DEUTSCHLAND/WELT

27.02.2011 | Berlin
Die Plagiats-Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg hinterlässt nun doch sichtbare Kratzer an der Popularität des Verteidigungsministers.
Die große Mehrheit der Deutschen steht zwar weiter zu dem CSU-Mann - allerdings halten zunehmend weniger Bürger den noch immer beliebtesten Spitzenpolitiker für einen potenziellen Bundeskanzler. Aus der Wissenschaft wird Guttenberg massiv attackiert. Auch aus der Union kommt vorsichtige Kritik: So zweifelte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) am politischen Stehvermögen des bisherigen Senkrechtstarters.
46 Prozent der Bundesbürger halten Guttenberg weiter für kanzlertauglich, wie eine TNS-Emnid-Umfrage für das Magazin «Focus» ergab.

Aber fast genauso viele (45 Prozent) meinen, er eigne sich nun nicht mehr dafür. Laut ZDF-«Politbarometer» vom Freitag waren noch 60 Prozent überzeugt, dass Guttenberg weiterhin für höchste Ämter in Frage kommt - 35 Prozent sagten Nein.
Zwei Drittel wollen laut «Focus»-Umfrage, dass Guttenberg Minister bleibt. Im «Politbarometer» hatten sich drei Viertel gegen einen Rücktritt ausgesprochen. Nach einer Emnid-Umfrage für die «Bild am Sonntag» hoffen 72 Prozent, dass Guttenberg im Amt bleibt. Inzwischen sind aber 46 Prozent der Meinung, der Minister sei ein Schummler - 47 Prozent sehen das nicht so.
Böhmer kritisierte den CSU-Politiker: «Ich halte das Verhalten des Doktoranden zu Guttenberg weder für legitim noch für ehrenhaft.» Es sei «eine Frage der Redlichkeit», dass man Quellen angebe, wenn man längere Passagen anderer Texte übernehme, sagte er dem Berliner «Tagesspiegel». Angesichts zunehmender Vorwürfe sagte Böhmer: «Ich weiß nicht, wie lange er das erträgt und aushalten kann.» Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vermutete dagegen im «Focus», Guttenberg habe «noch eine lange, große Laufbahn» vor sich».

Der von Guttenberg abgesetzte «Gorch Fock»-Kapitän Norbert Schatz wird nach «Focus»-Angaben im Untersuchungsbericht der Marine entlastet. Ein «disziplinarrechtlich relevantes Fehlverhalten» des Kapitäns sei «nicht zu erkennen», schreibt das Magazin. In Marine- Kreisen werde daher erwartet, dass Guttenberg den Kapitän rehabilitiert, nachdem er ihn im Januar vorläufig von seinen Pflichten entbunden hatte. Im November 2010 war eine 25 Jahre alte Kadettin bei einer Übung auf der «Gorch Fock» in Brasilien aus der Takelage in den Tod gestürzt. Nach ihrem Tod hatten Offiziersanwärter das Verhalten der Vorgesetzten massiv kritisiert.
Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte am Samstag, der Untersuchungsbericht sei noch nicht fertig. Das Ministerium äußere sich aber nicht zu internen Papieren. Auch die Marine hielt sich bedeckt. Vor der offiziellen Veröffentlichung des Berichts sei nicht mit einer Stellungnahme zu rechnen, sagte ein Sprecher in Glücksburg (Schleswig-Holstein). Ursprünglich sollte der Bericht bis Ende Februar fertig sein.




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