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DEUTSCHLAND/WELT

 

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15.10.2010 | Copiapó

Erste Bergleute in Chile verlassen Krankenhaus

 

Die ersten drei aus der San-José-Mine geretteten Bergleute haben das Krankenhaus schon wieder verlassen. Nach chilenischen Medienangaben handelte es sich um Edison Peña, Juan Illanes und den Bolivianer Carlos Mamani.

Sie seien aus dem Hospital in Copiapó am späten Donnerstagabend (Ortszeit) in einem Auto weggefahren worden, berichtete die chilenische Zeitung «La Tercera» im Internet. Die Ärzte gehen davon aus, das am Freitag weitere Kumpel zu ihren Familien zurückkehren können.

Die 33 Männer hatten das Martyrium unter Tage körperlich fast unversehrt überstanden. Nach ersten Untersuchungen sind sie überraschend fit. Nur einer hat nach Angaben der Ärzte eine Lungenentzündung. Der letzte der Bergarbeiter war am Mittwochabend aus dem Stollen befreit worden. Chiles Präsident Sebastián Piñera kündigte als Konsequenz aus dem Minenunfall bessere Arbeitsschutzgesetze an.

Die Arbeiter waren 69 Tage lang in mehr als 600 Meter Tiefe gefangen. Noch nie hatten Bergleute so lange unter Tage ausharren müssen. Die perfekt organisierte Rettungsaktion dauert nur 22 Stunden und 39 Minuten. Die Bergung ging damit viel schneller als erwartet - ursprünglich hatten die Einsatzkräfte mit bis zu zwei Tagen gerechnet. Die Rettung koste zwischen 10 und 20 Millionen US-Dollar (14,5 Millionen Euro), sagte Piñera. An der Mine solle auch eine Gedenkstätte entstehen. Das Bergwerk soll, solange es nicht gesichert ist, nicht in Betrieb gehen.

Die chilenischen Mediziner sagten, alle Bergleute seien «einem sehr hohen Stress-Level» ausgesetzt gewesen. Aber offensichtlich hätten sie die Belastungen gut weggesteckt. «Niemand hat einen Schock», sagte ein Arzt im Krankenhaus in Copiapó. Dorthin waren die Kumpel gebracht worden. «Die gute gesundheitliche Verfassung, in der sie sich befinden, ist eine Überraschung für das Ärzteteam.» Einer der Männer habe «mittlere Probleme» mit den Augen. Mario Gómez - nach Medienangaben der älteste von ihnen - werde mit Antibiotika wegen einer «Lungen-Komplikation» behandelt. Er soll angeblich auch eine Staublunge haben, genauso wie Mario Sepúlveda, der gerühmte «Sprecher» der Gruppe.

Psychisch gibt es viel aufzuarbeiten für die Männer: Nach Einschätzung des Marburger Psychosomatikers Wolfram Schüffel werden Spätfolgen meist unterschätzt. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sagte er, dass sich nach einer derart traumatisierten Erfahrung Krankheiten wie Hochdruck, Infarkte und Infektionen entwickeln könnten.

Als letzter Kumpel war der Schichtführer und «Boss» genannte Bergarbeiter Luis Urzúa Iribarren der «Phönix»-Rettungskapsel entstiegen. Er hatte in der Tiefe entscheidend zum Zusammenhalt der Gruppe beigetragen. Er wurde mit frenetischem Jubel empfangen und vom ergriffenen Präsidenten Piñera umarmt. «Sie haben Ihre Aufgabe erfüllt»«, sagte der Staatschef. Piñera harrte am Ausgang des Rettungsschachtes aus und begrüßte die Kumpel mit den Worten: «Willkommen zurück im Leben.»

Der Präsident kündigte Konsequenzen an - so soll der Arbeitsschutz für den Bergbau und andere Branchen verschärft werden. Wie genau, war aber unklar. Die Regierung war in die Kritik geraten, weil die Arbeitsbedingungen im Bergbau dürftig seien. Angehörige der Kumpel hatten bereits vor Wochen angekündigt, Schadenersatz in Millionenhöhe einzuklagen.

Quelle: dpa
Rettung der Kumpel in Chile
Fotos
14.10.2010 | Bergwerk San José

Die Welt jubelt mit Chile: Alle Kumpel gerettet


Mission erfüllt: Die historische Rettungsaktion in Chiles San-José-Bergwerk hat ein Happy-End. Am späten Mittwochabend (Ortszeit) fuhr der letzte der 33 verschütteten Kumpel aus dem Stollen auf, in dem die Minenarbeiter 69 Tage lang in mehr als 600 Metern Tiefe gefangen waren.

 

Die perfekt organisierte Rettungsaktion dauert 22 Stunden und 39 Minuten. Zweieinhalb Stunden danach kam auch der letzte von sechs Erstrettern wieder nach oben.

 

Als letzter Kumpel entstieg der Schichtführer und «Boss» genannte Bergarbeiter Luis Urzúa Iribarren der Phönix-Rettungskapsel. Er hatte in der Tiefe entscheidend zum Zusammenhalt der Gruppe beigetragen. Urzúa wollte erst alle Männer gerettet wissen, bevor er sich selbst auf den Weg nach oben machte. Er wurde mit frenetischem Jubel empfangen und vom sichtlich ergriffenen Präsidenten Sebastián Piñera umarmt. «Sie haben Ihre Aufgabe erfüllt»«, sagte Piñera. Der Staatschef harrte die ganze Zeit am Ausgang des Rettungsschachtes aus und begrüßte die Kumpel mit den Worten: «Willkommen zurück im Leben.»

Die im Schacht verbliebenen Retter hielten Minuten nach der Bergung des letzten Kumpels ein Schild in die unterirdisch installierten Kameras. Darauf stand: «Mision cumplida. Chile» (Mission erfüllt. Chile). Auf der Oberfläche knallten derweil die Sektkorken und die Menschen sangen die Nationalhymne. Als letzter Retter kam Manuel Gonzalez am Donnerstag um 00.32 Uhr Ortszeit (05.32 Uhr MESZ) glücklich aus dem Schacht.

 

Piñera dankte den Kumpel für ihre Ausdauer und den Rettern für deren unermüdlichen Einsatz. «Chile ist heute nicht mehr das gleiche Land wie vor 69 Tagen», sagte er. Das Land sei heute geeinter und stärker und werde in Welt mehr respektiert und geschätzt. Die Bergleute hätten ein leuchtendes Beispiel von Mut, Loyalität und Kameradschaft gezeigt. Piñera fügte aus ganzem Herzen hinzu: «Viva Chile!» («Es lebe Chile»).

Der als 27. Bergmann befreite Franklin Lobos Ramírez war in sichtlich guter Verfassung, als er oben ankam. Chiles Ex-Fußballstar wurde nach der Ankunft von seiner Tochter bestürmt und umarmt. Sie hatte ihm einen Ball mitgebracht, den Lobos auch sofort mit dem Fuß empor kickte. «Er hat das wichtigste Match seines Lebens gewonnen», kommentierte das chilenische Fernsehen.

 

Jede Ankunft wurde von den Familien gefeiert. Dabei spielten sich bewegende Szenen ab. Viele Kumpel dankten Gott für ihre Rettung und trugen T-Shirts mit der Worten «Gracias Senor, thank you Lord» (Danke Herr). Dann folgte ein Auszug aus Psalm 95 der Bibel: «In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, sein sind die Gipfel der Berge» und zum Schluss: «Ihm gehören Ehre und Ruhm.»

Für die Bergleute ging am Mittwoch ein langes Leiden zu Ende. 69 Tage schwankten sie und ihre Familien zwischen Angst und Hoffnung. Nie zuvor mussten Bergleute so lange unter Tage ausharren. Die Kumpel wurden nach ihrer Auffahrt in einem Feldlazarett kurz medizinisch untersucht und dann per Hubschrauber ins Krankenhaus der Stadt Copiapó geflogen. Dort wurden die Untersuchungen fortgesetzt.

 

Der chilenische Schriftsteller Antonio Skármeta rief dazu auf, nach der glücklichen Rettung der Bergleute mit der gleichen großen Anteilnahme auch anderen Notleidenden auf der Welt zu helfen. «Bildlich gesprochen möchte ich sagen, dass es noch viele Menschen in vielen Teilen der Welt gibt, die verschüttet sind, und die wir nicht sehen», sagte Skármeta der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. «Wir könnten ihnen helfen, wenn wir eine Ethik hätten, wie sie die Welt gegenüber den paar chilenischen Bergleuten entfaltet hat.»

Weltweit verfolgte die Öffentlichkeit mit Spannung das Schicksal der Verschütteten. Nach Schätzungen des Internationalen Verbands der Bergbaugewerkschaften kommen jedes Jahr mindestens 12 000 Kumpel weltweit bei ihrer Arbeit ums Leben. Die 33 Chilenen hatten seit dem 5. August in der Kupfer- und Goldmine in der Atacama-Wüste rund 800 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago festgesessen.

 

Um mit den knappen Ressourcen auszukommen, aßen die Kumpel in den ersten Tagen lediglich alle zwei Tage zwei Löffel Thunfisch. Erst nach 17 Tagen konnte die Gruppe ein Lebenszeichen absetzen und wurde danach durch enge Röhren mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Kleidung, elektronischen Geräten, Klappbetten versorgt. Nach der rettenden Auffahrt beginnt für die Kumpel und deren Familien nun der schwierige Weg zurück in ein normales Leben.

Quelle: dpa

FOTOS: Die chilenische Regierung veröffentlicht Dutzende Bilder der Rettung auf der Foto-Plattform flickr: http://www.flickr.com/photos/rescatemineros/

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