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  • Europäisches Galileo-System

DEUTSCHLAND/WELT

 

18.01.2011 | Bremen/Frankfurt

Galileo soll teurer werden - OHB-Manager stürzt über Wikileaks

Wirbel um den Bremer Satellitenbauer OHB und das europäische Galileo-System: Erst stürzte OHB-Manager Smutny über eine Wikileaks-Affäre, jetzt errechnet die EU-Kommission: Das Galileo-System wird laut Bericht 1,9 Milliarden Euro teurer als veranschlagt.


Der Aufbau des europäischen Satellitensystems Galileo dürfte deutlich teurer werden als bislang kalkuliert. Die Europäische Kommission veranschlagt für den Aufbau der Infrastruktur bis 2020 rund 5,3 Milliarden Euro, wie die «FAZ» (Dienstag) berichtet. Bislang war mit 3,4 Milliarden Euro kalkuliert worden. Derweil kämpft der Satellitenbauer OHB mit den Folgen einer brisanten Wikileaks-Veröffentlichung: OHB-Manager Berry Smutny, der Galileo als «Unfug» bezeichnet haben soll, wurde freigestellt. Das Unternehmen habe sich dazu gezwungen gesehen, «um einen immensen Reputationsschaden abzuwenden», sagte OHB-Sprecher Steffen Leuthold der dpa am Dienstag.

Smutny ist damit der erste deutsche Top-Manager, der wegen Veröffentlichungen der Enthüllungsplattform Wikileaks gehen muss. Bei OHB stand er der Systems-Sparte vor. Das Bremer Unternehmen hat einen ersten Auftrag für den Bau von Galileo-Satelliten mit einem Volumen von mehr als einer halben Milliarde Euro.

Smutny soll Galileo gegenüber US-Diplomaten als «Verschwendung von Steuergeldern» und «Unfug» bezeichnet haben. Laut Wikileaks soll das Gespräch Anfang Oktober 2009 stattgefunden haben. Smutny war da erst kurze Zeit bei OHB. Insgesamt war er 18 Monate Vorstandschef der OHB-Systems AG.

Aufsichtsrat und Hauptversammlung hätten zur Entlassung Smutnys keine Alternative gesehen, heißt es in einer OHB-Mitteilung vom Montag. Dem OHB-Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Fuchs hatte der Manager demnach an Eides statt erklärt, die von Wikileaks zitierten Aussagen nicht gemacht zu haben. Smutnys Nachfolger wird bis auf weiteres der Vorstandschef der Muttergesellschaft OHB Technology AG, Marco R. Fuchs. Er übernimmt Smutnys Posten in Personalunion mit den Vorstandskollegen Fritz Merkle und Frank Negretti.

Galileo soll das bisherige Monopol der USA mit ihrem Global Positioning System (GPS) bei der Satellitennavigation brechen. OHB hatte unter Smutny im Januar 2010 den prestigeträchtigen Auftrag für den Bau von 14 Satelliten mit einem Volumen von 566 Millionen Euro bekommen. Der Start der ersten beiden Satelliten ist für 2012 vorgesehen. Im November kamen weitere Millionenaufträge für sechs Meteosat Wettersatelliten hinzu. Die OHB System AG ist eine Tochter der OHB Technology AG.

Die EU-Berechnungen über Kostensteigerungen bei Galileo sollten am Dienstagnachmittag in Brüssel vorgestellt werden. Demnach sollen jährlich 800 Millionen Euro für den Betrieb und die Instandhaltung anfallen, wie die «FAZ» berichtet. Bislang waren die jetzt mit 5,3 Milliarden veranschlagten Kosten für die Infrastruktur laut dem Zeitungsbericht bis 2014 mit 3,4 Milliarden Euro beziffert worden. Bis dahin solle das Satellitensystem zumindest teilweise einsatzbereit sein. Bei den Betriebskosten war bisher von 750 Millionen Euro ausgegangen worden.

Schon im Herbst habe die Behörde eingeräumt, dass bis 2020 weitere Kosten anfallen. Trotz des Kostenanstiegs halte die Kommission an dem Prestigeprojekt fest, schreibt die «FAZ». Der Markt für Satellitennavigation werde bis 2020 auf ein Volumen von 240 Milliarden Euro geschätzt.

Quelle: dpa

Pressemitteilung OHB... »

18.01.2011| Straßburg/Brüssel

Satellitensystem Galileo wird rund zwei Milliarden teurer

Das ehrgeizige Satelliten-Navigationssystem Galileo kommt die Europäer weit teurer zu stehen als bisher bekannt. Allein für den Aufbau der Technik veranschlagt die EU-Kommission jetzt insgesamt 5,3 Milliarden Euro - rund 1,9 Milliarden Euro zusätzlich. Dies geht aus einem Bericht hervor, den Industriekommissar Antonio Tajani am Dienstag vorstellte. Deutschland pocht trotz der Kostensteigerung auf einen vollständigen Aufbau des Galileo-Systems.


Aus dem EU-Haushalt werden Galileo und der Vorläufer Egnos zwischen 2007 und 2013 mit 3,4 Milliarden Euro finanziert - zur Fertigstellung der Infrastruktur dürften von 2014 bis 2020 weitere 1,9 Milliarden Euro nötig sein, heißt es in dem Tajani-Bericht. Zu den neuen Zahlen hieß es am Dienstag aus Kreisen der Bundesregierung, bei der Entwicklung so komplexer Systeme seien höhere Kosten in der Praxis fast unvermeidlich.

Der Europäische Rechnungshof kalkuliert schon seit längerem mit Kosten von mehr als fünf Milliarden Euro. Die jährlichen Betriebskosten von Galileo setzt die EU-Kommission jetzt mit 800 Millionen Euro an. Zuvor war laut «FAZ» von 750 Millionen Euro ausgegangen worden. «Wir begrüßen die bisherigen Fortschritte und sind fest entschlossen, dieses Projekt zum Erfolg zu führen», erklärte Tajani. Mit Galileo könne sich Europa in einer Wachstumsbranche behaupten, die durch die Globalisierung und den Eintritt von Schwellenländern geprägt sein werde. Das weltweite Geschäftsvolumen mit Satellitennavigations-Anwendungen sei kräftig gestiegen und werde für 2020 auf 240 Milliarden Euro geschätzt. Die ersten drei Dienste sollen ab 2014 angeboten werden und über zunächst 18 Satelliten laufen - 14 sind bei OHB in Bremen in Auftrag gegeben. Geplant ist, später zwei weitere Dienste bereitzustellen, sobald die volle Funktionsfähigkeit mit 30 Satelliten erreicht ist. Nach der Vergabe von vier Auftragspaketen an die Industrie mit einem Gesamtvolumen von 1,25 Milliarden Euro soll in diesem Jahr der Zuschlag für zwei letzte Pakete erteilt werden.

 

Mit Galileo wollen die EU und die Europäische Weltraumorganisation ESA die Vormachtstellung des US-Dienstes GPS (Global Positioning System) brechen. Galileo soll präziser als das amerikanische System arbeiten und weltweit die metergenaue Positionsbestimmung möglich machen. Auch China und Russland haben Systeme am Start. Deutschland will trotz höherer Kosten das Galileo-System komplett aufbauen: Bei der nächsten Finanzierungsstufe des Megaprojekts 2014, über die im laufenden Jahr verhandelt wird, müssten ausreichende EU-Mittel für Entwicklung und Betrieb von Galileo zur Verfügung stehen, hieß es am Dienstag in Kreisen der Bundesregierung. Zwischen den EU-Partnern wird derzeit auch diskutiert, ob es bei den geplanten Galileo-Navigationsdiensten - etwa zur Kontrolle von Verkehrs- und Datenströmen - abgespeckte Lösungen geben könnte.

Quelle: dpa

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