DEUTSCHLAND/WELT

02.11.2010 | Berlin/Sanaa
Jemen startet Jagd auf die Bombenbauer
Nach den versuchten Paketbombenanschlägen hat der Jemen eine großangelegte Militäroperation gegen Top-Terroristen gestartet. Ziel ist es, den von den USA gesuchten Hassprediger Anwar al-Awlaki und den mutmaßlichen Bombenbauer Ibrahim Hassan al-Asiri (Foto) zu fassen.
Der aus Saudi-Arabien stammende Al-Asiri soll die Paketbomben hergestellt haben, die in Luftfrachtpaketen aus dem Jemen entdeckt wurden. Die von westlichen Ländern gegen den Jemen verhängten Flugverbote kritisierte ein Regierungssprecher in Sanaa unterdessen als «hastige und übertriebene Reaktion». Dies schade auch Jemens Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus. Sein Land werde dennoch weiterhin der Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft beim Kampf gegen den Terrorismus verpflichtet bleiben.
Vier Tage nach dem Fund der beiden Paketbomben aus dem Jemen haben Deutschland, aber auch Großbritannien, die Niederlande und Kanada die Sicherheitsmaßnahmen im Flugverkehr verschärft. Die Deutsche Flugsicherung wurde vom Bundesverkehrsministerium angewiesen, direkte und indirekte Flüge aus dem Jemen bis auf weiteres nicht mehr in den deutschen Luftraum einzulassen. Vorher war lediglich der Transport von Luftfracht aus dem Jemen untersagt worden.

Die Weltluftfahrtorganisation IATA mahnte unterdessen weitere Verbesserungen bei der Sicherheit im Luftverkehr an. Die Lage sei heute zwar besser als bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA, sagte IATA-Generalsekretär Giovanni Bisignani bei einer Sicherheitskonferenz der Branche in Frankfurt/Main. «Aber es muss mehr gemacht werden.» Der jüngste Vorfall mit Paketbomben aus dem Jemen habe gezeigt, dass Luftfahrt-Industrie und Regierungen eng zusammenarbeiten müssten.
Nach einem Bericht des US-Fernsehsenders ABC hat das Terrornetz Al Kaida schon Mitte September Möglichkeiten eines Anschlags in den USA durch Luftfracht getestet. Bei dem Testlauf seien Haushaltsgüter, religiöse Literatur und eine Computer-CD vom Jemen an eine Adresse in Chicago gesandt worden. Die Sendung sei entdeckt und durchsucht worden. Sie sei aber weitergeleitet worden, weil die Fracht keinen Sprengstoff enthalten habe.
Mit ihrer Offensive wollen die Jemeniten nach Ansicht von Beobachtern eine mögliche Intervention amerikanischer Anti-Terror- Sondereinsatzkommandos im Jemen verhindern. Die jemenitische Armee kämpft in der südlichen Provinz Abjan bereits seit Wochen gegen Al-Kaida-Zellen.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) setzt zur Verbesserung der Sicherheit im Luftverkehr auf europäische eine Zusammenarbeit. Das Problem dabei seien die unsicheren Herkunftsländer, sagte er am Montagabend beim Besuch eines Paketumschlagzentrums auf dem Flughafen Köln/Bonn. Dort war eine Paketbombe umgeschlagen worden, die am vergangenen Freitag auf einem Flughafen in Mittelengland aufgespürt wurde. Eine zweite Paketbombe war in Dubai entdeckt worden.
«Die Zuverlässigkeit der Drittstaaten und deren Kontrolle werden wir zu überprüfen haben», sagte de Maizière. Deutschland sei vor allem Umschlagplatz für Pakete aus dem Ausland, die in andere Länder weitergeflogen würden. Würde man diese in Deutschland auch noch alle genau kontrollieren, «dann würde der internationale Frachtverkehr zusammenbrechen».
dpa
Fotos: dpa/dpa picture-alliance

02.11.2010 | Berlin/Washington
Flugsicherheit international verschärft
Vier Tage nach dem Fund von Paketbomben aus dem Jemen haben Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Kanada die Sicherheitsmaßnahmen im Flugverkehr verschärft.
Die Deutsche Flugsicherung wurde vom Bundesverkehrsministerium angewiesen, direkte und indirekte Flüge aus dem Jemen bis auf weiteres nicht mehr in den deutschen Luftraum einzulassen. Vorher war lediglich der Transport von Luftfracht aus dem Jemen untersagt worden.
Großbritannien dehnte die Maßnahmen auf Somalia aus. So sollte ab Mitternacht keine unbeaufsichtigte Luftfracht aus Somalia mehr ins Land gelassen werden. Für den Jemen galt diese Beschränkung bereits. Druckerpatronen mit mehr als 500 Gramm Fassungsvermögen sind im Handgepäck künftig bis auf weiteres verboten, gab Innenministerin Theresa May bekannt. Als Frachtgut sind sie nur noch erlaubt, wenn sie von ausgewiesenen Absendern stammen.

In die Niederlande darf keine Luftfracht mehr aus dem Jemen. Das berichteten niederländische Medien. Dies gilt auch für Kanada. Der kanadische Verkehrsminister Chuck Stahl sagte am Montag, es liege keine spezielle Bedrohung gegen das Land vor. Das Verbot sie eine reine Vorsichtsmaßnahme, die auf einer generell Risikoeinschätzung beruhe, berichteten kanadische Medien.
Die jemenitische Regierung reagierte mit Kritik und Enttäuschung auf das deutsche Einflugverbot für im Jemen gestartete Flugzeuge. Die Entscheidung der deutschen Regierung sei eine «kollektive und unlogische Bestrafung», erklärte ein Regierungssprecher am Montagabend in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Dieser Schritt nutze lediglich den Terroristen von Al-Kaida, «die immer versucht haben, auf diese Weise den Interessen und dem Ruf Jemens zu schaden», sagte er.

Die USA entsenden Mitarbeiter der Transportsicherheitsbehörde TSA in das Land auf der arabischen Halbinsel. Sie sollen nach dem Aufheben des Verbots für Luftfracht aus dem Jemen dafür sorgen, dass Sendungen in die USA genauer unter die Lupe genommen werden, sagte TSA-Chef John Pistole dem TV-Sender CBS. Die USA verlängerten das Verbot unterdessen bis zum 8. November.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) betonte am Montag, die Bundesregierung habe schnell und angemessen reagiert. «Mit unseren Sofortmaßnahmen soll sichergestellt werden, dass keine Fracht aus dem Jemen nach Deutschland kommt. Jetzt müssen mögliche Lücken im System der Luftfrachtsicherheit aufgedeckt und geschlossen werden.»

Zuvor hatte das Bundesverkehrsministerium bereits das Unternehmen DHL aufgefordert, jede Fracht aus dem Jemen auf seinem Drehkreuz in Leipzig streng zu kontrollieren. Der Paketdienst überprüft seitdem bis auf weiteres die Fracht aus dem Jemen, gleichermaßen wie UPS und FedEx. Das Luftfahrtbundesamt hatte zudem allen jemenitischen Airlines, die nach Deutschland fliegen, ein Einflugverbot erteilt.
Der Sprecher der Regierung in Sanaa nannte die Verschärfung eine «hastige und übertriebene Reaktion». Dies schade auch Jemens Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus. Sein Land werde dennoch weiterhin der Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft beim Kampf gegen den Terrorismus verpflichtet bleiben.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) setzt zur Hebung der Sicherheit im Luftverkehr auf europäische Zusammenarbeit. Das Problem dabei seien die unsicheren Herkunftsländer, sagte er am Montagabend beim Besuch eines Paketumschlagzentrums auf dem Flughafen Köln/Bonn. «Die Zuverlässigkeit der Drittstaaten und deren Kontrolle werden wir zu überprüfen haben.»

«Das System ist so, dass man sich verlässt auf den sicheren Abflughafen. Jedes Paket, das von Deutschland in alle Welt transportiert wird, wird geröntgt.» Deutschland sei aber vor allem Umschlagplatz für Pakete aus dem Ausland, die in andere Länder weitergeflogen würden. Würde man diese in Deutschland auch noch alle genau kontrollieren, «dann würde der internationale Frachtverkehr zusammenbrechen».
Das Terrornetzwerk Al Kaida hat offensichtlich schon Mitte September Möglichkeiten eines Anschlags in den USA durch Luftfracht getestet. Dies berichtete der US-Fernsehsender ABC unter Berufung auf einen hochrangigen US-Beamten und andere mit dem Fall Vertraute.

Bei dem Testlauf sei Fracht mit Haushaltsgütern, religiöser Literatur und einer Computer-CD vom Jemen an eine Adresse in Chicago gesandt worden. Aufgeber sei eine Person mit Verbindungen zu Al Kaida auf der arabischen Halbinsel gewesen. Die Terroristen hätten wohl erfahren wollen, ob es Probleme geben würde, die Fracht durch das Sicherheitssystem zu bekommen.
Die Sendung sei entdeckt und durchsucht worden. Dann sei aber grünes Licht für ihren Transit gegeben worden, da die Fracht keinen Sprengstoff enthalten habe.
Die US-Behörden seien über das Interesse der im Jemen beheimateten Gruppe an Chicago besorgt gewesen. Dazu habe auch ein Foto von der Silhouette von Chicago beigetragen, das in einem Magazin entdeckt worden sei, das kürzlich von einem Propaganda-Arm der Gruppe publiziert wurde.
Quelle: dpa
01.11.2010 | Berlin
Fragen & Antworten: Kontrolle von Fracht international unterschiedlich
Täglich werden tausende Tonnen Fracht mit Flugzeugen transportiert. Darunter sind vor allem teure, kurzlebige und verderbliche Güter. Für die Sicherheit im internationalen Verkehr gibt es zahlreiche Regeln, die Kontrollen sind von Land zu Land unterschiedlich.

Wie viele Waren werden per Luft verschickt?
Rund 38 Millionen Tonnen Fracht wurden im vergangenen Jahr von den 190 Mitgliedstaaten der internationalen Luftfahrtorganisation ICAO - einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen - transportiert. Ein Jahr zuvor waren es fast 41 Millionen Tonnen. Bezogen auf das Warengewicht ist die Luftfracht relativ unbedeutend. Mit Blick auf den Warenwert liegt ihr Anteil am grenzüberschreitenden Gütertransport aber zwischen 35 und 40 Prozent.
Wer transportiert die Güter?
Für das grenzüberschreitende Frachtaufkommen waren 2008 nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung vor allem asiatisch-pazifische Fluggesellschaften verantwortlich (knapp 39 Prozent). Danach kamen Gesellschaften aus Europa (rund 31 Prozent), Nordamerika (18 Prozent) und dem Mittleren Osten (etwa 8 Prozent). Mehr als die Hälfte der Frachtmenge (ausgehend vom Gewicht) wurden auf 30 Flughäfen umgeschlagen. Meist wird Fracht in reinen Cargo-Maschinen transportiert, ab und zu aber auch in Passagierflugzeugen.

Welche Sicherheitsauflagen gibt es?
Eine global geltende Regel, wie Fracht kontrolliert werden muss, gibt es nicht. Allerdings beschäftigen sich unzählige Gesetze und Abkommen mit dem Thema Sicherheit im Luftverkehr. Das Thema Fracht ist dabei einer von vielen Punkten. In der Regel werden die Unternehmen, die Fracht transportieren, überprüft und die Ware wird zumindest stichprobenartig durchleuchtet. Die Qualität der Überprüfung ist von Land zu Land unterschiedlich. Manchmal wird lediglich kontrolliert, ob in einem Paket das drin ist, was darauf steht. Auf internationaler Ebene versucht die ICAO Mindeststandards zu schaffen. Für die Umsetzung sind die einzelnen Staaten zuständig.
Wie sieht es in den USA aus?
In den USA ist die Bundesbehörde «Transportation Security Administration» (Transportsicherheitsbehörde) für einen sicheren Luftfrachtverkehr zuständig. Allerdings wird auch in den USA nicht die komplette Fracht überprüft. Für Waren, die in Passagierflugzeugen transportiert werden, gilt allerdings seit diesem Jahr die Regel, dass alle Güter kontrolliert werden müssen. Inwieweit das bereits umgesetzt wird, ist unklar.
Welche Regeln gelten in der Europäischen Union?
Die EU-Kommission hat das sogenannte SAFA-Programm über Kontrollen zur Flugsicherheit ins Leben gerufen. Damit verbunden sind zum Beispiel Kontrollen, die auch Maschinen von Drittstaaten einschließen. Auch eine Überprüfung der Fracht ist möglich. Wie oft und was genau überprüft wird, entscheiden die jeweiligen Aufsichtsbehörden. In Deutschland werden unter anderem die Unternehmen registriert und überprüft, die Fracht aufgeben und in vielen Fällen auch für vorgeschriebene Güterkontrollen zuständig sind. Dazu gehören Agenturen oder Speditionen, die in geschäftlicher Beziehung mit einem Luftfahrtunternehmen stehen.
Quelle: dpa
Jahresbericht 2009 der ICAO: www.icao.int/icaonet/dcs/9921/9921_en.pdf
Transportation Security Administration: http://www.tsa.gov/what_we_do/layers/aircargo/index.shtm
Bundeszentrale für politische Bildung über Luftfracht: http://www.bpb.de/wissen/PQK08R,0,Luftfracht.html
SAFA-Programm der EU: http://easa.europa.eu/approvals-and-standardisation/safety-assessment-of-foreign-aircraft-SAFA.php




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