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15.05.2011 | Duisburg

Gravierende Polizeifehler bei Loveparade-Katastrophe

Bei der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten hat die Polizei nach Informationen des Magazins «Der Spiegel» gravierende Fehler gemacht.

 

Das gehe aus einem mehr als 400 Seiten starken Bericht der Duisburger Staatsanwaltschaft vom Januar 2011 hervor, schrieb die Zeitschrift. Hintergrund sei unter anderem ein ursprünglich nicht vorgesehener Schichtwechsel der zur Sicherung des Zugangsbereichs eingesetzten Polizeibeamten, wo im Juli vergangenen Jahres Zehntausende Raver durch einen engen Tunnel laufen mussten.

 

Ein Sprecher der Duisburger Staatsanwaltschaft wollte zu dem Bericht am Sonntag keine Stellung nehmen. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor Ermittlungen im Zusammenhang mit der Loveparade-Katastrophe gegen 16 Verdächtige bestätigt. Darunter sollen Vertreter der Polizei, des Veranstalters und der Stadt sein.

 

Ein Sprecher des Düsseldorfer Innenministeriums wies darauf hin, dass man sich erst nach der Vorlage eines endgültigen Ergebnisses äußern wolle, um die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht zu beeinflussen. Ohne Zustimmung der Polizei dürfe es keine Großveranstaltungen mehr geben, so der Sprecher.

 

Hintergrund des ursprünglich nicht vorgesehenen Schichtwechsels sei ein Erlass des Düsseldorfer Innenministeriums gewesen, so das Magazin. Dort sei wenige Wochen vor der Loveparade bestimmt worden, die Dienstzeit der eingesetzten Beamten auf maximal zwölf Stunden zu begrenzen, einschließlich An- und Abreise. Die Änderung des Einsatzbefehls habe polizeiintern für scharfe Kritik gesorgt. In Polizeikreisen hieß es, dass ein solcher Erlass üblicherweise dann herausgegeben werde, wenn die betroffene Behörde zunächst ein entsprechendes Konzept vorgelegt habe.

 

Wie aus Aktenvermerken hervorgehe, sei im Vorfeld wiederholt vor den Konsequenzen eines Schichtwechsels gewarnt worden, so der «Spiegel». Die geplante Ablösezeit am Nachmittag falle in die «kritische Einsatzphase» der Loveparade, in der man dann nur «eingeschränkt handlungsfähig» wäre. Die Kräfte könnten in dem Gedränge nur unter großen Schwierigkeiten ihren Einsatzort erreichen; für zwei Stunden könne nicht garantiert werden, dass polizeiliche Aufgaben ordnungsgemäß erfüllt würden. Genau diese Probleme seien später auch eingetreten, hieß es.

 

Quelle: dpa
18.01.2011 | Duisburg

Ermittlungen nach Loveparade: 16 Verdächtige

21 Menschen starben bei der Duisburger Loveparade. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft den Kreis der Verdächtigen auf 16 eingegrenzt. Oberbürgermeister Sauerland und Veranstalter Schaller sind nicht dabei.

Sechs Monate nach der Loveparade-Katastrophe ermittelt die Staatsanwaltschaft Duisburg jetzt gegen 16 Personen. Im Visier der Ermittler stehen Mitarbeiter von Stadt, Veranstalter und Polizei. Der im Kreuzfeuer der Kritik stehende Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und der Chef des Veranstalters Lopavent, Rainer Schaller, sind nach dpa-Information aus Justizkreisen  zunächst nicht dabei. Bei dem Unglück im Juli kamen 21 Menschen ums Leben.

Sauerland erklärte, städtische Mitarbeiter hätten keine Amtspflichten verletzt. Er werde alles tun, um seine Kollegen in der Stadtverwaltung zu unterstützen. Nach Informationen von «Spiegel Online» sind unter den Beschuldigten der Rechts- und der Stadtentwicklungsdezernent sowie die stellvertretende Leiterin des Ordnungsamtes und der sogenannte Crowd Manager von Lopavent sowie ein Leitender Polizeidirektor.

Gegen die Verdächtigen werde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung eingeleitet, teilte die Staatsanwaltschaft Duisburg am Dienstag mit. Bislang hatten sich die Ermittlungen gegen unbekannt gerichtet. Die Behörde wollte nicht ausschließen, dass noch weitere Personen in den Kreis der Beschuldigten einbezogen werden müssen. Namen nannte die Behörde nicht.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) betonte: «Die Verantwortlichen müssen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden. Auch im Interesse von Opfern und Angehörigen legen wir Wert auf eine umfassende Aufklärung.»

Vor dem Loveparade-Gelände war am 24. Juli 2010 ein qualvolles Gedränge entstanden, weil vorübergehend Zugänge und Ausgänge gesperrt wurden. 21 junge Menschen wurden zu Tode gedrückt und getrampelt. Mehrere hundert Techno-Anhänger wurden verletzt. Die Verantwortlichen von Stadt, Ordnungskräften und Veranstalter haben allesamt eine Mitschuld für das Unglück von sich gewiesen.

«Die Feststellung eines Anfangsverdachts bedeutet nicht zwingend, dass sich die Beschuldigten auch vor Gericht werden verantworten müssen», erklärte die Staatsanwaltschaft. Erst die weiteren Ermittlungen würden zeigen, ob im Einzelfall Anklage zu erheben oder das Verfahren einzustellen sei.

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Rolf Haferkamp haben die Beschuldigten nun Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Wann dann gegebenenfalls Anklage erhoben wird, sei noch offen.

Das Zwischenergebnis beruht vor allem auf der Vernehmung von mehr als 2200 Zeugen und der Sichtung von Bildaufzeichnungen vom Geschehen. Wie es hieß, beschäftigt der Fall 90 Beamte.

Quelle: dpa

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