb hat dafür den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) aufgestellt. SPD und Grüne schicken den ehemaligen Stasi-Beauftragten Joachim Gauck ins Rennen. Für die Linkspartei kandidiert die Journalistin Luc Jochimsen. Die NPD hat den Liedermacher Frank Rennicke nominiert.

 

Köhler hatte am 31. Mai das höchste Staatsamt aufgegeben, vier Jahre vor dem regulären Ende seiner zweiten Amtszeit. Als Grund gab er Kritik an seinen Äußerungen zum Einsatz der Bundeswehr im Ausland an. Die Amtsgeschäfte führt derzeit kommissarisch der Bremer Regierungschef Jens Böhrnsen. Der SPD-Politiker ist derzeit Präsident des Bundesrats. Böhrnsen sagte zum Abschied Köhlers, dieser habe «wichtige Fragen gestellt und vieles infrage gestellt, was fragwürdig ist». Dafür seien ihm die Bürger dankbar.

Mit dem Großen Zapfenstreich werden insbesondere Bundespräsidenten und Bundeskanzler aus dem Amt verabschiedet. Dazu marschierte die Ehrenformation der Bundeswehr auf. Anschließend spielte das Stabmusikkorps der Bundeswehr mehrere Musikstücke. Köhler hatte sich dazu zwei Märsche sowie den «St. Louis Blues» gewünscht, einen Jazz- Klassiker. Der 67-Jährige war Bundespräsident seit 2004.

 

Wie alle anderen ehemaligen Staatsoberhäupter bekommt Köhler das gleiche Gehalt wie bisher als «Ehrensold». Derzeit sind dies 199 000 Euro pro Jahr. Zudem hat er das Recht auf ein eigenes Büro, einen Dienstwagen, einen Büroleiter und eine persönliche Sekretärin. Im Lauf des Monats soll Köhler auch aus seiner Dienstvilla in Berlin- Dahlem ausziehen. Noch nicht bekannt ist, ob er mit seiner Frau Eva Luise in der Hauptstadt bleiben will.

Quelle: dpa
31.05.2010 | Berlin

Horst Köhler - erst vor einem Jahr zum zweiten Mal gewählt

«Ich möchte Bundespräsident aller Deutschen sein, und ein Präsident für alle Menschen, die hier leben», hatte Horst Köhler vor sechs Jahren bei seiner ersten Wahl verkündet. Am 23. Mai 2009 sprach die 13. Bundesversammlung in Berlin dem ehemaligen Banker das Vertrauen aus und wählte ihn für eine weitere Amtszeit im Schloss Bellevue wieder. Mit «Arbeit, Bildung, Integration» umschrieb Köhler in seiner Dankesrede vor einem Jahr umgehend Themen, die ihm und der Bevölkerung gleichermaßen wichtig erschienen.

2004 kam mit Köhler erstmals ein Nicht-Politiker ins höchste Staatsamt. Anders als seine Vorgänger war er nicht in ein politisches Netzwerk eingebunden. Dies ließ ihn oft auch unabhängiger agieren. Denn der 1981 in die CDU eingetretene Köhler war nie Parteimensch. Auch wenn es für seine Kritiker den Anschein hatte, agierte er im Schloss Bellevue nicht als Statthalter der Union. Mit öffentlichen  Einlassungen zur Tagespolitik verärgerte er manches Mal auch Unions-Politiker. Recht bald nach seiner Wiederwahl wurde Köhler von Kritikern mangelnde Präsenz in der Öffentlichkeit vorgeworfen.

Dass der jetzt 67-Jährige, der mit seiner Frau Eva Luise zwei Kinder hat, einmal erster Mann im Staate werden würde, war nicht abzusehen. Köhler wurde am 22. Februar 1943 im damals von deutschen Truppen besetzten polnischen Skierbieszow geboren. Die Familie floh vor der Roten Armee, kam ins schwäbische Ludwigsburg. In Tübingen studierte Köhler Wirtschaft, promovierte, ging nach Bonn und stieg im Bundesfinanzministerium auf bis zum Staatssekretär. 1992 wechselte er an die Spitze des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, später zur Osteuropabank in London und im Mai 2000 als Direktor zum Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington.

 

Dass er 2004 nominiert wurde, war Teil eines strategischen Plans. Als die Vorsitzenden von CDU und FDP, Angela Merkel und Guido Westerwelle, den damals weithin unbekannten Köhler nominierten, spekulierten sie auf eine schwarz-gelbe Koalition nach der Bundestagswahl. Köhler kam ins Amt, aber die Koalitionspläne gingen 2005 nicht auf. Auch 2009 stand das bürgerliche Lager hinter Köhler - Union, FDP und Freie Wähler aus Bayern.

 

Quelle: dpa

Lebenslauf von Horst Köhler... »
Die Website des Bundespräsidenten... »
de.wikipedia.org/wiki/Horst_Köhler

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