DEUTSCHLAND/WELT

11.11.2010 | Sydney
Qantas A380-Flotte bleibt vorerst am Boden
Die Sicherheitschecks an den Triebwerken der Qantas-A380 gehen weiter, die Riesenflugzeuge bleiben vorerst am Boden. Die Fluggesellschaft hat noch kein Datum für die Rückkehr der Maschinen in den Flugdienst festgelegt, teilte sie am Donnerstag in Sydney mit.
Sie stellte ihren Flugplan weltweit um. Praktisch alle der mehr als 250 Qantas-Maschinen seien im Einsatz, um den Ausfall der sechs Super-Airbusse zu kompensieren.
Drei Triebwerke, bei denen Öllecks festgestellt worden waren, wurden inzwischen ausgebaut. «Ingenieure untersuchen die Maschinen im Detail. Sie schauen, wie die Einzelteile sich unter operationellen Bedingungen verhalten und vergleichen dies mit der Leistung, die von den Maschinen direkt ab Fabrik erwartet wird», teilte die Fluggesellschaft mit. «Qantas A380-Maschinen werden nicht wieder in den Dienst gestellt, bis wir vollkommen sicher sind, dass die Flotte sicher fliegt.»
dpa

05.11.2010 | Singapur
Qantas findet Öllecks an A380-Triebwerken
Die australische Fluggesellschaft Qantas lässt wegen Öllecks in Triebwerken ihre Airbus A380-Flugzeuge bis auf weiteres nicht starten.
Nach achtstündigen Tests entdeckten Techniker der Gesellschaft an drei Rolls-Royce Trent-900-Triebwerken in zwei verschiedenen Maschinen «Öl, wo kein Öl hätte sein sollen», sagte Qantas-Chef Alan Joyce am Montag. Die Ölmengen hätten übliche Toleranzmargen überschritten. Die Triebwerke würden ausgetauscht. Auch einige Lufthansa-Maschinen vom Typ Airbus A380 fliegen mit Trent-900-Triebwerken.
Rolls-Royce hatte Qantas die Tests empfohlen, nach dem eines der Triebwerke bei einem Qantas-A380 kurz nach dem Start in Singapur mit lautem Knall kaputt gegangen war. Bruchteile stürzten aus 2000 Metern zu Boden und die Maschine, Flug QF32 mit 466 Menschen an Bord, musste in Singapur notlanden. Die Australier hatten bislang sechs Airbus A380 im Einsatz. Drei stehen zur Zeit in Los Angeles, und je einer in in Frankfurt, Sydney und Singapur.

«Dies sind neue Triebwerke in einem neuen Flugzeug», sagte Joyce. «Die sollten solche Probleme nicht haben.» Der Airbus A380 ist erst 2007 in den Dienst gestellt worden. Joyce bekräftigte seine schon geäußerte Theorie über die Ursache des Triebwerkausfall in der Luft. «Wir haben uns noch nicht festgelegt, aber geht man davon aus, dass die Triebwerke neu sind und von Rolls-Royce gewartet worden sind, und im Lichte dessen, was wir mit dem Triebwerk erlebt haben glauben wir, dass es eine Frage des Materials oder des Designs ist,» sagte er.
Die Maschinen blieben am Boden, bis die Ingenieure sich von der Sicherheit überzeugt hätten, sagte Joyce. Qantas hofft, die Maschinen innerhalb von drei Tagen wieder in den Dienst stellen zu können. Ursprünglich sollten die A380 schon 48 Stunden nach dem Unglück wieder fliegen.
Am Wochenende hatte die australische Transportsicherheitsbehörde ATSB ein bei dem Unglück kaputt gegangenes Zahnrad als möglicherweise ausschlaggebendes Puzzlestück bei der Ursachenforschung bezeichnet. Es war kurz nach dem Start aus etwa 2000 Metern Höhe über der indonesischen Insel Batam zu Boden gestürzt. Ein Teil war sichergestellt worden, aber die Ermittler suchen den Rest und haben die Einwohner von Batam gebeten, jedes noch so kleine Trümmerteil, das zu der Qantas-Maschine gehört haben könnte, bei der Polizei abzugeben.
dpa
08.11.2010 | Berlin
Fünf Gesellschaften fliegen A380
Der Airbus A380 ist das größte Passagierflugzeug der Welt. Fünf Fluggesellschaften setzen derzeit auf den Riesenflieger. Seine Triebwerke stammen entweder von Rolls-Royce oder von Engine Alliance, einem Verbund der US-Konzerne General Electric und Pratt & Whitney:
- EMIRATES: 13 Maschinen im Einsatz; Triebwerke von Engine Alliance
- SINGAPORE AIRLINES: 11 Maschinen; Triebwerke Rolls-Royce
- QANTAS: 6 Maschinen; Triebwerke Rolls-Royce
- AIR FRANCE: 4 Maschinen; Triebwerke Engine Alliance
- LUFTHANSA: 3 Maschinen; Triebwerke Rolls-Royce
- Engine Alliance...»
- Lufthansa... »
- Singapore Airlines... »]

04.11.2010 | Singapur
Riesen-Airbus muss nach Triebwerkschaden notlanden
Augenzeugen sehen schwarzen Rauch, ein Passagier spricht von einem lauten Knall. Ein Airbus A380, das größte Passagierflugzeug der Welt, gerät am Himmel in Gefahr. Ein Triebwerk hat einen Schaden. Doch die Landung läuft glatt.
Ein Riesen-Airbus A380 der australischen Fluglinie Qantas ist mit 459 Menschen an Bord nach einer Explosion in der Luft in Singapur notgelandet. Das bestätigte eine Sprecherin der Zivilluftfahrtbehörde von Singapur der Nachrichtenagentur dpa. Verletzt wurde dabei am Donnerstag wohl niemand. Qantas sprach von einem Problem an einem Triebwerk. Der A380 ist das größte Passagierflugzeug der Welt.
Ersten Erkenntnissen zufolge hatte sich am Triebwerk Nummer zwei der vierstrahligen Maschine der hintere Teil aus noch unbekannter Ursache gelöst. Die australische Gesellschaft sagte alle Flüge mit dem Riesen-Airbus ab. Qantas teilte mit: «Wie in diesen Fällen üblich, hat der Pilot sich um eine schnelle Landeerlaubnis für die Rückkehr nach Singapur bemüht.»

Das Flugzeug war praktisch voll besetzt. In der Economy-Klasse saß auch der Deutsche Ulf Waschbusch. «Der Start verlief ganz normal, ich saß auf der linken Seite direkt am Flügel der Maschine, auf einem Fensterplatz und sah hinaus», sagte der 33-Jährige aus dem Saarland, der in Singapur arbeitet. «Nach fünf Minuten hörten wir dann plötzlich einen Knall, von links. Ich sah dort dann Teile aus dem Flügel brechen.» Es sei wie im Film gewesen, «ganz surreal, nur, dass man nicht im Kino sitzt und einen Horrorfilm anschaut», sagte er.
Nur einen kurzen Moment sei der Gedanke «Nun ist alles aus» dagewesen, sagte Waschbusch. «Man bekommt erstmal Panik und fragt sich sofort: Was passiert als nächstes?» Die Maschine sei aber ruhig weitergeflogen. «Es hat nichts geruckelt, so waren wir alle ziemlich schnell beruhigt.» Die Piloten hätten die mehr als 400 Passagiere ständig auf dem Laufenden gehalten. Die Landung sei unspektakulär verlaufen.
«Die Maschine landete um 11.47 Uhr», sagte die Sprecherin der Zivilluftbehörde. Das war 4.47 Uhr MEZ. Flug QF32 war um 9.56 Uhr (Ortszeit) in Singapur in Richtung Sydney gestartet.

«Qantas-Chef Alan Joiyce sagt, dass die A380-Flüge eingestellt werden, bis wir sicher sind, dass die Qantas-Sicherheitsvorgaben eingehalten werden», teilte das Unternehmen in Sydney mit. Qantas schicke eine andere Maschine nach Singapur, um die gestrandeten Passagiere von dort am Freitag nach Sydney zu fliegen.
Erste Berichte über ein in Not geratenes Flugzeug waren von der indonesischen Insel Batam unweit von Singapur gekommen. «Wir haben eine laute Explosion gehört und dann am Flügel dicken schwarzen Rauch gesehen», sagte ein Augenzeuge namens Reinhard dem Fernsehsender Metro TV. Die Einwohner von Bantam fanden bis zu einen Meter lange Trümmerstücke auf dem Boden, auf denen das Qantas-Logo zu erkennen war. Nach Angaben der indonesischen Flugsicherheitsbehörde ließ die Maschine vor der Notlandung über Indonesien Flugbenzin ab.
Die Lufthansa will vorerst keine Flüge ihres neuen Flaggschiffes Airbus A380 streichen. Sämtliche angekündigten Flüge mit dem Großflugzeug fänden statt, erklärte ein Sprecher der Fluggesellschaft in Frankfurt am Donnerstag. Nach den Triebwerksproblemen der Qantas-Maschine werde man aber das Gespräch mit dem Hersteller Rolls-Royce suchen. Die A380-Flieger der Lufthansa sind mit den gleichen Trent-900-Triebwerken des Herstellers Rolls-Royce ausgestattet, die auch bei den Qantas-Maschinen im Einsatz sind.

Ermittler aus Frankreich und Großbritannien werden die Untersuchungen begleiten. Eine Sprecherin der französischen Luftfahrtbehörde BEA sagte der Nachrichtenagentur dpa in Paris, gemäß internationaler Standards würden aus dem Herstellerland von Flugzeug und Triebwerk Experten hinzugezogen. Alle Untersuchungen würden von der australischen Luftfahrtbehörde ATSB geleitet. Da der Zwischenfall über Indonesien passiert sei, würden auch Ermittler dieses Landes daran beteiligt werden. Airbus sagte zu, alle Arbeiten aktiv zu unterstützen.
Im September 2009 musste ein Airbus A380 der Singapore Airlines mit 450 Insassen wegen eines Triebwerkschadens in Paris notlanden. Eines der Triebwerke war in der Luft stehengeblieben. Die A380 kehrte um und landete sicher. Im März dieses Jahres platzten zwei Reifen bei einer A380 von Qantas bei der Landung in Sydney. Die Maschine kam ebenfalls sicher an.
Als erste Fluggesellschaft stellte Singapore Airlines die Maschine im Oktober 2007 in den Dienst. Seitdem fliegen weltweit nach Airbus-Angaben 37 Maschinen dieses Typs, die zusammen bereits mehr als 7 Millionen Passagiere beförderten. Bislang waren die Riesenvögel bei etwa 20 000 Flügen rund 180 000 Stunden in der Luft.




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