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  • Angriff auf Charles und Camilla

DEUTSCHLAND/WELT

 

10.12.2010 | London

Charles und Camilla bei Protesten angegriffen

 

Nach einem Abend der Gewalt in der Londoner Innenstadt hat in Großbritannien eine Diskussion über den Umgang der Polizei mit den Studentenprotesten eingesetzt.

Kritik gab es vor allem wegen einer Attacke auf Prinz Charles und seine Ehefrau Camilla. Im Londoner Regierungsviertel war am Donnerstag ein zunächst friedlicher Protestmarsch Tausender Studenten gegen höhere Studiengebühren in Randale gemündet. Dabei war auch die Limousine des britischen Thronfolgers angegriffen worden. Charles und Camilla blieben unverletzt.

Die Polizei verteidigte am Freitag die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der britischen Königsfamilie. Die Royals legten Wert darauf, nahe an der Bevölkerung zu sein und sich nicht abzuschotten, sagte der Chef von Scotland Yard, Paul Stephenson. Die Sicherheitsvorkehrungen seien darauf abgestimmt. Die Situation am Donnerstag aber sei extrem schwierig und nicht vorhersehbar gewesen.

Bereits ab Mittag waren Studenten, Schüler, Eltern, Universitätsmitarbeiter und andere Demonstranten zum Parlament gezogen, wo der erste Schritt einer Reform der Studiengebühren zur Abstimmung stand. Unterschiedlichen Angaben zufolge sollen es 20 000 bis 30 000 Menschen gewesen sein. Am Rande der Demonstration entwickelten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Vor dem Parlament wurden Feuer angezündet, es flogen Farbbeutel und andere Wurfgeschosse, Gebäude wurden beschädigt. 12 Beamte und 43 Demonstranten wurden verletzt, 22 Menschen festgenommen.

Charles und Camilla fuhren auf dem Weg zu einer Theatervorführung durch die Menge, als ihr Rolls Royce kurzzeitig attackiert wurde. Demonstranten traten gegen das Auto, Farbbeutel wurden geworfen, eine Scheibe wurde beschädigt. Das Paar erreichte das Theater dennoch unverletzt und rechtzeitig.

Regierungschef David Cameron verurteilte den Übergriff auf den Thronfolger und dessen Frau als «schockierend und bedauerlich». Die Angreifer würden zur Verantwortung gezogen und «die volle Kraft des Gesetzes» zu spüren bekommen, sagte Cameron in der Nacht zum Freitag.

Trotz der Randale und Protesten aus den eigenen Reihen brachte die Koalitionsregierung aus Konservativen und Liberaldemokraten die umstrittene Gebührenerhöhung durch. Mit knapper Mehrheit wurde die Obergrenze, die Unis jährlich an Gebühren verlangen dürfen, auf 9000 Pfund (10 700 Euro) verdreifacht. Die Liberaldemokraten hatten im Wahlkampf noch versprochen, bei einer Erhöhung nicht mitzumachen. Jetzt stehen sie bei den Wählern in der Kritik und sind außerdem untereinander gespalten. Weniger als die Hälfte der liberalen Abgeordneten stimmten der Änderung zu. Auch sechs Konservative stimmten dagegen.

Die Erhöhung der Studiengebühren ist Teil eines Sparpaketes der Regierung, mit dem die maroden britischen Finanzen wieder stabilisiert werden sollen. In ihrem drastischen Sparprogramm hatte die Koalition angekündigt, künftig bis zu 40 Prozent bei der höheren Bildung einsparen zu wollen. Für die kommenden Wochen werden weitere Studentenproteste befürchtet, da noch Details der Gebührenreform zur Abstimmung stehen.

dpa

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