DEUTSCHLAND/WELT
08.03.2009

15.08.2009
Deutsches Stabhochsprung-Trio im Finale
Alle drei deutschen Stabhochspringerinnen haben das Finale am Montag (18.45 Uhr) erreicht und dürfen von einer Medaille bei der Leichtathletik-WM in Berlin träumen. Die deutsche Meisterin Silke Spiegelburg (Leverkusen) übersprang ebenso 4,55m wie die Mainzerin Anna Battke. Für Kristina Gadschiew (Zweibrücken) reichten sogar übersprungene 4,50m und Platz 12 fürs Finale.
"Superschön, dass wir alle weiter sind, das hat es im deutschen Frauen-Stabhochsprung wohl noch nie gegeben. Das Publikum hat eine Wahnsinnsatmosphäre verbreitet. Für mich war es wohl die bisher beste Qualifikation, es ist mein Jahr", meinte die Hallen-EM-Zweite Spiegelburg.
Keine Blöße gab sich nach bisher wenig überzeugender Saison die Olympiasiegerin und Favoritin Jelena Issinbajewa. Die 27 Jahre alte Russin, die bei der WM-Generalprobe in London ihre erste Niederlage seit 17 Monaten kassiert hatte, machte bei 4,55m nur einen Sprung und sah dabei sehr souverän aus. Seit dem WM-Bronze 2003 ist sie bei großen Medaillenschlachten inklusive Hallen-WM ungeschlagen.
In der Olympiazweiten Jennifer Stuczynski aus den USA (Achillessehnenverletzung) und der russischen Ex-Weltrekordlerin Swetlana Feofanowa (Beinverletzung) hatten zwei Medaillenkandidatinnen für die WM abgesagt.
© 2009 Sport-Informations-Dienst, Neuss

13.08.2009
Höhepunkt des Sportjahres in Berlin
Die Sportwelt blickt für neun Tage gebannt nach Berlin. Am Samstag hebt sich im Olympiastadion der Vorhang zur 12. Leichtathletik-WM (bis 23. August), dem Weltsportereignis 2009. Rund eine Milliarde Menschen an den Fernsehschirmen und 500.000 in der Arena werden den Wettstreit der rund 2000 Athleten aus 200 Nationen um 47 Titel und 141 Medaillen verfolgen. Das absolute Highlight verspricht am Sonntag das 100-m-Finale mit Jamaikas Wundersprinter Usain Bolt zu werden, der bereits zum WM-Auftakt am Samstag auf die Bahn tritt.
"Ich will der Welt zu zeigen, dass das letzte Jahr kein Witz war", sagt Bolt, der zusammen mit seinem Rivalen Tyson Gay (USA) längst vor dem Startschuss der 44 Millionen Euro teuren WM als Hauptmotiv der Berliner Werbekampagne präsent war: Auf den Plakaten reißt er schon die Arme zum Jubeln empor.
In Peking sprintete der 22-Jährige in neue Dimensionen: Olympia-Gold über 100m (9,69 Sekunden), 200m (19,30) und 4x100m (37,10) - alles in Weltrekordzeit. Bei idealen Bedingungen kann er in Berlin für die nächste Fabelzeit sorgen. Gewinnt er wie in Peking dreimal (Einzel 60.000, für die Staffel 80.000 Euro Prämie), könnte der Jungmillionär im Falle neuerlicher Weltrekorde (je 100.000 Euro) rund 350.000 Dollar verdienen.
Tyson Gay mit Jahresbestzeiten nach Berlin
Doch Rivale Tyson Gay ist schnell wie nie. Der Dreifach-Weltmeister von Osaka rannte 2009 auf beiden Strecken zwei bzw. eine Hundertstel schneller als der oft von Regen und Rückenwind gestoppte Bolt: 9,77 über 100 und 19,58 Sekunden über 200m.
"Bei der WM vor zwei Jahren war ich am Knie verletzt und musste pausieren. Damals bin ich als Underdog ins Rennen gegen Asafa Powell gegangen. Jetzt hatte ich wegen Leistenprobleme eine Pause und trete als Underdog gegen Usain an", sagt der Mann aus Lexington/Kentucky.
Auch wenn die Amerikaner vielleicht wie bei Olympia in Peking das Sprint-Duell mit der Karibikinsel klar verlieren, die fünf von sechs Titeln gewann (100/200/4x100m Männer und Frauen) - sie werden nach jeweils 14 Goldmedaillen bei den Titelkämpfen 2005 in Helsinki und 2007 in Osaka (WM-Rekord) den Medaillenspiegel im Duell mit Russland, Jamaika sowie den Läufernationen Kenia und Äthiopien wohl erneut dominieren, wenn auch nicht so klar.
Mikitenkos Ausfall trifft DLV hart
Deutschland will wie 1993 bei seiner ersten WM in Stuttgart wieder ein weltweit hochgelobter Gastgeber sein, aber nicht nur Gastgeschenke verteilen. "Ziel sind sieben Medaillen wie 2007 in Osaka. Ob wir es trotz besserer Weltranglisten-Platzierungen als in den letzten Jahren erreichen, ist eine andere Sache. Leider trifft uns der Ausfall von Marathon-Favoritin Irina Mikitenko hart", sagt DLV-Präsident Clemens Prokop zur Chance des 90-köpfigen Teams.
Vor zwei Jahren gab es in Japan zwei Siege, zweimal Silber, dreimal Bronze, ähnlich wie bei der Heim-WM 1993 in Stuttgart (2-2-8). Prokop: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Ergebnis besser wird als beim einzigen Olympia-Bronze 2008 in Peking."
Irina Mikitenko, zweimalige London-Marathonsiegerin, verzichtet nach dem Tod ihres Vaters auf den Start. Nun ruht die große Last auf den Schultern von Hochspringerin Ariane Friedrich (Frankfurt/Main), die 2009 drei der vier Duelle mit Kroatiens Weltmeisterin Blanka Vlasic gewann und mit 2,06m an der Spitze der Weltrangliste steht.
Werfer mit Formschwächen
2009 unübertroffen ist mit ihren 68,59 m auch Christina Obergföll (Offenburg) im Speerwurf, angesichts ihres Leistungstiefs gilt sie wie Europameisterin Steffi Nerius (Leverkusen) derzeit aber nur als Bronzekandidatin. Ähnliches gilt im Diskuswurf für den Berliner Diskus-Vizeweltmeister Robert Harting und Hammer-Weltmeisterin Betty Heidler (LG Frankfurt). Weniger für die formschwache und ebenfalls per Wildcard startende Neubrandenburger Diskuswerferin Franka Dietzsch.
Anstelle der deutschen Titelverteidigerinnen könnten zwei Russinnen nach Dopingsperren siegen. Hammer-Weltrekordlerin Tatjana Lysenko und Ex-Diskus-Weltmeisterin Natalja Sadowa kehrten wie rund drei Dutzend andere bestrafte Athleten zurück. Der Weltverband IAAF hat in Berlin sein bisher größtes Anti-Doping-Programm mit 1500 Kontrollen aufgelegt. Ob es effektiv ist, kann bezweifelt werden. Doch inklusive Kanadas Ex-Sprint-Star Ben Johnson verloren seit 1987 immerhin 14 Weltmeister WM-Gold, 13 andere Silber oder Bronze.
© 2009 Sport-Informations-Dienst, Neuss

17.08.2009
"So ein bisschen haben wir ihm die Show gestohlen"
Nadine Kleinert, die frischgebackene Silbermedaillengewinnerin im Kugelstoßen bei der Leichtathletik-WM in Berlin, zeigte sich nach dem Wettbewerb im Interview zufrieden mit ihrer Leistung. Sie genoss es außerdem, den 100m-Sprintstars Usain Bolt, Tyson Gay und Asafa Powell "ein bisschen die Show gestohlen" zu haben.
Frage: "Usain Bolt musste auf Sie warten, bis er endlich seinen 100-m-Weltrekord laufen durfte. Jennifer Oeser und die Siebenkämpferinnen überzogen ihre Wettkampfzeit, dann vollführten Sie ihren Freudentanz, liefen Sie mir ihr noch eine Ehrenrunde. Meinen Sie, das hat ihm gefallen?"
Kleinert: "Er war schon etwas angepisst, weil er wegen uns acht Minuten auf den 100m-Start warten musste. So ein bisschen haben wir ihm die Show gestohlen."
Frage: "Was ging nach der schwachen Qualifikation vor dem ersten Versuch in Ihnen vor?"
Kleinert: "Ich ging mit weichen Knien und zitternd in den Ring. Dann dachte ich mir angesichts der guten Trainingsleistungen und des wieder intakten Ellbogens: Du blöde Kuh, du kannst das."
Frage: "Weltmeisterin Valerie Vili konnte erst im dritten Versuch kontern. Was war mit ihr?"
Kleinert: "Sie war nicht so gut in Form und fürchtete wohl eine Niederlage. Später hat sie gesagt, sie wäre überwältigt gewesen vom Publikum im Stadion und habe sich verloren wie ein kleines Kind gefühlt."
Frage: "Was geschah nach ihrer Steigerung auf 20,20m - sie waren plötzlich weg?"
Kleinert: "Weil ich wohl zu lange die Luft anhielt beim Abstoß sah ich plötzlich nur noch Vögelchen. Ich hatte einen Kreislaufkollaps, musste mich hinlegen, war einen Moment weg. Erst als mein Name zum nächsten Versuch aufgerufen wurde, konnte ich mich wieder zusammenreißen."
Frage: "Welchen Stellenwert hat diese Medaille für Sie?
Kleinert: "Nach dem Olympiasilber von Athen, das einen ganz besonderen Stellenwert hat, war dieses dritte WM-Silber nach 1999 und 2001 das Schönste. Eine Medaille bei dieser Heim-WM zu gewinnen, ist das Größte. Die Stimmung in diesem Stadion ist einfach nur geil. Ich habe mich von einer Welle tragen lassen."
Frage: "Die Pläne mit der Box-Karriere sind ad acta gelegt. Was bringt die sportliche Zukunft?"
Kleinert: "Jetzt noch ein paar Wettkämpfe inklusive Welt-Finale in Thessaloniki. Nächstes Jahr schaue ich mir die Hallen-EM an und entscheide, ob ich weitermache. Aber so schnell höre ich nicht auf, ich muss noch ein Haus abbezahlen. Irgendwann werde ich spontan entscheiden. Aber Olympia 2012 im Londoner Regen tue ich mir auf keinen Fall an."
© 2009 Sport-Informations-Dienst, Neuss




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