DEUTSCHLAND/WELT
UNFALL BEI "WETTEN, DASS...?" | DAS SAGEN GOTTSCHALK & ELSTNER | PORTRAIT WETT-KANDIDAT
ZDF WILL KONSEQUENZEN ZIEHEN | SPEKTAKULÄRE WETTEN DER LETZTEN JAHRE


26.01.2011 | Köln
Kochs Unfall «Verkettung unglücklicher Umstände»
Der Unfall von Samuel Koch bei «Wetten, dass..?» geht einem unabhängigen Experten zufolge auf «eine Verkettung von unglücklichen Umständen» zurück. Der Biomechaniker Gert-Peter Brüggemann von der Deutschen Sporthochschule in Köln stellte am Mittwoch ein wissenschaftliches Gutachten zu dem Unfall vor.
Brüggemanns Schlussfolgerung lautet: «Bei dem Unfall handelt es sich um eine Verkettung von unglücklichen Umständen, wobei die Unfallursache eindeutig auf einen Bewegungsfehler des Kandidaten zurückzuführen ist. (...) Ob die Risikobeurteilung durch das ZDF hinreichend und genügend war, ist schwer zu beurteilen.» Auch eine interne Untersuchung des ZDF sieht kein schuldhaftes Verhalten.
ZDF-Intendant Markus Schächter zog die Bilanz: «Die notwendigen und möglichen Sicherheitsmaßnahmen waren eingehalten, trotzdem gibt es künftig strengere Auswahlkriterien.» Bei der Auswahl von Wetten würden in Zukunft strengere Maßstäbe angelegt.
In der Sendung am 4. Dezember war Samuel Koch mit Sprungstelzen über entgegenkommende Autos gesprungen. Dabei war der 23-Jährige gestürzt und hatte sich schwer verletzt. Er ist seitdem gelähmt.
Quelle: dpa

13.12.2010 | Nottwil
Chefarzt: Samuel Koch wird nie mehr normal laufen
Der verunglückte «Wetten, dass..?»-Kandidat Samuel Koch wird nach Einschätzung seines behandelnden Arztes den Rest seines Lebens unter den erlittenen Verletzungen leiden. «Er wird nie mehr normal laufen», sagte der Chefarzt des Paraplegiker-Zentrums, Michael Baumberger.
«Ein normales Leben, wie das eines Menschen ohne Verletzung, wird er nicht mehr haben», sagte Baumberger. Derzeit sei die Verfassung des 23-Jährigen stabil. Doch erst die nächsten Wochen könnten zeigen, wie eine Genesung aussehen könnte, sagte der Arzt.

Koch war Samstag vor einer Woche in der ZDF-Show als Wettkandidat zu Gast. Beim Versuch, mit Sprungstelzen über fahrende Autos zu springen, stürzte er schwer. Wegen Verletzungen an der Halswirbelsäule wurde er in der Universitätsklinik Düsseldorf zwei Mal operiert und dann in die Spezialklinik in die Schweiz verlegt. Dort wird er weiter auf der Intensivstation betreut. Die Lähmungen an Beinen und Armen und des vegetativen Nervensystems hätten sich bestätigt, hieß es in Nottwil.
Diese «Tetraplegie» stelle eine schwere Belastung für die ganze Persönlichkeit dar, sagten die Ärzte. Er müsse somit auch psychologisch betreut werden, was auch für seine Familie gelte. Koch sei in die Spezialklinik verlegt worden, weil er aus dem nahe gelegenen Südbaden in Deutschland komme und weil die Düsseldorfer Ärzte das Institut empfohlen hätten, sagte Geschäftsführer Beat Villiger.
Der Patient befinde sich noch in der Frühphase seiner Querschnittlähmung, die sich jederzeit verändern könne, sagte Baumberger. «Samuel ist bei Bewusstsein, kann alle Fragen beantworten und bestimmt auch, was wir den Medien sagen dürfen», sagte der Arzt. Allerdings wolle er nicht, dass aktuelle Bilder gezeigt würden. Auch wolle der Patient unbedingt wissen, wie seine Zukunft aussehe. «Aber derzeit ist keine definitive Prognose möglich», sagte Baumberger.

Durch die derzeitige Lähmung des vegetativen Nervensystems, das Organe wie Herz, Magen, Darm kontrolliere, müsse Koch wieder alles neu trainieren. «Der Patient muss wieder lernen, wie er mit seinem Körper umgeht», beschrieb der Arzt die derzeitigen Aufgaben. Die betroffenen Nerven und Gefäße könnten sich aber auch verändern. Ein Mensch, der wie Koch sportlich durchtrainiert sei, habe dafür vermutlich mehr Möglichkeiten und Reserven als untrainierte Menschen.
Das Zentrum in Nottwil nordwestlich von Luzern ist nach Angaben von Geschäftsführer Villiger seit 35 Jahren eine Institution, die Patienten ihr ganzes Leben lang nach einem Unfall betreut. Dies beginne mit der ersten schwierigen Phase, in der sich jetzt Koch befinde. Dann folge eine ganzheitliche Rehabilitation. Auch müssten Patienten wieder in ihr Umfeld integriert werden, was der Klinik in bis zu 90 Prozent der Fälle gelinge, sagte Villiger. Wer die Kosten für Koch decke, sei noch nicht bekannt, sagte der Geschäftsführer. Das Zentrum sei jedoch nach Verträgen mit der EU auch zur Betreuung von Ausländern zugelassen.
Quelle: dpa

06.12.2010 | Düsseldorf
Aussicht auf Genesung von Samuel Koch ungewiss
Die Aussichten des verunglückten Wettkandidaten Samuel Koch auf vollständige Genesung sind ungewiss. Im günstigsten Fall könne sich der 23-Jährige zumindest teilweise erholen, im schlechtesten Fall bleibe er gelähmt, sagte Neurochirurg Prof. Hans-Jakob Steiger von der Düsseldorfer Uniklinik am Dienstag. Im Moment habe Koch schwere Lähmungen, es sei aber «viel zu unsicher», zu sagen, inwieweit diese sich zurückbilden werden. Der junge Mann war am Samstagabend in der ZDF-Sendung «Wetten, das..?» schwer gestürzt.
Endgültige Aussagen zu einer möglicherweise bleibenden Lähmung wollte Prof. Steiger nicht machen. «Das ist etwas, was ich zum jetzigen Zeitpunkt nur mit größter Unsicherheit abschätzen kann», sagte Steiger. «In einer Woche bin ich gerne bereit, dazu sehr viel dezidierter Stellung zu nehmen.» Alles andere sei Spekulation.

Koch wurde in der Nacht zum Dienstag ein zweites Mal operiert. Mit dem umfassenden Eingriff sollte das verletzte Rückenmark so gut wie möglich entlastet werden, wie der ärztliche Direktor der Uniklinik, Prof. Wolfgang Raab, erläuterte. Inzwischen habe man den 23-Jährigen aus dem künstlichen Koma geholt. «Samuel Koch ist wach und orientiert», sagte Raab. Der Patient liege weiter auf der
Intensivstation.
Zu der neuen, etwa dreistündigen OP habe man sich entschlossen, weil sich bei Koch eine fortschreitende Schwellung am Rückenmark abgezeichnet habe, erklärte Steiger. «Eine vollständige Erholung ist unserer Ansicht nach jetzt unwahrscheinlich», sagte er, ließ aber offen, ob dies einer dauerhaften Lähmung gleichkommen könnte oder damit andere Einschränkungen gemeint sein könnten. Es helfe dem Patienten, dass er als Hobby-Sportler sehr gut trainiert sei.
Koch war in der Livesendung «Wetten, dass..?» schwer gestürzt, als er nacheinander fünf entgegenkommende Autos auf Sprungstelzen überspringen wollte. Er zog sich eine schwere Verletzung der Halswirbelsäule mit einhergehender Schwellung des Rückenmarks zu. Nach einer Operation am Sonntag wurde er in ein künstliches Koma versetzt.
Quelle: dpa

06.12.2010 | Mainz/Düsseldorf
Konkrete Konsequenzen bei «Wetten dass..?» noch unklar
Der Unfall bei «Wetten, dass..?» erregt die Gemüter. Es wird über Quotendruck und Sensationsgier im TV diskutiert. Das ZDF weist Vorwürfe mangelnder Sicherheit zurück und bewahrt Ruhe: Über Konsequenzen werde später entschieden. Der Verletzte sei wichtiger.
Nach dem schweren Unfall bei «Wetten, dass..?» ist noch unklar, wie es mit der erfolgreichsten Fernsehshow Europas weitergeht. Das ZDF will erst dann konkrete Konsequenzen beschließen, wenn Klarheit über den Gesundheitszustand des verletzten Wettkandidaten besteht. «Wir sind alle schwer geschockt, im Fokus steht jetzt der Wettkandidat, und über Details wird später entschieden», sagte Sprecher Peter Gruhne am Montag in Mainz.

Während der Live-Übertragung der ZDF-Show am Samstagabend hatte sich ein Wettkandidat schwer verletzt. Der 23-jährige Samuel Koch war mit Federbeinen über fahrende Autos gesprungen und dabei gestürzt. Die Sendung wurde abgebrochen. Kochs Zustand war am Montag weiter kritisch. Er lag im künstlichen Koma. Er hatte laut Klinik eine komplexe Verletzung an der Halswirbelsäule erlitten und zeigte Lähmungserscheinungen.
Ob die nächste Show wie geplant im Februar in Halle (Sachsen-Anhalt) über die Bühne geht, dazu wollte sich Gruhne noch nicht äußern. Zugleich machte er klar, dass sich die Frage, ob das Moderatorenteam Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker weitermache, nicht stelle.
ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hatte bereits am Vortag betont, dass der Sender Konsequenzen aus dem tragischen Unglück ziehen werde. Gruhne betonte aber auch: «Es ist klar - so tragisch es ist - wir haben uns nichts vorzuwerfen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren gegeben.»

Das ZDF stehe in engem Kontakt mit Kochs Familie, sagte Gruhne. «Wir hoffen, dass es ihm sehr bald bessergeht. Jetzt steht die menschliche Seite im Vordergrund.»
Ob die Gäste, die am Samstag bei «Wetten, dass..?» auf der Couch sitzen oder auf der Bühne auftreten sollten, zu einem späteren Zeitpunkt geladen werden, werde zu gegebener Zeit entschieden. Unter anderem waren Take That und Justin Bieber geladen. Ob sie ihre vollen Gagen für den Abend erhalten, sei «Vertragssache». Dazu könne er nichts sagen, betonte Gruhne.
Zur Frage, ob das ZDF unter Quotendruck schon mal fragwürdige Wetten angenommen habe, betonte der Sprecher: «In der gesamten Geschichte ist noch nie ein grenzwertiges Wettangebot angenommen worden.» Nach Gruhnes Angaben gingen zuletzt nach jeder Sendung jeweils rund 1000 neue Wettangebote ein - «nur ein kleiner Prozentsatz bleibt aber am Ende übrig». So fallen unter anderem Wetten raus, die im Fernsehen nicht darstellbar sind, die nichts Außergewöhnliches zeigen oder solche, die unanständig sind.

Auch der frühere «Wetten, dass..?»-Moderator Wolfgang Lippert betonte, das Unfallrisiko sei natürlicher Bestandteil der ZDF-Show. Es gehe um Superlative - auch in der Vergangenheit habe es gefährliche Wetten gegeben, mit dem Risiko müsse man leben, sagte er dem Sender MDR Info. Es sei auf jeden Fall richtig gewesen, die Sendung nach dem Unfall abzubrechen. «Für mich hat es mit der Achtung vor dem Kandidaten zu tun. Ich hätte genauso entschieden.» Lippert hatte die Show Anfang der 90er Jahre von Gottschalk übernommen und neunmal moderiert. Danach war Gottschalk zurückgekehrt.
Grundsätzlich sei auszuschließen, dass Wetten nur genommen werden, weil sie potenzielle Quotenbringer sind, sagte Gruhne. Ohnehin: «Die spektakulären Wetten sind nicht zwingend Quotenbringer. Bei den Zuschauern kommt an, was sie selbst nachmachen können.»
Quelle: dpa
05.12.2010 | Düsseldorf
Entsetzen über schweren Unfall bei «Wetten, dass..?»

Schlimmer Unfall bei Thomas Gottschalks großer Samstagabendshow «Wetten, dass..?». Ein Kandidat liegt im künstlichen Koma. Er verletzte sich bei einer Wette schwer am Halswirbel. Alles eine Folge der Jagd nach Zuschauern?
Entsetzen über den Unfall bei «Wetten, dass..?», Sorge um den schwer verletzten Kandidaten Samuel Koch, eine neue Debatte um die Quotenjagd im deutschen Fernsehen. Das Unglück vor den Augen von 8,13 Millionen Fernsehzuschauen bei Thomas Gottschalks Wettshow am Samstagabend in Düsseldorf wird Folgen haben. Der Showmaster ist geschockt. ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut kündigte eine gründliche Untersuchung und Konsequenzen an.

Kochs Zustand war am Sonntag sehr kritisch. Der 23-Jährige war am Vorabend mit Federbeinen über fahrende Autos gesprungen und gestürzt. Koch liege im künstlichen Koma, auch wenn keine akute Lebensgefahr bestehe, sagte der ärztliche Direktor der Uniklinik Düsseldorf, Prof. Wolfgang Raab. Er habe eine komplexe Verletzung an der Halswirbelsäule. Sein Rückenmark sei verletzt. Koch habe Lähmungserscheinungen. Der Patient musste eine zweieinhalbstündige Notoperation überstehen. Ob Schäden bleiben könnten, wollte Raab nicht sagen.
Der passionierte Sportler hatte bei der ZDF-Liveshow in der Düsseldorfer Rheinhalle gewettet, mit Hilfe von Federbeinen über fünf fahrende Autos zu springen. Dafür schnallte er sich die Sprungfedern unter die Füße. Der Salto-Sprung gelang ihm bei zwei Wagen. Danach streifte er ein Auto, das ausgerechnet sein Vater steuerte. Der 23-Jährige geriet ins Trudeln und prallte mit voller Wucht auf den Boden. Dort blieb er regungslos liegen. Das ZDF brach die Übertragung ab - erstmals in der Geschichte der beliebten Sendung.

Die Unglücksshow hatte eine besonders hohe Zuschauerquote: 8,13 Millionen Menschen sahen die Sendung, das entsprach einem Marktanteil von 25,6 Prozent. Gottschalk sah seine Show nicht infrage gestellt. «Im Moment geht es weder um mein Moderatorenschicksal noch um die Zukunft der Sendung, sondern ausschließlich um die Gesundheit von Samuel», sagte Gottschalk der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
Der ZDF-Verwaltungsratschef Kurt Beck forderte eine Quotendebatte in dem öffentlich-rechtlichen Sender. Das ZDF dürfe gewissen Fragen nicht ausweichen. «Natürlich müssen wir über die Themen sprechen: Wann werden die Grenzen des Verantwortbaren überschritten? Wie viel Risiko darf man eingehen? Und natürlich müssen wir auch über die Themen Nervenkitzel, Waghalsigkeit und Quote reden», sagte Beck, der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz ist, der Zeitung «Die Welt».

Die Grünen-Medienpolitikerin Tabea Rößner warnte vor einem gefährlichen Buhlen um Fernsehzuschauer. Sie appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Fernsehmacher, «im Kampf um bessere Quoten das Maß nicht zu verlieren». Die Zuschauer müssten sich fragen, ob sie den Druck des Höher, Schneller, Weiter wollten.
ZDF-Programmchef Bellut kündigte an, Lehren aus dem Unfall zu ziehen: «Klar ist natürlich, dass wir bei "Wetten, dass..?" nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.»
Bereits bei den Proben war Koch gestürzt, wie er der «Badischen Zeitung» vor seinem Unfall sagte: «Der Wettteil klappt noch nicht. Bei den Proben am Donnerstag bin ich zweimal schwer gestürzt.» Die Proben hätten ihm zwar eine «gewisse Sicherheit» gegeben. «Ich bin aber doch noch skeptisch.»

Nach dem Unfall sagte Gottschalk im ZDF-«heute journal», es sei das erste Mal in seiner Karriere, dass er die erfolgreiche Show abgebrochen habe. «Wir wollen nicht auf heiter machen, wenn wir nicht heiter sind.» Für ihn seien die Ereignisse eine «ganz furchtbare Erfahrung». Der Sender will nötigenfalls Konsequenzen ziehen.
Das Unglück geschah kurz nach Beginn der 192. «Wetten, dass..?»-Ausgabe gleich bei der ersten Wette. Beim ersten Sprung mit den Federn, die als «Powerizer» oder «Poweriser» im Handel sind, kam der Hobby-Kunstturner Koch ohne Probleme über einen Kleinwagen. Beim vierten Versuch dann der Unfall. Koch studiert in Hannover und stammt aus Efringen-Kirchen in Baden-Württemberg.
Die Wettpaten, Komiker Otto Waalkes und Model Sara Nuru, reagierten ebenso geschockt wie das Saalpublikum. Fernsehleute spannten ein Tuch um die Unfallstelle. Gottschalk unterbrach die Sendung zunächst - das ZDF blendete Musikvideos ein. Dann brach Gottschalk die Sendung - bei der auch Take That und Justin Bieber auftreten sollten - komplett ab. «Ich bringe es nicht fertig, jetzt hier weiter zu moderieren», sagte er kreidebleich und schickte die Zuschauer mit den Worten nach Hause: «Ich entlasse Sie ratlos. Ich bin ratlos, Sie sind ratlos - und traurig sind wir alle.»




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