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DEUTSCHLAND/WELT

 

29.09.2010 | London/Washington

Berlin: Keine erhöhte Terrorgefahr in Deutschland

Haben islamistische Terroristen Anschläge in deutschen Städten geplant? Ein in Afghanistan gefangener Deutsch-Afghane hat den USA entsprechende Infos gegeben. Deutsche Sicherheitsbehörden sehen keine erhöhte Bedrohung und sprechen von Kaffeesatzleserei.

Die deutschen Sicherheitsbehörden sehen trotz der Berichte eines in Afghanistan gefangenen Deutsch-Afghanen über geplanten Terrorattacken keine erhöhte Bedrohung in Deutschland. Die Hinweise auf Anschläge in Deutschland, Frankreich und Großbritannien führten zu keiner Veränderung der Gefahrenbewertung, teilte das Innenministerium am Mittwoch in Berlin mit. Anzeichen für unmittelbar bevorstehende Anschläge in Deutschland gebe es nicht.

Zuvor hatten britische und US-Medien berichtet, dass Terroristen in Pakistan Pläne für Anschläge ähnlich dem von Mumbai 2008 auch in Europa geplant hätten, darunter in deutschen Städten. Die Informationen gingen auf Verhöre eines Deutsch-Afghanen zurück, der seit Wochen von Ermittlern im US-Militärgefängnis Bagram nördlich von Kabul festgehalten wird.


Der Mann gehört zu einer Gruppe von Hamburger Islamisten, die im März 2009 in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet gereist war, um sich dort in Terrorcamps ausbilden zu lassen. Er habe erklärt, der Attentatsplan sei von Al-Kaida-Führer Osama bin Laden gutgeheißen worden, berichtete der US-Sender ABC.


Das Auswärtige Amt sagte der dpa, man bemühe sich bei der US- Regierung weiterhin um Zugang zu dem Mann. Das Bundesinnenministerium bestätigte grundsätzlich, dass den Sicherheitsbehörden Darstellungen bekannt sind, nach denen Al-Kaida längerfristig Anschläge in den USA, Europa und Deutschland plant. Entsprechende Informationen hätten sich aus der Arbeit der Nachrichtendienste ergeben und würden «mit der gebotenen Sensibilität und Intensität - auch im Austausch mit den internationalen Partnern - analysiert und bewertet», teilte der Sprecher des Ministeriums, Stefan Paris, mit.

Deutsche Sicherheitskreise sprachen von einer Reihe diffuser Hinweise. Es gebe aber keine handfesten Erkenntnisse über geplante oder verhinderte Anschläge. Auch ein Szenario wie vor zwei Jahren in Mumbai lasse sich derzeit nicht nachvollziehen. Alles andere sei «Kaffeesatzleserei».

Zuvor hatten britische und US-Medien berichtet, die Anschläge sollten nach dem Muster der Terrorakte von Mumbai verübt werden. Damals hatten Islamisten zwei Hotels angegriffen und mehr als 160 Menschen getötet.

Der in Bagram festgehaltene Deutsch-Afghane soll nach früheren Medienberichten der terroristischen Vereinigung «Islamische Bewegung Usbekistans» (IBU) angehört haben. Die IBU verübt teilweise zusammen mit regionalen Taliban-Gruppen Terroranschläge auf pakistanische Sicherheitskräfte und Mitglieder der in Afghanistan stationierten internationalen NATO-Schutztruppe ISAF. Die Islamisten der sogenannten «Hamburger Gruppe» hatten sich vor ihrem Aufbruch in der Hamburger Taiba-Moschee getroffen. Als Al-Quds-Moschee war das später umbenannte Zentrum schon Anlaufpunkt für die Todespiloten vom 11. September 2001 und ihre Komplizen.

Nach ZDF-Informationen hat der Deutsch-Afghane ausgesagt, dass den Kommandoeinheiten, die für den Einsatz in den europäischen Städten vorgesehen waren, Deutsche, Araber und Tschetschenen angehörten. Der Mann habe den Behörden Namen von Hintermännern gegeben, deshalb werde er als glaubwürdig eingeschätzt. Deutsche Sicherheitsbehörden wollten zur Glaubwürdigkeit des Mannes keine Einschätzung abgeben.

Nach Informationen des «Wall Street Journal» hat der US-Geheimdienst unter anderem mit Drohnenangriffen auf Ziele in der pakistanischen Unruheregion Waziristan auf die neuen Hinweise reagiert. Im vergangenen Monat hat es dort so viele Drohnenangriffe gegeben, wie nie zuvor.

Nach Angaben des Vorsitzenden des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), gibt es in Deutschland Dutzende sogenannte Gefährder, die sich in Terrorcamps haben ausbilden lassen. «Wir haben einen guten Überblick darüber, wer in der Zwischenzeit wieder von dort nach Deutschland zurückgekehrt ist. Wir gehen davon aus, dass etwa 40 dieser Personen mittlerweile Kampferfahrungen gesammelt haben», sagte er der dpa.

Quelle: dpa

ABC-Bericht zum Nachlesen... »

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