DEUTSCHLAND/WELT

25.02.2011 | Regen
Abschied von getöteten Soldaten - «Lähmende Traurigkeit»
Bewegender Abschied von drei gefallenen Bundeswehrsoldaten: Merkel, Guttenberg und mehr als 600 weitere Gäste trauern um die von einem afghanischen Soldaten erschossenen Panzergrenadiere. Es war der schlimmste Anschlag auf die Bundeswehr seit fast einem Jahr.
In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg haben mehrere hundert Angehörige, Freunde und Kameraden den drei in Nordafghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten die letzte Ehre erwiesen. Die 21, 22 und 30 Jahre alten Panzergrenadiere waren vor einer Woche in einem Vorposten von einem afghanischen Soldaten erschossen worden. Er sollte das Lager eigentlich schützen.
Die Trauerfeier fand am Freitag in der Pfarrkirche der niederbayerischen Kleinstadt Regen statt, dem Heimatstandort der drei Gefallenen. Unter den mehr als 600 Teilnehmern waren auch die Ministerpräsidenten von Bayern und Baden-Württemberg, Horst Seehofer (CSU) und Stefan Mappus (CDU), sowie Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker. Auf dem Stadtplatz von Regen verfolgten mehrere hundert weitere Menschen die Zeremonie.

Der evangelische Militärdekan Alfred Gronbach sprach zum Auftakt von «lähmender Traurigkeit». Der katholische Militärdekan Reinhold Bartmann nannte den Angriff einen «bewussten Mordanschlag», der auch Zweifel an dem Einsatz hervorrufe. «Diese Fragen rühren uns nicht nur an, sondern sie rühren viele auch auf.» Auch Guttenberg wollte während der Trauerfeier das Wort ergreifen, eine Rede Merkels war nicht vorgesehen.
Es war die erste Trauerfeier in Deutschland für in Afghanistan gefallene Soldaten in diesem Jahr. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2001 kamen 48 deutsche Soldaten ums Leben. 30 davon starben im Gefecht oder bei Anschlägen. Die Bundeswehr ist im Rahmen des internationalen Einsatzes für den Norden des Landes zuständig. Ende dieses Jahres soll mit ihrem Abzug begonnen werden.

Der Anschlag in der Provinz Baghlan am vergangenen Freitag war der schlimmste Angriff auf deutsche Einheiten am Hindukusch seit fast einem Jahr. Der Angreifer hatte das Feuer eröffnet und den 21 Jahre alten Hauptgefreiten, den 22 Jahre alten Stabsgefreiten und einen 30 Jahre alten Hauptfeldwebel vom Panzergrenadierbataillon 112 in Regen getötet. Sechs weitere deutsche Soldaten wurden verletzt.
Guttenberg warnte vor der Trauerfeier vor pauschalem Misstrauen gegenüber der afghanischen Armee. Das wäre «der gänzlich falsche Schritt», sagte er am Donnerstagabend im Bundestag. «Es entspricht unserer Verantwortung, dass wir an unserer Strategie des Aufbaus der afghanischen Sicherheitskräfte und der engen Kooperation mit ihnen auch festhalten.» Der Minister betonte, wie wichtig die öffentliche Anteilnahme an dem Einsatz in Afghanistan für die Soldaten ist. «Ohne diesen Rückhalt könnten die Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst auch gar nicht in dieser Form, in dieser Weise leisten.»
Quelle: dpa
Panzergrenadierbataillon 112... »
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