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DEUTSCHLAND/WELT

 

15.07.2010 | Bonn/Berlin

ICE-Kühlung stößt bei 32 Grad an ihre Grenzen

 

Die Deutsche Bahn hat mit ihren Klimaanlagen ein generelles Problem. Die Kühlung ist nur bis 32 Grad ausgelegt, wie das Unternehmen gegenüber der Aufsichtsbehörde Eisenbahn-Bundesamt (EBA) einräumte.

 

In einer internen Handlungsanweisung an ihr Zugpersonal schreibt die Bahn zudem: «Aufgrund der momentan sehr hohen Außentemperaturen müssen wir in den kommenden Tagen weiterhin mit Ausfällen von Klimaanlagen rechnen.»

 

EBA-Sprecher Moritz Huckebrink sagte am Donnerstag der dpa in Bonn, die Bahn habe sich «in einer ersten Anhörung» zu dem Technikproblem geäußert und erklärt, dass die Klimaanlagen in Fernzügen «auf bis zu 32 Grad ausgelegt sind». Jetzt müsse das Amt aber erst einmal prüfen, was diese Aussage genau bedeute.

In einem Brief forderte EBA-Präsident Gerald Hörster den Bahnvorstand am Mittwoch auf, seinen Pflichten nachzukommen. «Die Vorfälle geben hinreichenden Anlass zu der Annahme, dass nicht gewährleistet werden konnte, dass die Risiken für die Fahrgäste auf ein verantwortbares und rechtlich zulässiges Maß beschränkt geblieben sind», wird Hörster in der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» zitiert.

 

Der Behördenchef habe in dem Brief Auskünfte des Bahnvorstands zusammengefasst, die er auf eine Anfrage vom 12. Juli bekommen habe. Ein Abkühlen bei höheren Temperaturen als 32 Grad sei demnach nicht gewährleistet, und «durch unglückliche Umstände» habe überdies «die Luftzufuhr versagt», zitiert die Zeitung aus dem Schreiben. Die Bahn selbst nahm zu dem Sachverhalt am Donnerstag zunächst keine Stellung.

 

Seit vergangenem Samstag war in rund 40 ICE und IC die Kühlung ausgefallen. An diesem Tag waren in einem überhitzten ICE mehrere Schüler kollabiert, neun von ihnen wurden in Bielefeld ins Krankenhaus gebracht.

Einen neuen Vorfall gab es am Donnerstag: Nach einem Schaden an der Oberleitung blieb ein ICE auf der Bahnstrecke nördlich von Bamberg liegen. Dadurch fiel auch die Klimaanlage im Zug bei rund 35 Grad Außentemperaturen aus. Nach Angaben der Bahn mussten die rund 200 Fahrgäste knapp 90 Minuten im Zug warten, bis Ersatzbusse für die Weiterfahrt nach Bamberg zur Verfügung standen. Etwa ein Drittel der Reisenden musste wieder in den Zug einsteigen und eine weitere Stunde ausharren, bis der liegengebliebene ICE mit Hilfe von Dieselloks nach Bamberg geschleppt werden konnte.

 

Die «Bild»-Zeitung (Donnerstag) veröffentlichte die Klimaanlagen-Dienstanweisung an die Zugbegleiter aller ICE-Baureihen. Darin wird das Personal unter anderem gebeten, «bei zu erwartenden Außentemperaturen von mehr als 32 Grad bereits vorausschauend» so einzustellen, dass die Klimaanlage die Fahrgasträume um mindestens fünf Grad herunterkühlt». So werde «die Gefahr der Überlastung der Kälteanlage stark reduziert».

 

SPD-Fraktionsvize Florian Pronold forderte eine «vollständige Aufklärung der Hitzepannen bei der Bahn». «Neben den Ermittlungen von Polizei und Staatsanwalt muss es eine umfassende parlamentarische Untersuchung geben», sagte er laut Mitteilung am Donnerstag. Es sei «Aufgabe des Bundestages zu klären, welche Verantwortung der Deutschen Bahn und der Bundesregierung als ihr Eigentümer zukommt».

 

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Winfried Hermann (Grüne) forderte im ZDF, bei der anstehenden Generalüberholung der ICE-2-Züge auch die Klimaanlagen zu modernisieren.

Quelle: dpa

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