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16.12.2010 | Berlin

Tief «Petra» bringt Schnee und Sturm

 

Eine gewaltige Schneefront ist am Donnerstag über Deutschland hinweggezogen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach gab für fast alle Bundesländer Unwetterwarnungen heraus. Sturmtief «Petra» brachte aus Nordwesten kommend von Schleswig-Holstein bis nach Bayern massive Schneefälle.

 

Heftiger Wind türmte Schneeverwehungen auf. Hunderttausende Kinder mussten nicht zur Schule gehen. So dick sie auch ist, ob die Schneedecke bis Weihnachten hält, ist eine Woche vor dem Fest noch unsicher - und eher unwahrscheinlich.

 

Am Mittag hatte die Front mit bis zu 20 Zentimetern Neuschnee zunächst Norddeutschland erreicht. Graupel und gefrierender Regen verwandelten Straßen in Hamburg und Schleswig-Holstein in Rutschbahnen. Starker Schneefall und Schneeverwehungen seien voraussichtlich bis Freitagmorgen zu erwarten, teilte der DWD mit. Auf der DWD-Warnkarte waren große Teile Deutschlands rot eingefärbt.   

In Nordrhein-Westfalen hieß es am Abend: «Es gibt Autobahnen, wo nichts mehr geht.» So wurde die Autobahn 43 zwischen Sprockhövel und Wuppertal gesperrt. Auf der Autobahn 1 zwischen Köln und Wuppertal summierten sich die Staus auf bis zu 40 Kilometer Länge. Die Feuerwehr sei im Einsatz und versorge gestrandete Autofahrer, sagte ein Polizeisprecher. Im Raum Dortmund kamen Busse teils nicht mehr durch, Fahrgäste mussten sich zu Fuß durch den Schnee kämpfen. In Essen kamen Autos wegen der Glätte nicht vom Fleck. «Die Polizei musste die Fahrzeuge teilweise entwirren und in die richtige Spur bringen», hieß es.

 

In Rheinland-Pfalz drückten die Landtagsabgeordneten aus Angst vor dem Schnee auf die Tube: Sie verabschiedeten in Mainz in Rekordzeit den Haushalt 2011 und die Verankerung der Schuldenbremse in der Landesverfassung. Die Sitzung endete am frühen Nachmittag - rund drei Stunden eher als geplant. Landtagspräsident Joachim Mertes (SPD) sagte: «Das zeigt, dass es eigentlich immer so schnell gehen könnte.» Hilfsorganisationen legten vielerorts Decken, Schlafsäcke und Lebensmittel bereit, um steckengebliebenen Autofahrern helfen zu können.

 

Auf dem Flughafen Düsseldorf wurden am Abend beide Bahnen wegen heftigen Schneefalls geschlossen. Am Frankfurter Flughafen wurden rund 100 von knapp 1400 Flügen gestrichen. 75 Flüge, meist Kurzstrecken, seien wegen Problemen an anderen Flughäfen nicht nach Frankfurt gekommen, sagte ein Sprecher. Die Situation sei nicht dramatisch, es gebe aber Verzögerungen. Bei der Bahn gab es zunächst nur vereinzelt Verspätungen und Ausfälle.

Zu Hause bleiben durften die Schüler in Schleswig-Holstein, Schüler in Dortmund, Hamm und dem Münsterland bekamen nach einigen Stunden unterrichtsfrei. In Hamburg brauchten 150 000 Schüler ihren Tornister nicht zu packen, auch Kinder in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen mussten nicht zur Schule oder durften eher heim. In Mecklenburg-Vorpommern und Oberfranken sollten die Schüler auch am Freitag zu Hause bleiben, ebenso in einigen Orten Thüringens sowie voraussichtlich in der Hälfte der sächsischen Landkreise und in Chemnitz.

 

In der Nähe von Magdeburg kam am Donnerstagmorgen eine Autofahrerin bei einem Unfall auf spiegelglatter Straße ums Leben. Ein Geländewagen hatte das Auto der 23-Jährigen gerammt. Etliche Straßen in Sachsen-Anhalt waren wegen Schneeverwehungen nicht passierbar. Auf dem Standstreifen der Autobahn 9 bildeten sich Kolonnen stehender Lastwagen. Die Parkplätze waren so überfüllt, dass rund 200 Brummis nur noch auf dem Standstreifen parken konnten.

 

In Bayern starb eine 27-Jährige, die mit ihrem Auto auf schneeglatter Straße auf die Gegenfahrbahn geriet und gegen einen Lastwagen fuhr. Der ADAC kritisierte den Leichtsinn vieler Autofahrer. «Sie fahren zu dicht auf und mit zu hoher Geschwindigkeit», sagte ADAC-Sprecher Maximilian Maurer in München. «Wenn die Straße gut gesalzen ist und es mal voran geht, denken die Autofahrer nicht dran, dass sie auch wieder bremsen müssen.»

In der Nacht zum Donnerstag war es in vielen Regionen knackig kalt. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia zeigte das Thermometer in Haidmühle im Bayerischen Wald bis zu minus 24 Grad. Minus 18 Grad wurden am östlichen Stadtrand Berlins gemessen.

Auch in anderen Ländern Europas herrschte eisiges Winterwetter. In den Bergregionen Italiens gab es Kälte-Rekorde. Auf dem Cimabanche- Pass in den Dolomiten wurden minus 22 Grad gemessen, auf der Punta Helbronner im Aostatal minus 25 Grad. In einigen Regionen Griechenlands blieben die Schulen geschlossen. Zahlreiche Landstraßen waren nur mit Schneeketten befahrbar, wegen des heftigen Windes fielen Fährverbindungen in der nördlichen Ägäis aus.

In Bulgarien hatten viele Orte keinen Strom mehr, weil ein Schneesturm die Leitungen beschädigt hatte. Im Süden und Westen blieben Autos auf verschneiten Landstraßen stecken. Auch in Tschechien wurden wichtige Verkehrsverbindungen lahmgelegt. Mehrere Autobahnen waren schon seit Mittwoch gesperrt. In der Nacht fielen die Temperaturen bis auf minus 31 Grad im nordböhmischen Jizerka. Eisenbahnschienen wurden brüchig.

Für die Feiertage deuten sich in den Computermodellen für Deutschland mildere Temperaturen an, sagte die DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold. Dieses typische «Weihnachtstauwetter» hatte auch im vergangenen Jahr die weiße Pracht rasch schmelzen lassen. Genaue Prognosen seien aber nur vier Tage im Voraus möglich, betonte Paetzold.

Quelle: dpa
16.12.2010 | Berlin

Hintergrund: Weiße Weihnachten immer seltener

Schnee macht den Menschen zur Zeit in weiten Teilen Deutschlands zu schaffen. Doch für die Festtage wünschen sich viele weiße Weihnachten.

 

Wie wahrscheinlich ist das?
Es kommt extrem selten vor, dass an Heiligabend und den beiden Feiertagen im ganzen Land Schnee liegt. Zuletzt war das 1981 der Fall. Am schneesichersten ist das Fest im Süden. Nach einer Statistik des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach gibt es in München etwa alle drei Jahre einen weißen Heiligabend. In Berlin, Leipzig, Dresden, Hannover und Frankfurt am Main liegt demnach in jedem fünften Jahr am 24. Dezember Schnee, in Hamburg in jedem achten.

Wie sind die Prognosen der Wetterexperten?

Nach DWD-Angaben sind noch keine seriösen Vorhersagen für Weihnachten möglich. «Es kommt jetzt eine Schneefront durch und die Meteorologen wissen nicht, wie es danach weitergeht», sagte Pressesprecher Uwe Kirsche der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. Anfang kommender Woche wisse man mehr. Auf der Zugspitze und den Gipfeln der Mittelgebirge sei eine weiße Weihnacht allerdings relativ sicher.

Wann gilt Weihnachten als weiß?
Eine geschlossene Schneedecke und mindestens ein Zentimeter Schnee sind für den DWD die Voraussetzungen. In den Statistiken wird unterschieden, ob nur an Heiligabend oder auch an den beiden Feiertagen Schnee liegt. Die Wahrscheinlichkeit für drei weiße Tage ist geringer.

Warum wünschen sich viele Menschen gerade zu Weihnachten Schnee?
Eine glitzernde Schneedecke zaubert eine besondere Stimmung. Viele Menschen verbinden mit der «weißen Pracht» angenehme Dinge wie Romantik, Stille und fröhliche Kindheitserinnerungen. Der Wunsch nach weißer Weihnacht ist in vielen Kulturen tief verwurzelt. In zahlreichen alten und neuen Weihnachtsgeschichten spielt Schnee eine wichtige Rolle. In der Werbung wird Schnee als Symbol für ein glückliches Weihnachtsfest verwendet.

Werden weiße Weihnachten seltener?
Ja, da sind sich die Klimaforscher einig. «Das ist das Ergebnis des Klimawandels. Wir werden mildere Winter in Deutschland kriegen. Das bedeutet, dass das, was als Niederschlag fällt, weniger als Schnee, sondern mehr als Regen runterkommt», erklärte Kirsche. «Das schließt aber nicht aus, dass es einzelne, kernig-kalte Winter geben wird.»

Quelle: dpa
16.12.2010 | Berlin

Winter drückt auf Geschäft am Bau

 

Schnee und Eis vermasseln der Bauwirtschaft in der Region das Geschäft. Wegen des heftigen Wintereinbruchs zeichnet sich in diesem Jahr ein Umsatzminus von zwei Prozent ab, wie der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg am Donnerstag mitteilte. Im kommenden Jahr peilt die Branche einen stabilen Umsatz von 5,35 Milliarden Euro an - wenn das Winterwetter nicht wie Anfang 2010 wieder wochenlang Baustellen lahmlegt. Die Zahl der Beschäftigten in beiden Ländern dürfte mit durchschnittlich 33 600 konstant bleiben. Großes Sorgenkind der Branche ist der Straßenbau. Insgesamt sind die Aussichten in Berlin besser als in Brandenburg. Der Auftragseingang lag in der Hauptstadt bis Ende September rund 47 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums, wie der Verband mitteilte. In der Mark wurde dagegen ein Rückgang von 8,3 Prozent verzeichnet. Positiv entwickelt sich die Nachfrage vor allem im Wohnungsbau. Die Bauindustrie rief die Landesregierungen dazu auf, wichtige Projekte wie den künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld nicht schlecht reden zu lassen.

Quelle: dpa

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