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DEUTSCHLAND/WELT

 

18.10.2010 | Nagoya

Konferenz zum Schutz der Artenvielfalt - «Jetzt handeln»

Die Artenvielfalt schwindet dramatisch. Dennoch hat die Weltgemeinschaft bislang die wichtigsten Ziele zum Naturschutz verfehlt. Eine neue Chance bietet sich auf der Konferenz zur biologischen Vielfalt in Japan.

Mit eindringlichen Appellen zum Artenschutz hat im japanischen Nagoya am Montag die zehnte UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (COP 10) begonnen. Auf dem zweiwöchigen Treffen der über 190 Vertragsstaaten soll ein verbindliches Protokoll gegen die sogenannte Biopiraterie verabschieden werden. Zudem wollen sich die Staaten auf eine Strategie zum globalen Schutz der Artenvielfalt einigen.

«Wir verlieren immer noch die Vielfalt, den Reichtum, die Schönheit und das Kapital unseres Planeten», sagte der Chef des Umweltbundesamtes Jochen Flasbarth in der Eröffnungsrede zur Konferenz. Er hatte die vorangegangene UN-Artenschutzkonferenz 2008 in Bonn geleitet und war seit dem Präsident der Biodiversitäts- Konvention. Bislang habe die Weltgemeinschaft ihre Artenschutzziele verfehlt.

Bereits auf dem Weltgipfel in Johannesburg im Jahr 2002 waren die Staats- und Regierungschefs überein gekommen, den weltweiten Verlust der Artenvielfalt bis 2010 deutlich zu drosseln. In der Eröffnungsrede räumte Flasbarth ein, dass dies nicht gelungen sei. Es ist «offensichtlich, dass die Weltgemeinschaft versagt hat, dieses Ziel zu erreichen.»

Flasbarth wies aber auch darauf hin, dass Fortschritte im Artenschutz erkennbar seien, so seien die Verluste von Waldflächen in einigen Regionen zurückgegangen. Viele Länder hätten nationale Strategien für den Schutz der Artenvielfalt entwickelt, unter ihnen Deutschland im Jahr 2007. Zudem liege auf der Konferenz erstmals ein ausgearbeiteter Entwurf zum Biopiraterie-Protokoll vor, das helfen soll, den Gewinn aus biologischen Wirkstoffen gerecht zu verteilen.

«Im internationalen Jahr der Artenvielfalt ist business as usual (ein Weitermachen wie bisher) keine Option mehr», sagte der Chef der Biodiversitäts-Konvention Ahmed Djoghlaf. «Jetzt ist die Zeit, um zu handeln und hier ist der Ort dafür.» Auch der japanische Umweltminister Ryo Matsumoto warnte vor weiterem Artenverlust und rief zu schnellem Handeln auf. Matsumoto ist seit Konferenzeröffnung neuer Präsident der Konvention.

Einen Kern der Verhandlungen bildet das Protokoll gegen Biopiraterie, das auch als ABS-Protokoll bezeichnet wird (Access and Benefit-Sharing/Aufteilung von Zugriff und Gewinn). Demnach müssten etwa Pharmakonzerne, die Arzneien aus tropischen Pflanzen gewinnen, der Bevölkerung des Ursprungslandes der Pflanze einen Teil des Profits abgeben.

Besonders die Entwicklungsländer sprechen dem ABS-Protokoll eine große Bedeutung zu. Für sie könnte diese Vereinbarung die Chance auf einen vertraglich geregelten Technologietransfer oder zusätzliche Zahlungen aus den Industrieländern sein. Das Verabschieden eines Biopiraterie-Protokolls sehen viele als Schlüssel dafür, dass die Entwicklungsländer der ebenfalls in Nagoya auf dem Tisch liegenden globalen Artenschutzstrategie zustimmen.

Zu Beginn der Konferenz sind viele Fragen noch ungeklärt. Umweltverbände befürchten, dass die Diskussion um grundlegende Themen, wie etwa die Finanzierung des weltweiten Artenschutzes, die Verhandlungen zum Stocken bringen könnte. Bisher haben nur die Bundesregierung und Norwegen Geld in Aussicht gestellt.

Die Umweltminister der einzelnen Vertragsstaaten könnten, sofern die Entwürfe stehen, Wind in die Finanzierung bringen. Sie kommen am Ende der Verhandlungen vom 27. bis 29. Oktober zusammen.

Staats- und Regierungschefs werden in Nagoya nicht erwartet, da den Artenschutzverhandlungen bisher wenig Aufmerksamkeit zu kam. Leiter der CBD und Umweltverbände mahnten wiederholt die Dringlichkeit der Konferenz an. «Was die Welt am meisten von Nagoya erwartet, ist den fortwährenden und dramatischen Verlust des Lebensreichtums der Welt zu stoppen», sagt der Generaldirektor der Umweltstiftung WWF James Leape.

Als einziger Industriestaat lehnen die USA die Artenschutz-Konvention ab.

Quelle: dpa

Konferenz zur biologischen Vielfalt: www.cbd.int/cop10

18.10.2010 | Berlin/Nagoya

Naturschutz weltweit - Worum es in Nagoya geht

Im japanischen Nagoya hat am Montag die zehnte Runde der UN-Verhandlungen zum Schutz der Artenvielfalt (CBD) begonnen. Diese Konferenz ist neben den Klimaverhandlungen und den UN-Konferenzen gegen die Wüstenausbreitung ein Pfad, der aus dem Erdgipfel in Rio 1992 hervorging. Alle drei UN-Konventionen haben zum Ziel, die Natur für spätere Generationen zu erhalten und ihre Rohstoffe gerecht und naturgemäß zu nutzen.

Bei der zehnten Verhandlungsrunde zum Schutz der Artenvielfalt werden zwei große Themenblöcke verhandelt:

BIOPIRATERIE:
Das Protokoll gegen Biopiraterie ist ein wichtiges Ziel in Nagoya. Es soll zukünftig Gewinne aus biologischen Rohstoffen, wie etwa Arzneien aus tropischen Pflanzen, zwischen Entwicklungs- und Industrieländern gerecht verteilen. Erstmalig könnte in Nagoya ein rechtlich verbindliches Protokoll zu dem Themengebiet abgeschlossen werden.

STRATEGIE FÜR DEN INTERNATIONALEN ARTENSCHUTZ: Die Artenschutzstrategie ist das zweite wichtige Konferenzthema. Es soll ein Fahrplan für konkrete Naturschutzziele ausgewiesen werden, um bis zum Jahr 2020 den Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten. Dazu sollen beispielsweise Schutzgebiete vergrößert werden und der Verlust von Waldgebieten gestoppt werden.

In den beiden großen Themenblöcken geht es unter anderem um:

SCHUTZ VON WALDGEBIETEN: Der Schutz von Wäldern ist ein weiteres Schlüsselkriterium im Verhandlungsverlauf. Auch wenn in manchen Industrieländern die Waldfläche zunimmt, schreitet der Verlust der gesamten Waldfläche der Erde weiter fort. Wälder sind wichtige Kohlenstoffspeicher und daher auch Teil der Klimaverhandlungen. In Nagoya müssen nun beide Konferenzstränge zum Wald so miteinander verzahnt werden, dass die Schutz- und Bewirtschaftungsstrategien miteinander vereinbar sind.

MEERESSCHUTZGEBIETE: Bis zum Jahr 2012 wollen die Vertragsstaaten ein globales Netzwerk von Meeresschutzgebieten erstellen. In Nagoya werden weitere Entscheidungen für diesen Prozess erwartet. Bisher sind etwa 13 Prozent des Festlandes und 5 Prozent der Küsten geschützt. Die geschützte Meeresfläche beträgt jedoch weniger als ein Prozent.

«SCHÄDLICHE SUBVENTIONEN»: Die Vertragsstaaten haben sich vorgenommen, Subventionen zurück zu fahren, die die Artenvielfalt gefährden. Die Folgen wären grundlegende Reformen in Landwirtschaft und Fischerei in den Industriestaaten. Gemäß des OECD Berichts von 2001 trifft das in Deutschland auf rund 35 Prozent aller Subventionen zu.

Quelle: dpa
18.10.2010 | Berlin

Bedrohte Artenvielfalt in Zahlen

Knapp zwei Millionen Tier- und Pflanzenarten sind bislang wissenschaftlich beschrieben. Schätzungen über die tatsächliche Gesamtzahl der weltweit existierenden Arten schwanken erheblich, viele Forscher gehen jedoch von 10 bis 20 Millionen Arten aus.

Die Weltnaturschutzunion IUCN hat den Bedrohungszustand von 52 017 Arten untersucht. Auf ihre Rote Liste der gefährdeten Arten kamen 17 934, das ist rund ein Drittel. Zusätzlich sind 791 Arten bereits ausgestorben und nicht einmal mehr im Zoo vorhanden. Die Rote Liste gilt als weltweit gültiger Maßstab für die Artengefährdung.

Der Liste zufolge sind Amphibien die am meisten bedrohten Tiere. Von den 6 638 beschriebenen Amphibienarten sind rund ein Drittel gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Gleiches gilt für 21 Prozent der daraufhin untersuchten Säugetiere, 12 Prozent der Vögel, 28 Prozent der Reptilien und 26 Prozent der Fische. Bei den Pflanzen gelten sogar 68 Prozent als gefährdet.

Eine der Hauptursachen für das Artensterben ist der Verlust ihres Lebensraums. Grund hierfür sind die Klimaerwärmung, die Ausbreitung fremder Arten und die wachsende Ausbeutung der Ressourcen durch den Menschen.

Unter der Zerstörung des Lebensraums leidet etwa auch der Zweifarbentamarin, ein Krallenaffe der in der Nähe der Großstadt Manaus im Amazonasbecken vorkommt. Durch die Ausdehnung der Stadtgrenzen wird der Wald im Umland zunehmend zerstückelt. Primaten, die versuchen von einem Waldstück zum nächsten zu kommen, werden überfahren oder sterben, weil sie sich in Stromkabeln verfangen. Seit 1990 gilt der Zweifarbentamarin als vom Aussterben bedroht.

Quelle: dpa

Rote Liste: www.iucnredlist.org

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