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26.01.2011 | Berlin

Jedes sechste getestete Ei enthielt Dioxin

 

Im Dioxinskandal war jedes sechste getestete Ei mit dem Gift belastet. Das geht aus einem weiteren Bericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervor.

Bei Schweinefleisch sei nur eine von 127 Proben über dem Grenzwert gewesen, bei Legehennen seien es zwei Überschreitungen gewesen. Bundesweit gab es am Dienstag noch noch 422 vorläufig gesperrte Höfe, 419 davon in Niedersachsen. Am Mittwoch wollte der Bundestags-Verbraucherausschuss über die Situation beraten.

Bund und Länder wollen schärfere Kontrollen und mehr Auflagen für die Futtermittelwirtschaft umsetzen. Mitte Januar waren 23 Eier-Proben belastet gewesen, eine Schweinefleisch- und eine Legehennenprobe.

Quelle: dpa
19.01.2011 | Berlin

Aigner: Dioxin-Panscherei mit Vorsatz - Ausmaß größer?

Die Panscherei von Industrie- und Futtermittel könnte System haben, meint das Agrarministerium in Niedersachsen. Die Bundesregierung will mit dem Aktionsplan von Agrarministerin Aigner die Nahrung sicherer machen. Die Opposition dringt auf mehr Öko.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) geht im Dioxin-Skandal von vorsätzlicher Panscherei aus. Das Agrarministerium in Hannover vermutet gar, dass schon viel länger Dioxin ins Futtermittel gemischt wurde. Die Verbraucher sollen künftig nach dem Willen der Bundesregierung besser vor Gift im Essen geschützt werden. Das Kabinett beschloss am Mittwoch einen Aktionsplan für schärfere Kontrollen und harte Auflagen für Futtermittelfirmen. Im Bundestag stritten Koalition und Opposition derweil über eine Agrarwende hin zu mehr Ökologie.

«Dioxin gehört nicht ins Futtermittel. Und Dioxin gehört schon gar nicht in die Lebensmittel», sagte Aigner bei einer Regierungserklärung im Bundestag. «Die Täter waren und sind skrupellos.» Sie gehe bisher von einem Vorsatz aus. Der Futtermittelhersteller Harles und Jentzsch gilt als Auslöser des Skandals, weil er Futterfett und Industriefett vermischt hatte. Aigner sieht jedoch weiterhin keine akute Gesundheitsgefahr für Verbraucher.

Die Panscherei mit dioxinhaltigen Fetten in Tierfutter läuft nach Vermutung des niedersächsischen Agrarministeriums schon viel länger als seit März 2010. Der Dioxin-Skandal sei letztlich wohl eine Panne beim illegalen und systematischen Vermischen technischer Fette mit Futterfetten, sagte Ministeriumssprecher Gert Hahn und bestätigte damit einen Bericht der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Die Praxis sei aufgeflogen, weil zu viel belastetes Fett untergemischt worden sei. Anders lasse sich nicht erklären, dass der Hersteller seine Fette so lange getestet habe, bis Dioxin-Grenzwerte unterschritten wurden.

Das Agrarministerium in Kiel hat darauf aber keine Hinweise. «Wir haben keine Erkenntnisse, die eine solche Aussage bestätigen könnten», sagte Ministeriumssprecher Christian Seyfert der dpa. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hält die Panscherei bei Futtermitteln für systembedingt. Das Vermischen belasteter und unbedenklicher Fette ist seit 2003 verboten.

Die Bundesregierung will schnell Konsequenzen zugunsten der Verbraucher ziehen. «Darauf können sie sich verlassen», sagte Aigner. «Vieles wird noch in diesem Jahr geschehen.» Das Kabinett beschloss einen Zehn-Punkte-Plan  Aigners. Bund und Länder hatten sich am Dienstag auf 14 Punkte verständigt. Die Futtermittelkontrollen der Länder sollen verbessert werden. Der Bund soll an der Qualitätsüberprüfung der Kontrollen mitwirken. Geplant sind auch eine Meldepflicht von Futtermittelfirmen und Privatlaboren für Schadstoffe, härtere Strafen sowie eine Trennung von Futter- und Industriefett. Die Verbraucher sollen besser über Schadstoffe im Essen informiert werden.

Die Opposition warf Aigner schwere Fehler vor. «Sie erhöhen mit Ihrer Politik das Risiko für Lebensmittelskandale», sagte Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn. «Die ganze Welt soll mit deutschem Schweinefleisch beglückt werden.» Damit wachse der Preisdruck, weil Futter der höchste Kostenfaktor sei. Linksfraktionsvize Dietmar Bartsch warf Aigner Zögerlichkeit vor. «Auch Ihr Agieren hat das Vertrauen in sichere Lebensmittel erschüttert.»

SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber forderte einen Schutz für Informanten bei Verstößen, was die CDU ablehnte. Der SPD-Agrarpolitiker Wilhelm Priesmeier kritisierte, Aigner habe mangelhafte Kommunikation nach außen betrieben. Die Ministerin wies die Kritik zurück: «Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit. Ich habe von Anfang an die Lage ernst genommen.» Aigner war in der vergangenen Woche unter Druck geraten. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hatte ihre Entlassung gefordert.

Die Opposition und mehrere Bio-Verbände forderten eine neue Agrarpolitik hin zum Öko-Landbau. Aigner kündigte nur an, die regionale Vermarktung der Bauern zu stärken. Niedersachsens neuer Agrarminister Gert Lindemann (CDU) lehnte eine Agrarwende ab. Die Ursache des Skandals seien keine Systemfehler oder falsche Strukturen, sondern kriminelles Handeln. Der Deutsche Bauernverband forderte eine Entschädigungsregelung für verseuchte Futtermittel. «Wir wollen einen Rettungsschirm für die gesamte Branche», sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. In den Fonds sollten die Futtermittelhersteller einzahlen.

«Die Preise für Rohstoffe sind extrem gestiegen», sagte der Chef der Ernährungsindustrie BVE, Jürgen Abraham, der dpa. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen forderte vom Handel klare Entwarnung für Kunden. «Für uns ist wichtig, dass wir wieder sorgenfrei einkaufen können», sagte Verbandschef Gerd Billen.

Quelle: dpa

Aktionsplan "Verbraucherschutz in der Futtermittelkette":
Sicherheit und Transparenz: Aktionsplan Verbraucherschutz in der Futtermittelkette - Kurzfassung... »
Sicherheit und Transparenz: Aktionsplan Verbraucherschutz in der Futtermittelkette (PDF/56 KB/nicht barrierefrei) »

18.01.2010 | Berlin

Der 14-Punkte-Plan für sicherere Futtermittel

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) und die Länder haben sich nach dem Dioxin-Skandal auf einen 14-Punkte-Plan verständigt, um Futtermittel sicherer zu machen.

SICHERERE FUTTERMITTEL:
- Die Hersteller von Futterfetten müssen künftig eine Zulassung beantragen, die an strenge Auflagen geknüpft ist.
- Die Produktion von Futterfetten und technischen Fetten soll getrennt werden.
- Futtermittelfirmen müssen eine Haftpflichtversicherung für Betrieb und Produkt abschließen oder eine gleichwertige Absicherung.
- Auf einer möglichst EU-weiten Liste sollen Futtermittel und Rohstoffe stehen.

BESSERE EIGENKONTROLLEN DER WIRTSCHAFT:
- Die Futtermittelunternehmer sollen zu Risikokontrollen verpflichtet werden. Alle Ergebnisse sollen sie an die Behörden weiterleiten.
- Privatlabore müssen bedenkliche Mengen an Behörden melden.

BESSERE STAATLICHE KONTROLLEN:
- Die Rückverfolgung belasteter Lebens- und Futtermittel soll erleichert werden.
- Die Futtermittelüberwachung soll wie die Lebensmittelkontrolle am Risiko orientiert werden. Wer verdächtig ist, wird stärker kontrolliert.
- Die Kontrollen der Länder werden von dritter Seite unter die Lupe genommen. Dabei wirkt der Bund mit.
- Geplant ist ein Frühwarnsystem für Dioxin. Alle Daten über das Gift in Lebens- und Futtermitteln sollen gesammelt werden.

HÄRTERE STRAFEN:
- Die Länder prüfen Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften.
- Die Bundesregierung prüft schärfere Strafen bei Verstößen in der Lebensmittelkette.

MEHR INFOS FÜR VERBRAUCHER:
- Die Behörden müssen überhöhte Grenzwerte und Rechtsverstöße bei Lebensmittelkontrollen umgehend veröffentlichen. Dazu soll das Verbraucherinformationsgesetz geändert werden.
- Die Länder richten die Internetplattform www.lebensmittelwarnung.de ein für öffentliche Warnungen.

Quelle: dpa


Gemeinsamer Aktionsplan... »

Woher kommt mein Ei? Hier erfahren Sie's:
www.was-steht-auf-dem-ei.de/home/was-steht-auf-dem-ei

 

Betroffene Ei-Chargen: Behörden sollten sofort alle Namen der aufgefallenen Betriebe und Codenummern
der belasteten Eier nennen. Die bisher bekannte - leider unvollständige - Liste finden Sie hier... »

 

Informationen der Senatsverwaltung Berlin zu Dioxin und der Lage in Berlin... »
Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin
Telefon (030) 9025-0  | 
www.berlin.de/sen/guv

 

Ministerium für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Brandenburg
Telefon (0331) 866 -0   | 
www.mugv.brandenburg.de/sixcms/list.php/mugv_portal

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