DEUTSCHLAND/WELT

15.08.2010 | Moskau
Moskau versinkt wieder in giftigem Smog
Die russische Millionenmetropole Moskau ist am Sonntag wieder in einer giftigen Smog-Wolke wegen der Torfbrände im Umland versunken. Der gesundheitsschädliche Rauch mit dem schweren Brandgeruch zog bis in die Innenstadt.
Behörden riefen die Moskauer auf, wieder Masken zu tragen und die Fenster zu schließen. Die Lage hatte sich in den vergangenen Tagen zunächst etwas entspannt. Allerdings hatte der Wetterdienst gewarnt, dass der Wind wieder drehen und die Stadt mit Qualm überziehen würde.
Wegen der seit mehr als zwei Monaten andauernden Gluthitze und schweren Dürre stoppte Russland am Sonntag wie angekündigt seine Getreideexporte. Große Teile der Ernte waren durch die Feuer vernichtet worden. Wegen der Einbußen gilt das Exportverbot für Getreide bis Ende Dezember. Russland gehörte zuletzt zu den größten Exporteuren von Weizen auf dem Weltmarkt.
In Russland wüten weiter Hunderte Feuer bei den schwersten Waldbränden der Geschichte des Landes. Ein Ende der nationalen Katastrophe, wie Kremlchef Dmitri Medwedew formuliert hatte, ist nicht in Sicht. Wegen des Smogs und der Hitze hatte sich allein in Moskau die Sterberate auf täglich 700 Menschen verdoppelt. Viele Menschen klagen über schwere Kopfschmerzen und Übelkeit. Zehntausende haben die Stadt verlassen.
dpa

14.08.2010 | Moskau
US-Hilfe gegen Waldbrände in Russland eingetroffen
Zur Bekämpfung der Waldbrände in Russland sind am heute in Moskau zwei schwere Frachtmaschinen aus den USA mit Feuerlöschausrüstung eingetroffen.
Darunter seien auch Pumpen und Brandschutzkleidung für die Einsatzkräfte, wie der Fernsehsender NTW in Moskau berichtete. US-Präsident Barack Obama habe Kremlchef Dmitri Medwedew die technische Hilfe am Donnerstag telefonisch zugesichert, sagte der Vize-Chef der amerikanischen Botschaft in Moskau, Eric Rubin. In Russland wüten weiter Hunderte von Bränden.
Die Atomanlagen des Landes waren nach Angaben von Zivilschutzminister Sergej Schoigu nicht mehr durch die Feuersbrunst bedroht. Wie seine Behörde mitteilte, verringerte sich die Zahl der Brände zum zweiten Mal innerhalb dieser Woche. Demnach brannten noch etwa 500 Feuer in Russland - auf insgesamt weniger Fläche.

Bereits am Donnerstag hatten die Einsatzkräfte von einer leichten Entspannung gesprochen. Allerdings stellte sich die Lage dann am Freitag wieder schlimmer dar. Experten werfen den Behörden vor, die Katastrophe weiter nicht in den Griff zu bekommen. Kommentatoren sehen zudem eine Tendenz in den Staatsmedien, gezielt positive Nachrichten zu streuen. Die Behörden hatten erst auf Druck der Umweltorganisation Greenpeace zugegeben, dass es auch in den von der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 verstrahlten Waldgebieten gebrannt hatte.
Am Freitag hatte der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger bekanntgegeben, dass feuersichere Kleidung nach Russland unterwegs sei. «Unser Zubehör wird die russischen Brandbekämpfer schützen, während sie sich weiterhin großen Gefahren aussetzen», sagte er. Deutschland hatte Atemschutzmasken und Feuerlöschpumpen geschickt.
dpa

12.08.2010 | Moskau
Strahlenwerte in Russland bislang normal
Nach den Waldbränden in radioaktiv verseuchten Gegenden Russlands sind die Strahlenwerte nach Angaben Moskauer Behörden dort bislang im normalen Bereich. Es gebe etwa in dem stark kontaminierten Gebiet Brjansk keinerlei Veränderung im Vergleich zu den Messungen des Vorjahres, hieß es.
Der staatliche Wetterdienst gab auch für andere Regionen des Landes, die von Atomunglücken verstrahlt sind, Entwarnung. Nirgends sei eine Erhöhung Radioaktivität gemessen worden. Unabhängige Angaben für die betroffenen Gebiete gab es aber nicht. In Moskau stellten Nichtregierungsorganisationen, die regelmäßig die Strahlung messen, keine erhöhten Werte fest.

Experten hatten davor gewarnt, dass durch die Feuer, den Wind und die Löscharbeiten kontaminierte Böden aufgewirbelt und radioaktive Partikel in die Luft und so in andere Gebiete gelangen könnten. Der Wetterdienst veröffentlichte erstmals Messwerte für die Gebiete um die Atomanlagen von Sarow in der Region Nischni Nowgorod und Sneschink in der Nähe von Tscheljabinsk am Ural. Dort sei jeweils im Umkreis von 100 Kilometern die Strahlung gemessen worden. Alles sei normal, hieß es.
Die Behörden hatten erst auf Druck der Umweltschutzorganisation Greenpeace überhaupt zugegeben, dass es in den kontaminierten Gebieten viele Brände gegeben habe. Dabei handelte es sich vor allem auch um die von den Atomkatastrophen 1957 in Majak und 1986 im ukrainischen Tschernobyl verstrahlte Flächen. Experten gehen davon aus, dass bei starkem Wind hoch in der Luft schwebende radioaktive Substanzen Hunderte von Kilometern weit transportiert werden können.

Die nationale Waldschutzbehörde warnte davor, in Panik auszubrechen. «Aus unserer Sicht ist die Gefahr nicht allzu groß», sagte der stellvertretende Behördenchef Wassili Tusow. Die Strahlenwerte würden ständig überwacht. Insgesamt seien Brände auf etwa 0,3 Prozent der kontaminierten Fläche Russlands registriert worden. 90 Prozent davon seien innerhalb von ein, zwei Tagen gelöscht worden.
In der Bevölkerung der betroffenen Regionen halten sich allerdings Zweifel darüber, ob die Behörden die volle Wahrheit sagen. Wegen einer seit Wochen andauernden Gluthitze und extremen Trockenheit lodern in Russland noch immer Hunderte Feuer. Am Mittwochabend wurde im Gebiet Swerdlowsk am Ural erneut ein ganzes Dorf von den Flammen verschlungen. Menschen starben nicht.
Die Einsatzkräfte bekommen die Lage seit Wochen nicht in den Griff. Die Leiter der Kernforschungsanlage in Sarow, Walentin Kostjukow, warnte nach ersten Löscherfolgen davor, die Einheiten und Technik des Zivilschutzministeriums abzuziehen. In den Wäldern um die Stadt brenne es weiter lichterloh, sagte er. Die Feuerwalze drohe jeden Moment, wieder auf die Gelände der Anlage überzugreifen.
Quelle: dpa




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