DEUTSCHLAND/WELT

01.09.2010 | Brüssel / Berlin
Für Klima und Geldbeutel: EU nimmt weitere stromfressende Glühbirnen vom Markt
Nach der 100-Watt-Glühbirne steht jetzt auch die herkömmliche 75-Watt-Lampe vor dem Aus. Am Mittwoch (1. September) tritt in der EU die zweite Stufe des Verbots Energie verschwendender Glühlampen in Kraft. Ab diesem Stichtag dürfen nur noch Restbestände der konventionellen 75-Watt-Birne verkauft, aber keine neuen Birnen mehr hergestellt werden. Kunden können danach zwischen verschiedenen energiesparenden Modellen wählen: verbesserte Glühbirnen mit Halogen-Technologie, Kompakt-Leuchtstofflampen und Lampen mit Leuchtdioden (LED).
Der Umstieg auf die Energiesparlampe dient dem Klimaschutz und senkt die Stromkosten. "Insgesamt sparen wir jährlich 40 Milliarden Kilowattstunden bis 2020. Das entspricht dem Energieverbrauch von 11 Millionen europäischen Haushalten", sagt EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Die CO2-Emissionen werden um bis zu 15 Millionen Tonnen jährlich sinken.

Der Umstieg auf die Energiesparlampe soll bis 2012 abgeschlossen sein. Konventionelle Birnen in der Stärke 60 Watt werden ab September 2011 vom Markt verschwinden, alle übrigen herkömmlichen Birnen ab September 2012. Birnen mit 100 Watt oder mehr waren bereits im September 2009 verboten worden. Auch ineffiziente Lampen mit mattiertem Glas waren vor einem Jahr aus dem Handel genommen worden; es gibt Mattglas-Birnen heute als Kompaktleuchtstoff- oder LED-Modelle.
Private Haushalte zahlen - je nach ihrer Größe und nach Art der verwendeten Birnen - jedes Jahr jeweils 25 bis 50 Euro weniger für Strom. Insgesamt werden wohl etwa fünf Milliarden Euro jährlich gespart. Und auch die Auswahl von Farbtemperaturen ist größer: Der Verbraucher kann zwischen warmen und kühlen Lichttönen wählen, während herkömmliche Lampen nur warmes Licht verbreiten. Gleichzeitig können neuartige Birnen mit Halogen-Technologie den konventionellen Birnen zum Verwechseln ähnlich sehen.

Energiekommissar Oettinger sieht in der neuen Kennzeichnung klare Vorteile: "Von nun an müssen die Hersteller auf der Verpackung von Lampen auch konkrete Verbraucherinformationen anbringen, etwa über die Helligkeit, Farbe und Aufwärmzeit. Das wird Verbrauchern ihre Kaufentscheidung erleichtern. Zudem weist ein Logo auf die besonderen Entsorgungsauflagen hin, die von den Mitgliedstaaten einzuhalten sind."
Denn die Kunden sollten unbedingt beachten, dass Energiesparlampen nicht in den Hausmüll gehören, sondern als Sondermüll in Geschäften, Sammelstellen oder Wertstoffhöfen abgegeben werden müssen - ähnlich wie bereits jetzt alte Batterien. Die EU-Länder sind für die umweltgerechte Entsorgung und eine entsprechende Information der Bürger zuständig.
Einige Energiesparlampen enthalten kleine Mengen an giftigem Quecksilber. Der Umstieg führt aber insgesamt dazu, dass die Quecksilberbelastung für Mensch und Umwelt sinkt. Denn herkömmliche Lampen verbrauchen bis zu fünfmal mehr Strom als Energiesparlampen. Der Strom kommt häufig aus Kohlekraftwerken - die während des Verbrennungsprozesses ebenfalls Quecksilber freisetzen.
01.09.2010 | Düsseldorf
Verbraucherschützer: Unwissen bei Entsorgung von Energiesparlampen
Auch ein Jahr nach Beginn des Abschieds von Glühbirnen hapert es Verbraucherschützern zufolge bei der korrekten Entsorgung defekter Energiesparlampen. Weil sie geringe Mengen Quecksilber enthalten, gehören sie nicht in den Hausmüll. Aber Geschäfte nehmen defekte Energiesparlampen oft nicht zurück, wie eine Stichprobe der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in 200 Läden zeigte.

Nachdem das Glühbirnenverbot bereits für Lampen ab 100 Watt gilt, kommt an diesem Mittwoch auch das Aus für die 75-Watt-Birne. Diese dürfen dann nicht mehr in den Handel gebracht werden. Bis Ende 2012 sollen Glühbirnen komplett aus dem Handel verschwinden.
Bei dem Test fanden sich nur in jedem zehnten Geschäft Rückgabeboxen für defekte Energiesparlampen - und wenn, dann fast nur in Baumärkten. In Drogerien, Supermärkten oder bei Discountern mussten die Tester nachfragen. Die Antworten zeugten von Unwissen - sie reichten von «Keine Ahnung» über «Bitte in die Batteriebox» bis hin zu «Wir nehmen Energiesparlampen zurück, werfen sie aber in den Restmüll.»
Etwa die Hälfte der Läden verweigerte die Rücknahme, wie die Verbraucherzentrale am Montag mitteilte. Sie fordert die Händler auf, Kunden besser zu informieren und freiwillig spezielle Sammelboxen gut sichtbar im Laden aufzustellen. Die Kosten trügen die
Lampenhersteller.
Quelle: dpa
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