DEUTSCHLAND/WELT

09.02.2011 | Berlin
«Gorch Fock»: SPD kritisiert Verteidigungsminister
Angesichts immer neuer Berichte über die Umstände des tödlichen Unfalls einer Soldatin auf der «Gorch Fock» hat der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) scharf angegriffen.
«Ich bin entsetzt, dass drei Monate nach dem tragischen Tod der Kadettin immer noch keine Klarheit besteht, was eigentlich vorgefallen ist», sagte er der «Bild»-Zeitung. Es sei durch nichts zu entschuldigen, dass der Untersuchungsbericht dem Parlament zwei Monate vorenthalten worden sei, so Oppermann weiter. «Das ist eine grobe Missachtung des Parlaments.» Zu Guttenberg habe die Bundeswehr und sein Ministerium «einfach nicht im Griff».

Auch die Mutter der auf dem Segelschulschiff gestorbenen Offiziersanwärterin verlangt Aufklärung. «Ich will die ganze Wahrheit wissen und endlich erfahren, warum meine Tochter verunglückt ist», sagte sie der Zeitung. Erneut widersprach sie einem «Bild»-Bericht, wonach die 25-Jährige zum Zeitpunkt des Unglücks wegen Übergewichts nicht diensttauglich gewesen sei. Dies hatte die Zeitung unter Berufung auf interne Ermittlungen der Marine gemeldet.
Demnach soll die junge Frau zum Zeitpunkt der Obduktion bei einer Größe von 1,58 Meter 83 Kilo gewogen haben. Diese Daten aus dem Obduktionsbericht habe Marineinspekteur Axel Schimpf vor den Obleuten des Verteidigungsausschusses bestätigt, berichtet «Bild» am Mittwoch. Die Mutter bestreitet, dass ihre Tochter stark übergewichtig gewesen sei: «Meine Tochter hat niemals so viel gewogen. Als sie aus Deutschland weggefahren ist, waren es auf keinen Fall mehr als 60 Kilo.»
Quelle: dpa

07.02.2011 | Berlin/Glücksburg
Tödlich verunglückte Kadettin war dienstuntauglich
Die im November auf dem Marine-Schulschiff «Gorch Fock» tödlich verunglückte Offiziersanwärterin soll wegen hohen Übergewichts nicht borddiensttauglich gewesen sein.
Die 1,58 Meter große Soldatin habe 83 Kilo gewogen und habe an der Übung, bei der sie aus der Takelage des Großseglers stürzte, nicht teilnehmen dürfen, berichtet die «Bild»-Zeitung (Dienstag). Sie beruft sich auf einen ihr nach eigenen Angaben vorliegenden Untersuchungsbericht der Marine.

Die Kieler Staatsanwaltschaft erklärte auf Anfrage: «Die Frage, unter anderem der Borddienstverwendungsfähigkeit der Offiziersanwärterin S., ist Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Prüfungen.» Die Strafverfolgungsbehörde stehe bei den Untersuchungen in engem Kontakt zum Verteidigungsministerium und den nachgeordneten Dienststellen, sagte Oberstaatsanwaltin Birgit Heß der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Weitere Erklärungen würden zurzeit nicht abgegeben.
Das Presse- und Informationszentrum der Marine im schleswig-holsteinischen Glücksburg lehnte jede Stellungnahme ab.

In dem Marine-Untersuchungsbericht heißt es laut «Bild»-Zeitung, die Obduktion des Leichnams habe eine Körpergewicht ergeben, «welches in Relation zur Körpergröße eine Borddienstverwendungsfähigkeit ausgeschlossen hätte». Warum die massive Gewichtszunahme vor der Versetzung auf die «Gorch Fock» mit ihrer körperlich sehr anstrengenden Ausbildung und auch dort vor dem Unfall nicht aufgefallen sei, sei jetzt ebenfalls Teil des weiteren Untersuchungsverfahrens.
Das Segelschulschiff, bislang der Stolz der Marine, steht im Fokus der Aufmerksamkeit, weil Offiziersanwärter der Stammmannschaft einen unsensiblen Umgang mit dem Tod der Kameradin und massive Drangsalierung der Kadetten bis hin zu sexuellen Nötigung vorgeworfen hatten. Eine Untersuchungskommission der Marine ist an Bord gegangen, um die Vorwürfe aufzuklären. Das nach Deutschland zurückbeorderte Schiff befindet sich derzeit auf dem Rückweg von Südamerika.
Quelle: dpa
Deutsches Segelschulschiff Gorch Fock: www.gorchfock.de




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