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DEUTSCHLAND/WELT

 

06.10.2010 | Berlin

Meldebehörden geben 1,5 Millionen Adressen weiter

1,5 Millionen aktuelle Adressen von Berlinern geben die Meldebehörden der Hauptstadt jedes Jahr auf Anfrage heraus. Dadurch nimmt das Land etwa 3,3 Millionen Euro ein. Zur Beantwortung der Melderegister-Anfragen sei das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten durch ein Bundesgesetz verpflichtet, sagte die Abteilungsleiterin Einwohnerwesen, Klaudia Zurth, am Dienstag der dpa. Es gebe aber bestimmte Voraussetzungen, die beachtet werden müssten. Ob Firmen mit den Adressen handeln und sie mit Gewinn weiter verkaufen würden, wie das ZDF-Magazin «WISO» am Montag kritisiert hatte, könne sie nicht beurteilen.

«WISO» hatte über Datenhändler berichtet, die in Deutschland Millionen von Privatadressen sammelten und weiter verkauften. Das Bundesinnenministerium will nun prüfen, inwieweit bei Auskünften aus Melderegistern die Interessen der Allgemeinheit und die des einzelnen Bürgers gegenübergestellt werden müssen. Der Datenschutzbeauftragten der Bundesregierung, Peter Schaar, vermutete in «WISO», dass die Daten verwendet würden, um vorhandene Profile zu aktualisieren, damit der Handel mit Adressen noch ertragreicher und effizienter gestaltet werden kann.

Wenn eine Firma oder eine Privatperson vom Bürgeramt eine Adresse erhalten will, muss sie den Vor- und Nachnamen sowie entweder die letzte Meldeadresse oder das Geburtsdatum des gesuchten Menschen kennen. Man könne also normalerweise nur frühere Adressen aktualisieren, sagte Zurth. Eine Anfrage per Brief oder Mail kostet fünf Euro. Firmen, die in größerem Stil für Anwaltskanzleien oder Versandhäuser arbeiten, zahlen für elektronische Anfragen 1,50 Euro.

Der größte Teil der Adressen werde von solchen Firmen abgefragt, sagte Zurth. Zum Teil gebe es auch Massenanfragen von 1000 Adressen auf einmal. «Wir sind verpflichtet, das zu beantworten. Das machen wir in Berlin genauso wie in jeder anderen Kommune.»

Es würden aber auch immer mehr Menschen gesucht, «weil sie ihren Verpflichtungen nicht nachkommen». Dazu gehörten etwa säumige Schuldner. Aber auch die Suche nach früheren Freunden oder Angehörigen kommt oft vor, erläuterte Zurth. «Manche suchen sogar ihre Eltern oder ihre eigenen Kinder. Wenn einem vielleicht nicht mehr viel Lebenszeit bleibt, möchte man manche Dinge nochmal bereinigen.»

Quelle: dpa

 

Bundesbeauftragter für Datenschutz:
www.bfdi.bund.de

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