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DEUTSCHLAND/WELT

 

PISA: DEUTSCHLAND HOLT AUF   |   LESEFÖRDERUNG   |   STICHWORT: PISA   |   TEST-AUFGABEN

08.12.2010 | Berlin

Pisa-Studie: Weiterbildung von Lehrern gefordert

 

Nach der Veröffentlichung der jüngsten Pisa-Studie haben Bildungsexperten als Konsequenz unter anderem eine bessere Qualifikation von Lehrern gefordert.

«Um die Weiterbildung von Lehrern steht es im Vergleich zu anderen Berufen sehr schlecht», sagte der Wissenschaftler Ewald Terhart von der Universität Münster der Nachrichtenagentur dpa. Um die anhaltend schlechten Schulleistungen von Kindern aus sozial schwachen Familien zu verbessern, müssten bereits in den Kindergärten stärker qualifizierte Erzieher zum Einsatz kommen.

In dem am Dienstag in Berlin vorgestellten neuen Pisa-Schultest der OECD kann Deutschland im Vergleich zu den Vorjahren zwar Erfolge aufweisen, bleibt aber international oft nur Durchschnitt. In Naturwissenschaften und Mathematik erzielen die 15-jährigen Schüler in Deutschland allerdings jetzt Leistungen, die oberhalb des Durchschnitts der 34 wichtigsten Industrienationen liegen.

In der wichtigsten Lerndisziplin, dem Lesen und Verstehen von Texten, rangiert Deutschland aber weiter nur im Mittelfeld der Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Äußerst problematisch bleibt weiter die Förderung von Migrantenkindern und Schülern aus bildungsfernen Elternhäusern. In der entsprechenden OECD-Tabelle belegt Deutschland dabei den letzten Platz.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht Deutschland auf dem richtigen Weg. «Wir sollten zuerst einmal darauf schauen, was wir alles geschafft haben», sagte Schavan der «Passauer Neuen Presse» (Mittwoch). «In Mathematik und in den Naturwissenschaften liegen wir inzwischen deutlich über dem OECD-Schnitt - und auch beim Lesen sind die deutschen Schüler stärker geworden.» Die Schulleistungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund hätten sich erheblich verbessert. «Die Zahl der Sitzenbleiber und der Schulabbrecher ist weiter gesunken», betonte die Ministerin.

 

Eine bessere Lehrerausbildung mahnt auch Sachsens Kultusminister Roland Wöller (CDU) an. «Der Bund sollte gemeinsam mit den Ländern eine Exzellenzinitiative ins Leben rufen», sagte der CDU-Politiker der dpa. Wenn der Aufwärtstrend bei Pisa anhalten solle, müsse mehr in die Qualität der Lehrerausbildung investiert werden. Zudem sei es nötig, die nahezu unübersichtliche Zahl einzelner Bildungsprogramme zu systematisieren. «Man muss auch nach der Wirkung fragen», sagte Wöller. Der Minister kündigte an, diese Frage im kommenden Jahr mit seinen Kollegen von Bund und Ländern zu erörtern.

Der Präsident der Universität Hamburg, Dieter Lenzen, kritisierte den deutschen Bildungsföderalismus als «unglaubliche Leistungsbremse». Ungeachtet der verbesserten Testergebnisse gebe es in der Bildungspolitik immer noch reichlich Nachholbedarf, sagte Lenzen der dpa. Als «richtigen Weg» bezeichnete Lenzen den bundesweiten Trend zum Zentralabitur und zu zentralen Standards.

Es sei nachvollziehbar, dass bildungsstarke Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg am Föderalismus in der Bildungspolitik festhalten wollten. Auf lange Sicht sei es aber nicht vertretbar, damit den Schwächeren zu schaden, sagte Lenzen. Hamburg hatte in der Pisa-Ergänzungsstudie von 2008 im bundesdeutschen Bildungsvergleich den vorletzten Platz belegt; auf den letzten Platz kam Bremen.

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07.12.2010 | Berlin

Pisa: Deutsche Schulen leicht verbessert

 

Die deutschen Schulen sind seit dem ersten Pisa-Test vor zehn Jahren etwas besser geworden. In Mathematik und Naturwissenschaften erzielen 15-jährige Schüler hierzulande jetzt Leistungen, die oberhalb des Durchschnitts der 34 wichtigsten Industrienationen der Welt liegen.

Im Lesen und beim Verstehen von Texten sind deutsche Schüler allerdings weiter nur Mittelmaß. Dies zeigt der am Dienstag in Berlin vorgestellte neue Pisa-Schultest der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Absolute Spitzenwerte in allen Disziplinen erreichen die Schüler aus der Region Shanghai (China), die erstmals an dem weltweiten Schultest teilnahmen. Erneut ganz vorn liegen Korea, Finnland, die Region Hongkong, Singapur und Kanada. Die 15-Jährigen aus diesen Ländern sind Gleichaltrigen aus Deutschland in ihrem Wissen und Können zum Teil ein bis zwei Schuljahre voraus.

Auffällig ist erneut die hohe Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland. Die Zahl der 15-jährigen Risikoschüler, die beim Eintritt ins Berufsleben nur auf Grundschulniveau Texte verstehen können, ist in der Bundesrepublik allerdings in den vergangenen zehn Jahren von 22,6 Prozent auf 18,5 Prozent eines Jahrganges zurückgegangen. Nach Aussage der Pisa- Forscher ist diese Zahl nach wie vor zu hoch.

Die Veröffentlichung des ersten Tests hatte in der deutschen Öffentlichkeit einen Schock ausgelöst. In allen Disziplinen erreichten die Schüler aus der Bundesrepublik nur Werte unterhalb des Durchschnitts der Industrienationen. Diesmal wurden beim Leseverständnis 497 Leistungspunkte gemessen - 13 mehr als noch vor zehn Jahren. 40 Punkte der Pisa-Skala entsprechen in etwa dem Lernfortschritt von einem Schuljahr. Der aktuelle OECD-Schnitt beträgt beim Lesen 493 Punkte.

Ins Auge springt allerdings, dass die Steigerung der Leseleistung vor allem in den ersten drei Jahren nach dem deutschen Pisa-Schock erzielt wurde. Zwischen dem vorletzten Test 2006 und der jetzt vorgestellten Untersuchung aus 2009 beträgt der Leistungszuwachs nur zwei Punkte, was statistisch als unbedeutsam gilt. In den Bundesländern gibt es inzwischen 17 Programme zur Leseförderung. Wegen der stagnierenden Leseleistung hatte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Vortag ein weiteres Programm für Kinder aus sozialen Brennpunkten angekündigt.

In Mathematik kommt Deutschland auf 513 Punkte (2000: 490 Punkte). Pisa-Sieger Shanghai erzielt dabei den absoluten Spitzenwert von 600 Punkten - bei einem OECD-Schnitt von 496. In den Naturwissenschaften erzielte Deutschland den größten Fortschritt und kommt jetzt auf 520 Punkte (2000: 487 Punkte) - bei einem OECD-Schnitt von 501 Punkten.

Verbessert hat sich die Schulsituation für Migrantenkinder in Deutschland. Doch noch immer schneiden Schüler aus Familien, deren Eltern nicht in Deutschland geboren wurden, im Schnitt um 56 Pisa- Punkte schlechter ab als gleichaltrige Einheimische. 2000 betrug dieser Abstand allerdings noch 84 Pisa-Punkte, also mehr als zwei Schuljahre.

An dem weltweit größten Schultest der OECD haben diesmal 65 Staaten und Regionen teilgenommen. Untersucht wurden die Leistungen von 470 000 Heranwachsenden. In Deutschland machten diesmal 4970 Schüler aus 223 Schulen mit. Schwerpunkt der Untersuchung war diesmal - wie schon beim ersten Test 2000 - Lesen und Textverständnis. Dies gilt als wichtigste Schlüsselkompetenz für das Lernen.

Quelle: dpa

Informationen OECD: www.pisa.oecd.org
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07.12.2010 | Berlin

Zöllner zu Pisa: weiter großer Förderbedarf bei Migranten

Nach der Veröffentlichung der neuen PISA-Ergebnisse sieht Berlins Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) weiter großen Förderbedarf für Migranten und Kinder aus sozial schwachen Familien. PISA zeige, dass es in diesem Bereich Fortschritte gebe, aber noch keinen Durchbruch, sagte Zöllner am Dienstag. Der Senator sieht Berlin aber auf einem guten Weg. In sozialen Brennpunkten stünden Schulen zum Beispiel mehr Unterrichtsstunden zu, in den Kitas zusätzliche Erzieherstellen. Die Effekte der jüngsten Berliner Bildungsreformen würden sich jedoch erst in den nächsten Jahren zeigen, sagte Zöllner.

Die PISA-Ergebnisse insgesamt wertete Zöllner als erfreulich. In Deutschland gab es im Vergleich zum Jahr 2000 deutliche Verbesserungen der Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften. Weniger Fortschritte gab es beim Leseverständnis. Eine Kluft bleibt je nach Herkunft der Jugendlichen. Noch immer schneiden Schüler aus Familien, deren Eltern nicht in Deutschland geboren wurden, deutlich schlechter ab als gleichaltrige Einheimische. 2000 betrug dieser Abstand 84 Pisa-Punkte, also mehr als zwei Schuljahre. Nun sind es 56 Punkte.

An der internationalen PISA-Studie, dem weltweit größten Schultest der OECD, haben in Deutschland 2009 rund 5000 Schüler im Alter von 15 Jahren teilgenommen. In Berlin beteiligten sich sechs Schulen: eine Haupt-, eine Real-, zwei Gesamtschulen sowie zwei Gymnasien mit insgesamt rund 500 Schülern.

Quelle: dpa
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