DEUTSCHLAND/WELT


30.11.2010 | Karlsruhe
Kachelmann wechselt Verteidiger aus
Wie geht es im Kachelmann-Prozess weiter? Zwei von Kachelmanns Verteidigern sind in dem Vergewaltigungsprozess nicht mehr dabei. Wie es zu der überraschenden Wende kam, ist noch unklar.
Rätselraten um den Fortgang des Kachelmann-Prozesses: Vor der entscheidenden Phase in seinem Vergewaltigungsprozess hat Jörg Kachelmann sein Verteidigerteam umgebaut. Nach der Trennung von Hauptanwalt Reinhard Birkenstock bestätigte auch der zweite Wahlverteidiger des Moderators am Dienstag sein Ausscheiden. Kachelmann habe ihn am Montag per E-Mail informiert, sagte der Karlsruher Strafverteidiger Klaus Schroth.

Neuer Wahlverteidiger des Wettermoderators soll der Hamburger Staranwalt Johann Schwenn werden, der bereits zahlreiche Prominente vertreten hat - unter anderem den ehemaligen RAF-Terroristen Peter-Jürgen Boock und das VW- Vorstandsmitglied Klaus Volkert. Die Gründen des Verteidigerwechsels waren am Dienstag immer noch unklar.
Weiterhin bleibt Kachelmanns Pflichtverteidigerin Andrea Combé am Verfahren beteiligt.
«Er hat mir gedankt für meine Arbeit und hat gesagt, dass er einen neuen Verteidiger hat», sagte Schroth. Kachelmann habe die Entscheidung nicht weiter begründet. «Natürlich war das überraschend.» Kachelmann habe angekündigt, dass er sich mit ihm noch in Verbindung setzen werde. «Ich habe keinen Grund, Herrn Kachelmann böse zu sein.»
Schroth war von Birkenstock zunächst bei der Einlegung der Haftbeschwerde hinzugezogen worden; vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe hatten sie im Juli die Freilassung Kachelmanns nach mehr als 130 Tagen Untersuchungshaft erreicht.

Kachelmann steht in Mannheim vor Gericht, weil er beschuldigt wird, seine Ex-Freundin vergewaltigt zu haben. Der Moderator weist diesen Vorwurf jedoch zurück. An diesem Mittwoch soll der Prozess nach einer zweiwöchigen Unterbrechung fortgesetzt werden.
«Es ist der merkwürdigste Prozess, den ich je gehabt habe», sagte Schroth. Er kritisierte, dass manche Zeugen schon vor ihrer Aussage Exklusivverträge mit Medien geschlossen haben. «Da drohen amerikanische Verhältnisse. Das ist nicht mehr der Strafprozess, den ich richtig finde.»
Der Prozess gegen den Schweizer Kachelmann hatte vor rund drei Monaten begonnen und soll sich bis ins kommende Jahr hinziehen.
Quelle: dpa

10.11.2010 | Mannheim
Weitere Zeugenvernehmungen im Kachelmann-Prozess
Mit der Befragung weiterer Zeugen soll heute der Prozess gegen Jörg Kachelmann fortgesetzt werden, bevor bis Anfang Dezember eine Verhandlungspause ansteht. Geplant sind die Vernehmung einer Freundin jener Ex-Geliebten, die am Montag ausgesagt hatte.
Die 29 Jahre alte Försterin soll am Tag nach der mutmaßlichen Tat mit Kachelmann telefoniert haben. Die nun geladene Freundin der Försterin soll Erkenntnisse über die Glaubwürdigkeit der Aussage bringen. Außerdem sollen Fernsehkollegen Kachelmanns vernommen werden. Kachelmann ist angeklagt, eine ehemalige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe.
08.11.2010 | Mannheim
Kachelmann-Prozess geht vermutlich ins nächste Jahr
Der Prozess gegen Jörg Kachelmann wird vermutlich noch bis kommendes Jahr dauern. Dies sagte einer der Verteidiger im Mannheimer Landgericht. Am Montag wurde nach anderthalb Wochen Prozesspause eine weitere Ex-Geliebte des Fernsehmoderators vernommen.
Kachelmann soll eine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben. Er bestreitet das. Nachdem zuletzt das mutmaßliche Opfer mehr als 20 Stunden lang vernommen wurde, setzte das Gericht nun die Anhörung ehemaliger Freundinnen Kachelmanns fort. Am Montag wurde eine 29-Jährige Försterin vernommen. Eine auffällige, hübsche Frau, die selbstbewusst vor Gericht auftritt - mit ihrem Anwalt kommt sie in den Gerichtssaal, wirft ein nicht unsympathisches, leicht spöttisches Lächeln in die Runde, setzt sich auf den Zeugenstuhl.

Eine Frau, die den Auftritt nicht scheut - die sich in öffentlichen Aktionen für Umweltprojekte einsetzt, sich schon als Schauspielerin versucht hat und es mit einem etwas skurrilen Hobby zu ein paar Fernseh- und Bühnenauftritten gebracht hat. Sie soll über ihre Beziehung zu Kachelmann aussagen; wie bei der Vernehmung der anderen Ex-Freundinnen soll das dem Gericht dabei helfen, sich ein Bild von der Persönlichkeit des Angeklagten zu machen. Außerdem soll sie am Tag nach der mutmaßlichen Tat mit Kachelmann telefoniert haben - möglicherweise war sie die letzte, die vor seinem Abflug nach Kanada mit ihm sprach.
Zur eigentlichen Vernehmung der Frau wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen, da es auch um sexuelle Vorlieben gehen sollte. Über das, was im Saal vor sich ging, lässt sich allenfalls spekulieren - die Vernehmung dauerte jedenfalls deutlich länger als ursprünglich geplant und musste auch am Nachmittag fortgesetzt werden.
Unterdessen zeichnet sich ab, dass auch das mutmaßliche Opfer nochmals in den Zeugenstand muss. Grund sind die umfangreichen Chat-Protokolle, die dem Gericht vorliegen. Hierzu soll die Radiomoderatorin nochmals befragt werden. Bei alledem ist es nach Aussagen von Beteiligten zunehmend unwahrscheinlich, dass der Prozess noch in diesem Jahr abgeschlossen werden kann. Bislang war der letzte Verhandlungstag für den 21. Dezember geplant.
Quelle: dpa

03.11.2010 | Berlin
Kachelmann: Fernsehkarriere ist beendet
Jörg Kachelmann sieht sich gezwungen, seine Karriere als Wetter-Moderator zu beenden. Staatsanwaltschaft und Medien hätten sein angebliches Privatleben in die Öffentlichkeit gezerrt und ihm eine weitere TV-Fernsehlaufbahn damit kaputt gemacht, wie er der «Bild»-Zeitung (Mittwoch) sagte. Kachelmann: «Das Kapitel Fernsehen ist dadurch für mich beendet worden.»
Der Wetter-Experte, der vor Gericht bestreitet, seine Ex-Geliebte vergewaltigt zu haben, wolle in Zukunft hinter die Kamera wechseln und nur noch als Redakteur bei seiner Firma Meteomedia AG arbeiten. Das Unternehmen, das unter anderem für TV-Sender Vorhersagen macht, hatte er 1990 gegründet.
Auch für sein künftiges Privatleben hat sich Kachelmann einiges vorgenommen: «Ich war nicht immer treu, offen und ehrlich mit meinen Partnerinnen... Wenn ich in Zukunft eine Beziehung führe, werde ich monogam leben.» Wo er später wohnen werde, wisse er noch nicht. «Vielleicht werde ich erst mal mit meiner Mutter zusammenwohnen», sagte er der Zeitung. Am 21. Dezember soll im Kachelmann-Prozess das Urteil gesprochen werden.
dpa

25.10.2010 | Mannheim
Kachelmanns Ex-Geliebte hält an Vorwürfen fest
Die ehemalige Geliebte von Jörg Kachelmann hält vor Gericht an ihren Beschuldigungen fest. «Die Grundtendenz steht», sagte Kachelmanns Verteidigerin Andrea Combé in einer Sitzungspause, «sie hält an ihren Aussagen fest».
Die 37-Jährige beschuldigt den Fernsehmoderator, er habe sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt. Sie wird bereits den dritten Verhandlungstag in Folge unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor dem Landgericht Mannheim vernommen. Der Prozess geht am Mittwoch weiter.
Bei ihrer Ankunft am Landgericht erregte die Frau Aufsehen: Um sich vor den Fotografen zu schützen, hielt sie sich ein Buch vor den Kopf. Titel: «Der Soziopath von nebenan». Untertitel: «Die Skrupellosen: ihre Lügen, Taktiken und Tricks.»
«Natürlich sieht sie sehr angespannt aus», sagte Combé über das mutmaßliche Opfer. «Sie weiß aber, dass sie da durch muss.» Bis zum Nachmittag befragten die drei Richter der Strafkammer die Frau weiterhin. Erst anschließend sollten Staatsanwaltschaft, Gutachter und Verteidigung die Gelegenheit bekommen, Fragen zu stellen.

«Das Gericht versucht, die Wahrheit zu erforschen, und fragt deshalb sehr gründlich», sagte Verteidiger Klaus Schroth. Seine Kollegin Combé sagte, sie sei «sehr begeistert» von der Gewissenhaftigkeit des Gerichts. «Das habe ich in der Intensität in 28 Jahren noch nicht erlebt.» Die Zufriedenheit von Kachelmanns Verteidigung fällt besonders auf, da sie zuvor schon zweimal versucht hatte, Richter wegen der Besorgnis der Befangenheit ausschließen zu lassen.
Inzwischen liegen weitere Untersuchungsergebnisse zu digitalen Fotos vor, die auf dem Computer der Nebenklägerin gefunden wurden. Sie hatte fast ein Jahr vor der von ihr angegebenen Tat Fotos von blauen Flecken auf ihren Oberschenkeln gemacht. Der von der Verteidigung beauftragte Gutachter Bernd Brinkmann - den das Gericht wegen der Besorgnis der Befangenheit ablehnte - hatte die Bilder als Dokumente einer «Selbststudie» gedeutet. Die Frau habe den «zeitlichen Verlauf» eines Hämatoms untersuchen wollen.
Dabei war Brinkmann jedoch davon ausgegangen, dass die Frau die Fotos im Abstand von einer halben Stunde gefertigt habe. Diese Annahme war nach den neuen Untersuchungsergebnissen wohl falsch: Wie der Vorsitzende Richter am Montag zu Beginn der Verhandlung mitteilte, liegen zwischen den Aufnahmen nur 33 Sekunden. Der Zweck der Aufnahmen bleibt jedoch weiter unklar. Nach Angaben von Prozessbeteiligten sollten die Fotos möglicherweise als eine Art «erotisches Souvenir» dienen.
Quelle: dpa

20.10.2010 | Mannheim
Kachelmann-Prozess: Befangenheitsanträge gescheitert
Der Prozess gegen Jörg Kachelmann kann fortgesetzt werden. Das Landgericht Mannheim hat am Mittwoch Befangenheitsanträge der Verteidigung gegen die drei Richter abgelehnt.
Es bestehe «keine hinreichende Veranlassung, die Unparteilichkeit und Unvoreingenommenheit» zu bezweifeln. Der Antrag sei deshalb unbegründet.
Anschließend wurde die Vernehmung des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers fortgesetzt. Die Öffentlichkeit ist hierbei ausgeschlossen. Die Aussage der früheren Geliebten des Wetter- Moderators dürfte für den Prozess von entscheidender Bedeutung sein.

Anlass des Befangenheitsantrags war eine Entscheidung des Gerichts, das mutmaßliche Opfer nicht vor Beginn der Aussage über ein Aussageverweigerungsrecht zu belehren. Demnach muss ein Zeuge nicht auf eine Frage antworten, wenn er sich dadurch selbst belasten würde.
Da nach Auffassung der Verteidigung die Ex-Geliebte den Moderator zu Unrecht der Vergewaltigung beschuldigt, könnte sie sich wegen einer falschen Verdächtigung strafbar gemacht haben. Vergangenen Mittwoch lehnte das Gericht eine Belehrung zunächst ab. Am Montag korrigierte sich das Gericht und belehrte die Frau doch noch. Verteidiger Birkenstock interpretierte das so: Die Richter hätten sich entschieden, der Frau zu glauben. Deshalb seien sie befangen.
Das Gericht wies diese Argumentation zurück: Es sei «die Freiheit des Vorsitzenden, den Zeitpunkt einer Belehrung zu bestimmen». Dies sei erst dann erforderlich, wenn ein Zeuge beginnt, konkret über Dinge auszusagen, die ihn in die Gefahr der Strafverfolgung bringen. Die Entscheidung, mit der Belehrung zu warten, «stellt keinen Ermessensmissbrauch dar». Eine Be

Überdies diene das Aussageverweigerungsrecht dem Schutz des Zeugen. Der Angeklagte könne eine Belehrung deshalb nur anregen, habe aber keinen Anspruch darauf. Über den Antrag entschieden zwei Richter aus anderen Kammern des Landgerichts sowie ein Ergänzungsrichter, gegen den kein Befangenheitsantrag gestellt wurde.
Kachelmanns Verteidiger Reinhard Birkenstock zeigte sich von der Entscheidung nicht überrascht. «Ich weiß aus langer Erfahrung, dass Richter ungern ihre Kollegen wegen Besorgnis der Befangenheit aus einem Verfahren entfernen», sagte Birkenstock. «Beim Revisionsgericht wird das oft kritischer und anders gesehen.»
Es wird damit gerechnet, dass die Vernehmung der ehemaligen Geliebten noch den gesamten Verhandlungstag in Anspruch nehmen wird. Die 37-Jährige beschuldigt Kachelmann, er habe sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt. Für den Ausgang des Prozesses ist es entscheidend, ob das Gericht ihrer Aussage glaubt. Insgesamt neun Gutachter beobachten die Frau bei der Aussage.
Quelle: dpa

13.10.2010 | Mannheim
Kachelmanns Anwälte wollen Prozess kippen
Die Anwälte von Fernsehmoderator Jörg Kachelmann wollen den Vergewaltigungsprozess kippen. Mit einem neuen Befangenheitsantrag gegen drei Berufsrichter verzögerten sie am Mittwoch die Aussage des mutmaßlichen Opfers vor dem Mannheimer Landgericht.
Kachelmann habe die Besorgnis, dass die Richter der Aussage der Nebenklägerin «nicht mit der gebotenen Distanz und Unparteilichkeit» gegenüberträten, hieß es in dem Antrag. Hätte er Erfolg, würde der Prozess platzen, denn die Kammer hat nur einen Ergänzungsrichter.
Die Nebenklägerin - Kachelmanns langjährige Geliebte - beschuldigt den Wettermoderator, sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Kachelmann bestreitet das. Ihre mit Spannung erwartete Aussage zur Sache machte die Frau am Mittwoch wegen der neuen Eingaben der Verteidigung nicht - sie wurde nur zu ihrer Person befragt.

Im Kern kreiden die Verteidiger der Kammer an, dass sie die Frau vor ihrer Aussage nicht über das Zeugnisverweigerungsrecht nach Paragraf 55 der Strafprozessordnung belehrt hatte. Demnach dürfen Zeugen die Aussage verweigern, wenn die Gefahr besteht, dass sie sich selbst belasten und möglicherweise strafrechtlich verfolgt werden.
Kachelmann-Anwalt Reinhard Birkenstock geht von einer Falschaussage der 37-Jährigen aus. Er sagte, eine solche Belehrung dürfe nur unterbleiben, wenn das Gericht die Auffassung vertrete, es sei völlig ausgeschlossen, dass die Zeugin «wegen Vortäuschung einer Straftat, wegen falscher Anschuldigung strafrechtlich verfolgt werden kann». «Daraus kann man ja den Schluss ziehen, dass (...) die abgelehnten Richter, schon bevor sie die Zeugin überhaupt gehört haben, entschlossen sind, ihr zu glauben», erklärte er.
Die geplante Aussage von Kachelmanns langjähriger Geliebter hatte am Mittwoch zahlreiche Besucher in das Landgericht gezogen - wegen mehrerer Anträge der Verteidigung verzögerte sich ihr erster Auftritt seit Prozessbeginn jedoch bis zum Mittag. Die Frau, die in den Medien meist «Sabine» genannt wird, trug einen schwarzen Jeansrock und ein schwarzes Oberteil. Um den Hals trug sie ein schwarzes Tuch. Der Vorsitzende Richter befragte sie zunächst lediglich nach ihren persönlichen Daten und belehrte sie darüber, dass sie verpflichtet ist, vor Gericht die Wahrheit auszusagen.

Daraufhin beantragte Verteidiger Birkenstock, sie auch über das Zeugnisverweigerungsrecht nach Paragraf 55 der Strafprozessordnung zu belehren. Nachdem der Vorsitzende Richter den Antrag abgelehnt hatte, beantragte Birkenstock einen förmlichen Beschluss. Die Sitzung wurde ein weiteres Mal unterbrochen, nach fast 50-minütiger Beratung lehnte das Gericht den Antrag auf die Belehrung ab. Nach einer weiteren Unterbrechung verlas Birkenstock den Befangenheitsantrag. Die Verteidigung hatte bereits zu Beginn des Prozesses einen Befangenheitsantrag gestellt, der aber abgelehnt worden war.
Zu Verhandlungsbeginn hatte das Gericht entschieden, dass der von der Verteidigung bestellte rechtsmedizinische Gutachter Bernd Brinkmann ausgeschlossen bleibt. Brinkmann hatte in einer Stellungnahme die These vertreten, das mutmaßliche Opfer habe sich möglicherweise seine Verletzungen selbst zugefügt. Kachelmanns Verteidiger hatten mit einem 21-seitigen Schriftsatz versucht, doch noch die Zulassung Brinkmanns zu erreichen. Brinkmann war vergangene Woche wegen der Besorgnis der Befangenheit ausgeschlossen worden. Der Prozess soll am kommenden Montag fortgesetzt werden.
Quelle: dpa

15.09.2010 | Mannheim
Notruf der Geliebten beeindruckt im Kachelmann-Prozess
Prozess gegen Jörg Kachelmann ist am Mittwoch der Notruf des mutmaßlichen Opfers vorgespielt worden. Damit hat die Beweisaufnahme begonnen. Auch eine der vielen Geliebten des Moderators sagte aus - jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Die Stimme der Frau zittert. «Ich bin heute Nacht vergewaltigt worden und weiß nicht, was ich jetzt machen soll», sagt sie. Der Polizeibeamte, der den Notruf am 9. Februar entgegennimmt, fragt: «Von wem?» Die Frau zögert. Dann sagt sie, vorsichtig: «Von meinem Freund.»
Mit dieser Tonaufnahme des mutmaßlichen Opfers hat am Mittwoch im Prozess gegen Fernsehmoderator Jörg Kachelmann die Beweisaufnahme begonnen. Es war der bisher bewegendste Moment in einem Verfahren, das zuvor von prozessrechtlichen Streitigkeiten zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft geprägt war. Kachelmann ist angeklagt, seine langjährige Geliebte im Februar 2010 mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Der 52-jährige Schweizer bestreitet die Vorwürfe.

Als erster Zeuge wurde am Mittwoch der ermittelnde Kriminalbeamte gehört. Das mutmaßliche Opfer, eine 37 Jahre alte Radiomoderatorin, sei am Tag nach ihrer Anzeige zweimal vernommen worden. Dazwischen sei sie rechtsmedizinisch und gynäkologisch untersucht worden. Obwohl klar war, dass Kachelmann noch am selben Tag nach Kanada fliegen wollte, entschied die Staatsanwaltschaft, ihn zunächst nicht festnehmen zu lassen. «Wir hatten seinerzeit Bedenken hinsichtlich eines dringenden Tatverdachts», sagte Oberstaatsanwalt Oskar Gattner.
Kachelmann wurde erst am 20. März bei seiner Rückkehr am Flughafen Frankfurt verhaftet. Er wurde, erzählt der Kriminalbeamte, von einer jungen Frau abgeholt. Bevor Kachelmann ins Auto steigen konnte, sprach der Beamte ihn an. «Ich habe ihn zur Seite genommen und erklärt, dass ich einen Haftbefehl gegen ihn habe.» Kachelmann habe «ruhig und abgeklärt» reagiert. «Er hat keine besonders emotionale Reaktion gezeigt.» Zum Tatvorwurf habe er nichts gesagt.

Auch die Frau, die Kachelmann vom Flughafen abgeholt hatte, wurde am Mittwochnachmittag als Zeugin vernommen. Eine Psychologiestudentin, 24 Jahre alt. Zierlich, mit langen, dunklen, lockigen Haaren. Eine sehr schöne Frau. Kachelmann schaut sie kurz an, als sie in den Saal kommt. Es ist nicht zu erkennen, ob sie den Blick erwidert. Oder gar wie. Für ihre Aussage schließt das Gericht die Öffentlichkeit aus. Es würde vorwiegend um «Umstände aus dem persönlichen Lebensbereich» gehen, einschließlich des Sexuallebens.
Kachelmann selbst verfolgte die Verhandlung weitgehend regungslos. Er will sich vorerst nicht vor Gericht äußern. Am Montag war seine Aussage vor dem Haftrichter verlesen worden, in der er die Vorwürfe bestritt.

Am Nachmittag geht es um den Tatort: Ein Kriminaltechniker schilderte dem Gericht, wie in der Dachgeschosswohnung der ehemaligen Geliebten Spuren gesichert wurden. Auf der Bettdecke: Reste von Sperma und Blut - seine Geliebte hatte ihre Periode. Vor dem Bett auf dem Boden liegt das Küchenmesser, das Kachelmann ihr an die Kehle gehalten haben soll. Insgesamt sei die Wohnung «recht ordentlich» gewesen, erzählt der Kriminaltechniker. «Da war nichts zerdeppert oder durcheinander.»
Noch am Morgen hatten Kachelmanns Verteidiger einen weiteren Antrag gestellt, der zu einer zeitweiligen Unterbrechung des Verfahrens führte: Kachelmanns Verteidiger fordern, dass drei von ihnen benannte Sachverständige Gutachten über die Glaubwürdigkeit und die Verletzungen des mutmaßlichen Opfers erstellen sollen.

Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge äußerte Zweifel daran, dass die von der Verteidigung benannten Gutachter objektiv seien. Er kündigte Befangenheitsanträge gegen den Rechtsmediziner Bernd Brinkmann und den psychologischen Gutachter Tilman Elliger an. Sie hätten bereits vor Prozessbeginn Stellungnahmen zugunsten Kachelmanns abgegeben.
In einer Verhandlungspause nahm Verteidiger Birkenstock auch zur Tonbandaufnahme Stellung. «Der Notruf hat mich sehr beeindruckt», sagte Birkenstock. «Man sollte ihn tagtäglich in dieser Hauptverhandlung vorführen.» Und dann, ironiefrei: «Der Notruf wirkt glaubwürdig als Aktion einer sachlich agierenden Persönlichkeit.» Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.




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