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  • Razzia bei Zumwinkel

DEUTSCHLAND/WELT

 

13.03.2009

13.03.2009 | Bonn (dpa)

Telekom-Affäre: Razzia bei Zumwinkel und Ricke

 

Razzien in der Telekom-Bespitzelungsaffäre: Überraschend haben Ermittler die Anwesen von Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und Ex-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke durchsucht.

 

Außerdem war die Bonner Post-Zentrale betroffen, in der Zumwinkel als Vorstandschef tätig war. Der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, Fred Apostel, bestätigte die Razzien am Freitag und begründete sie mit Erkenntnissen aus dem Ermittlungsverfahren wegen des Ausspähens und Missbrauchs von Telefonverbindungen durch die Telekom. Der Konzern hatte mit dem Vorgehen wohl der Weitergabe von Interna etwa aus dem Aufsichtsrat auf die Spur kommen wollen.

 

Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt seit fast einem Jahr gegen Zumwinkel und Ricke sowie weitere Verdächtige wegen möglicher Verstöße gegen das Bundesdatenschutzgesetz und das Fernmeldegeheimnis. Geklärt werden soll, ob Zumwinkel und Ricke von dem Vorgehen wussten und welche Rolle sie spielten. Dabei geht es um die illegale Überprüfung von Telefonverbindungen von Aufsichtsräten, Betriebsratsangehörigen und Journalisten in den Jahren 2005 und 2006. Insgesamt sollen etwa 60 Personen - darunter auch Dritte - von den Maßnahmen betroffen sein. Auch ver.di-Chef Frank Bsirske soll ausgespäht worden sein.

 

Die Telekom selbst hatte im Mai 2008 Anzeige erstattet und betreffende Unterlagen der Staatsanwaltschaft übergeben. Die neue Unternehmensführung um Vorstands-Chef René Obermann hatte nach eigenen Angaben keine Kenntnis von den Vorgängen aus früheren Jahren. Aktuell gebe es «keine neue Kenntnislage», sagte ein Sprecher. Im vergangenen Jahr hatte es bereits in der Telekom-Zentrale eine Razzia gegeben.

 

Die neuen Razzien - über die auch die Zeitungen «taz» und «Bild» berichtet hatten - betrafen am Mittwoch Zumwinkels aktuellen Wohnsitz in seiner Burg am Gardasee in Italien, Rickes Haus in der Schweiz sowie ein Anwesen von Rickes Frau am Ammersee in Bayern. Bei einer Durchsuchung des Zumwinkel-Hauses wurden zwei Computer sichergestellt. Bei der Durchsuchung der Bonner Post-Zentrale, seien «keinerlei Unterlagen beschlagnahmt worden», sagte eine Post- Sprecherin. Die Post sei auch nicht «Gegenstand der Ermittlungen».

 

Zum Erkenntnisstand wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht näher äußern. Die Ermittlungen hätten aber Anlass zu der Razzia gegeben, sagte Apostel der Deutschen Presse-Agentur dpa. Insgesamt wird gegen acht Verdächtige ermittelt. Dazu gehört ein ehemaliger leitender Telekom-Mitarbeiter, der für die Konzernsicherheit zuständig war. Er sitzt seit Monaten in Untersuchungshaft und gilt als Schlüsselfigur. Möglicherweise wurde auch die Telekom-Spitze durch ihn belastet.

 

Zumwinkels Anwalt wollte sich nicht zu der Razzia äußern. Sein Sprecher kritisierte die Weitergabe vertraulicher Informationen. «Die neuerliche, spekulative Berichterstattung zeigt zum wiederholten Male, dass vertrauliche Informationen aus Ermittlungsverfahren von Behörden nicht mit der gebotenen Sorgfalt als solche behandelt werden.» Zumwinkel kooperiere seit vielen Monaten mit den Ermittlern und werde dies auch weiter tun.

 

Zumwinkel war Ende Januar wegen Hinterziehung von knapp einer Million Euro Steuern vom Bochumer Landgericht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Anschließend hatte er sich legal nach Italien abgemeldet. In einem Interview hatte er gesagt, er habe sich in der Telekom-Sache nichts vorzuwerfen.

 

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