DEUTSCHLAND/WELT

15.10.2010 | Berlin
Migranten: Deutschpflicht führt zu Stigmatisierung
Migrantenverbände in Deutschland haben den Ruf nach einer Deutschpflicht auf Schulhöfen heftig kritisiert. «Dies führt zu Stigmatisierung der Migrantensprachen», betonten sie am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung.
Die Kultusminister kamen am Morgen in Berlin mit Migrantenvertretern zu Gesprächen über die Chancengleichheit der Kinder zusammen. Bund und Länder müssten die Fähigkeit zur Mehrsprachigkeit und die sprachliche und kulturelle Vielfalt in Deutschland fördern, forderten die Verbände. Für eine Deutschpflicht hatte sich unter anderem die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, ausgesprochen.

Die Organisationen kritisierten, die von Regierungsparteien angestoßene Integrationsdebatte verstoße gegen die gemeinsame Erklärung der Kultusministerkonferenz und der Migrantenverbände aus dem Jahr 2007. «Wir sind sehr besorgt», betonten die Verbände. Das Europarecht schütze die Muttersprachen der Wanderarbeitnehmer.
«Die Erstrangigkeit der deutschen Sprache ist für uns selbstverständlich», versicherten sie. «Nur über die Wege dazu sollte gesprochen werden.» Es sei ein Skandal, dass Schulen ausgezeichnet werden, weil sie Kindern mit ausländischen Wurzeln in der Pause die Benutzung ihrer Muttersprache verbieten. Die Verbände erinnerten an die UN-Kinderrechtskonvention, die der kulturellen Identität und Sprache der Kinder bei der Bildung einen besonderen Stellenwert einräumt.

«Die Fokussierung allein auf den Erwerb der deutschen Sprache lenkt von den eigentlichen Problemen wie selektives Bildungssystem, geringe Ausbildungsbeteiligung aufgrund von Diskriminierungen und hohe Arbeitslosigkeit unter Menschen mit Migrationshintergrund ab», heißt es in der Erklärung. Zu den Unterzeichnern zählen die Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände, der Verband Deutsch-Arabischer Vereine und die Türkische Gemeinde in Deutschland.
Ähnlich positionierte sich der Deutsche Kulturrat gemeinsam mit den Migrantenorganisationen. «Die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, inklusive der Muttersprachen der Zuwanderer, muss verstärkt Anerkennung und Wertschätzung erfahren», forderten sie. Der Geschäftsführer des Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: «Dialog statt Ausgrenzung ist das Geheimnis von Integration.»
Weitere Themen der Kultusministerkonferenz waren unter anderem die Kulturförderung und das geplante Bildungspaket für bedürftige Kinder.




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