DEUTSCHLAND/WELT

18.07.2010 | München
Brunner starb an Herzstillstand
Zehn Monate nach dem Tod Dominik Brunners sind erstmals Details über die Todesursache des Managers bekanntgeworden. Demnach starb Brunner nicht unmittelbar an den massiven Tritten und Schlägen zweier Jugendlicher bei der Verteidigung mehrerer Kinder, sondern an einem Herzstillstand.
Entsprechende Medienberichte bestätigte die Staatsanwaltschaft München, bleibt jedoch beim Mordvorwurf gegen die Angeklagten Sebastian L. (18) und Markus S. (19). Ihre massive Gewalt sei unmittelbarer Auslöser des Herzstillstands und habe so den Tod verursacht. Brunner würde noch leben, gäbe es den Kampf nicht.
«Herr Brunner ist infolge der Schläge und Tritte daran gestorben, dass das Herz stehengeblieben ist», sagte Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger, Sprecherin der Anklagebehörde, am Samstag der dpa in München. Damit sei die Kausalität klar. Brunner hätte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ohne die massiven Schläge und Tritte keinen Herzstillstand erlitten.

Stockinger hatte bereits im Herbst nach der Obduktion die Gesamtheit der Verletzungen Brunners als Todesursache herausgestellt: «Er hatte 22 sehr schwere Verletzungen, die in ihrer Gesamtheit zum Tod geführt haben», sagte Stockinger damals.
Ein endgültiges Obduktionsergebnis wurde bisher nicht öffentlich. Am Samstagmorgen hatten «Spiegel-online» sowie der «Münchner Merkur» mit Verweis auf die Staatsanwaltschaft München berichtet, dass der Manager an Herzversagen starb und einen Herzfehler gehabt habe. «Es stimmt, dass das Herz stehengeblieben ist», sagte Stockinger und bestätigte auch, dass in dem Gutachten eines Sachverständigen von einem vergrößerten Herzmuskel die Rede sei. «Ob das aber als Herzfehler zu werten ist, kann ich nicht beurteilen», sagte sie.
Gegen die beiden Angeklagten läuft seit vergangenem Dienstag der Prozess vor dem Münchner Landgericht. Das Gutachten zur Todesursache Brunners und Bewertung der Tat werde im Prozess im Anschluss an die Beweisaufnahme und damit frühestens am 28. Juli gehört, sagte Stockinger.

Es sei ein normaler Prozessverlauf, dieses Gutachten am Ende des Prozesses vorzustellen, da ja die Tat- und Begleitumstände aus der Beweisaufnahme in die abschließende Fassung einfließen müssten. Der Sachverständige sei die gesamte Verhandlung über dabei.
Brunner war am 12. September 2009 bei einer Schlägerei mit den Jugendlichen auf dem S-Bahnsteig München-Solln ums Leben gekommen. Er hatte sich schützend vor vier Kinder gestellt, von denen die Jugendlichen laut Zeugenaussagen Geld erpressen wollten. Der Fall hatte bundesweit Aufsehen und Anteilnahme erregt, weil der 50-jährige Brunner die Kinder gegen die Angreifer hatte schützen wollen und das nicht überlebte. Der Manager war nach seinem Tod als Held ausgezeichnet, und es war in seinem Namen war eine Stiftung gegründet worden.
Unstrittig ist nach den bisherigen Zeugenaussagen im Prozess, dass Brunner sich auf dem Bahnsteig vor die drangsalierten Kinder gestellt hatte und dann in Erwartung einer Auseinandersetzung mit Sebastian L. und Markus S. auf diese zuging und auch zuerst zuschlug. Die beiden jungen Männer waren daraufhin von zwei Seiten auf Brunner losgegangen und hatten ihm Schläge und Tritte verpasst.
Laut «Spiegel» erlitt der Manager dabei aber weder einen Schädelbruch noch andere Knochenbrüche, die zum Tode hätten führen können. «Den Umstand, dass Brunner unter einem vergrößerten Herzen litt, verschwieg die Staatsanwaltschaft bislang der Öffentlichkeit», heißt es in dem Bericht weiter.
Quelle. dpa

13.07.2010 | München
Fall Brunner: Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht
Im Münchner Prozess um den gewaltsamen Tod des Managers Dominik Brunner hat einer der beiden Angeklagten jede Tötungsabsicht bestritten.
Er habe zu keinem Zeitpunkt der Auseinandersetzung mit Brunners Tod gerechnet und ihn auch nicht gewollt, sagte der 19 Jahre alte Markus S. am Dienstag beim Prozessauftakt vor dem Landgericht München I. Er wisse, dass er absolut falsch reagiert habe und ihm tue der Tod des Managers «unendlich leid».
Zwei junge Männer müssen sich wegen Mordes verantworten. Der damals 17 Jahre alte Sebastian L. und der damals 18-jährige Markus S. sollen Brunner im vergangenen Herbst am Münchner S-Bahnhof Solln zu Tode geprügelt haben, als dieser sich schützend vor vier Schüler stellte. Zuvor sollen die Jugendlichen die Schüler bedroht und 15 Euro verlangt haben. Der Prozess ist auf neun Tage angesetzt.

Das Verfahren begann unter großem Medienandrang: Rund 90 Journalisten haben sich für den mit Spannung erwarteten Prozess akkreditiert. Bereits um 7.00 Uhr morgens warteten die ersten Berichterstatter vor der Gerichtsgebäude. Der Vater des 50 Jahre alten Managers, Oskar Brunner, ist Nebenkläger.
Die beiden Angeklagten hatten nach ihrer Festnahme eingeräumt, dass es eine Auseinandersetzung gab - zu der Tat selbst schwiegen sie bisher. Die Staatsanwaltschaft sieht sie in ihrer rund 90-seitigen Anklage aber als Täter. Beide waren bereits vor der Tat bei der Polizei bekannt. Sebastian lebte seit einiger Zeit in einem Haus des Drogenhilfevereins Condrobs, als die Tat geschah.
Der Vorsitzende Richter der Jugendkammer, Reinhold Baier, hat bis zum 29. Juli neun Verhandlungstage angesetzt. 53 Zeugen und vier Sachverständige sind geladen. Sebastian drohen nach Jugendrecht bis zu zehn Jahre Haft, Markus könnte auch nach Erwachsenenrecht verurteilt werden. Dann wäre die Höchststrafe lebenslang.
dpa
Porträtfoto oben (dpa): Oskar Brunner, Vater des ermordetetn Dominik Brunner und Nebenkläger

12.07.2010 | München
53 Zeugen sollen zum Tod Brunners aussagen
Er war ein Alltagsheld und hat seinen Einsatz für andere mit dem Leben bezahlt. Vor zehn Monaten wurde der Manager Dominik Brunner am Münchner S-Bahnhof Solln von Jugendlichen zu Tode geprügelt, nachdem er sich schützend vor ein paar Schüler gestellt hatte.
An diesem Dienstag beginnt vor dem Landgericht München der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter. 53 Zeugen und vier Sachverständige sind geladen.

Der zur Tatzeit 17 Jahre alte Sebastian und der ein Jahr ältere Markus müssen sich wegen Mordes verantworten. Beide haben bisher zu der Tat geschwiegen. Die rund 90-seitige Anklage sieht sie als Täter. Der Vater des getöteten Managers aus Ergoldsbach in Niederbayern nimmt als Nebenkläger an dem Prozess teil. Bisher hat der Vorsitzende Richter der Jugendkammer, Reinhold Baier, neun Verhandlungstage angesetzt. Möglicherweise wird in dem Prozess die Öffentlichkeit gemäß den Bestimmungen des Jugendstrafrechts ausgeschlossen.
Alles fing am Nachmittag des 12. September 2009 an: Sebastian, Markus und ein weiterer 17-Jähriger, alle drei bereits bei der Polizei bekannt, pöbelten am Münchner S-Bahnhof Donnersberger Brücke vier ein paar Jahre jüngere Schüler an und verlangten von diesen 15 Euro. Es kam zu ersten Handgreiflichkeiten. Die 13 bis 15 Jahre alten Schüler sowie Sebastian und Markus stiegen in die S-Bahn nach Solln, der eigentliche Wortführer nahm eine andere Bahn.

In der S-Bahn mischte sich der Manager Dominik Brunner in die Streiterei ein, versuchte zu schlichten und alarmierte per Handy die Polizei. Nach dem Aussteigen eskalierte die Situation blitzschnell. Binnen Minuten sollen die beiden Jugendlichen Brunner zu Tode getreten haben. Als die Polizei eintraf, hatte Brunner bereits zahlreiche schwere Verletzungen erlitten, denen er etwa zwei Stunden später im Krankenhaus erlag.
Der dritte Jugendliche, der als Wortführer gegenüber den Schülern an der Donnersberger Brücke indirekt den Grundstein für die Bluttat gelegt haben soll, wurde bereits wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter räuberischer Erpressung zu 19 Monaten Haft verurteilt. Er musste trotzdem vorerst nicht hinter Gitter. Die Strafe wurde unter der Bedingung zur Bewährung ausgesetzt, dass er seine Drogentherapie weitermacht.




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