DEUTSCHLAND/WELT

25.11.2010 | Berlin
Startschuss für anonyme Bewerbungen
Ausländer, ältere Menschen und Mütter von Kleinkindern sollen bei der Bewerbung für eine Arbeitsstelle nicht mehr vorzeitig unter den Tisch fallen. Deshalb startet heute (Donnerstag/14.00) ein Pilotprojekt für anonyme Bewerbungen. Dabei erhalten Personalchefs nur noch Informationen über die Qualifikation der Bewerber, aber nicht mehr über Alter, Geschlecht, Familienstand oder Herkunft.
Unter Federführung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes beteiligen sich an dem einjährigen Testlauf fünf Unternehmen - darunter die Telekom und die Post - sowie das Bundesfamilienministerium, die Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen und die Verwaltung einer noch unbekannten norddeutschen Stadt. Hintergrund ist eine aktuelle Studie, wonach sich zum Beispiel bei einem türkisch klingenden Namen die Chance auf ein Vorstellungsgespräch bis um 24 Prozent verringert.
Quelle: dpa
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24.08.2010 | Berlin
Test mit anonymen Bewerbungen startet im Herbst
Wer einen ausländischen Namen hat, Älter als 50 oder Mutter von Kleinkindern ist, fühlt sich auf dem Arbeitsmarkt oft benachteiligt. Im Herbst startet nun ein Pilotprojekt, bei dem sich Menschen anonym um ausgeschriebene Stellen bewerben können.
Lebenslauf ohne Name, Alter und Foto: In einem Pilotprojekt testen fünf Unternehmen und das Familienministerium ab kommenden Herbst anonymisierte Bewerbungsverfahren. Nur die Qualifikation soll darüber entscheiden, wer zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird. Die Bewerbung soll kein Foto und keinen Name enthalten und auch auf Angaben über Alter, Geschlecht, Familienstand und Herkunft verzichten. Damit sollen Vorurteile oder Vorlieben der Personalchefs keine Rolle mehr spielen.
Der einjährige Test soll wissenschaftlich ausgewertet werden, wie die Antidiskriminierungsstelle des Bundes am Dienstag in Berlin mitteilte. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hatte kritisiert, die Pläne seien schwer umsetzbar - sie erhöhten die Bürokratie. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders, sagte dagegen, die Verfahren hätten sich in anderen Ländern bewährt.

Nach Angaben von Lüders klagten beispielsweise Frauen, dass sie mehr Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch hätten, wenn sie die Kinder in der Bewerbung nicht erwähnten. Auch ältere Menschen beschwerten sich immer wieder, dass sie keine Einladung erhielten, obwohl sie für die ausgeschriebene Stelle die verlangten Qualifikationen vorweisen könnten. Und ein Ingenieur mit arabischem Nachnamen und erfolgreich abgeschlossenem Zweitstudium in Deutschland berichtete, seine Bewerbungen seien zum Teil innerhalb eines Tages abgelehnt worden. Wenn er sich nach einer Absage unter anderem Namen nach der Stelle erkundigt habe, sei sie stets noch frei gewesen.
Zur Kritik der Arbeitgeber befragt, sagte Lüders: «Ich glaube, dass alles, was neu ist, erst einmal erschreckt.» Sie trat Befürchtungen entgegen, dass es einen Zwang zu anonymisierten Verfahren geben könnte: «Bei unserer Initiative setzen wir auf Überzeugung und Freiwilligkeit.» Der Pilotversuch solle zeigen, ob anonyme Bewerbungen Probleme bereiten und ob sie Menschen, die sich benachteiligt fühlen, mehr Chancen bringen. In anderen Ländern liefen die Ausschreibungen meistens über das Internet. Die Bewerbungsmaske im Netz zu ändern, sei kein großer Arbeit, meinte Lüders.




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